American Football

Superstar Peyton Manning feiert den perfekten Abschied

Vier Wochen nach dem Triumph beim Super Bowl 50 beendet der Quarterback seine große NFL-Karriere. Auf die fällt aber ein Schatten.

Ein Großer sagt Tschüss: NFL-Star-Quarterback Peyton Manning von Super-Bowl-Sieger Denver Broncos

Ein Großer sagt Tschüss: NFL-Star-Quarterback Peyton Manning von Super-Bowl-Sieger Denver Broncos

Foto: USA TODAY SPORTS / USA Today Sports

Denver/Köln.  – Am Ende hörte Peyton Manning doch auf seine Mutter. "Ich möchte, dass er Schluss macht. Er hat den Super Bowl gewonnen, auf bessere Weise kann man nicht abtreten", hatte Mama Olivia kurz nach dem Sieg der Denver Broncos im NFL-Finale gesagt, das Konfetti regnete auf sie herab. Der Wunsch geht nun in Erfüllung.

Vier Wochen hat Manning seit seinem großen Tag gebraucht, um sich zu entscheiden. Es gab viele Spekulationen um die Zukunft des legendären Quarterbacks, es sickerte nichts durch. Am Sonnabend informierte das Football-Idol seine Teamkollegen per Textnachricht, am Sonntag machten die Broncos dann bekannt, was keinen in der Sportwelt mehr überraschte.

Nach 18 Jahren in der US-Profiliga geht der "Sheriff" vom Feld. Manning wird 40, der Körper spielt schon seit längerer Zeit nicht mehr mit, die letzte Saison war vielleicht seine schwächste. Spätestens seit dem Triumph im Super Bowl 50 über die hochfavorisierten Carolina Panthers (24:10) ist das egal, der zweimalige Champion hat sich selbst das schönste Abschiedsgeschenk gemacht. Auch wenn er den Erfolg in erster Linie seiner Defense zu verdanken hatte.

„Er hat den NFL-Football revolutioniert“

Neben vielen Bestmarken hinterlässt Manning bei Weggefährten, Fans und Liga-Bossen die Erinnerungen an zahlreiche grandiose Momente eines der besten Athleten der NFL-Geschichte.

„Wenige haben ihre Spuren so im Sport hinterlassen wie Peyton. Einfach ausgedrückt, er hat den NFL-Football revolutioniert“, schrieb Jim Irsay, Besitzer der Indianapolis Colts. Die Colts hatte Manning 2007 zur Meisterschaft geführt.

Neun Jahre später gelang dem Spielmacher mit einer letzten Kraftanstrengung der große Super-Bowl-Coup noch einmal mit den Denver Broncos. Dauerrivale Tom Brady von den New England Patriots sprach von „einer unglaublichen Karriere“.

Manning habe das Spiel für immer verändert und jeden um sich herum besser gemacht, so Brady, der seine Twitter-Nachricht mit den Worten „Es war mir eine Ehre“ beendete.

Fünfmal wertvollster Spieler

Manning hat seinen Platz im NFL-Geschichtsbuch sicher. Kein anderer Quarterback hat in einer Saison und in der Liga-Historie mehr Touchdown-Pässe geworfen, niemand mehr Spiele gewonnen oder ist fünfmal zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt worden. Und nur Peyton Williams Manning hat es als Spielmacher geschafft, mit zwei Teams den Titel zu holen.

Kein Wunder, stammt er doch aus einer Football-Familie. Vater Archie war Quarterback der New Orleans Saints, Bruder Eli führte die New York Giants zweimal zum Triumph im Super Bowl.

Mannings Abschied kommt nicht überraschend. Die „Denver Post“ hatte bereits vor den Playoffs vom „letzten Rodeo“ des „Sheriffs“ geschrieben. Zwar hatte der Routinier noch einen Vertrag für ein weiteres Jahr in Denver und hätte 19 Millionen Dollar verdienen können.

Doch er selbst wusste, dass eine weitere Spielzeit ein großer Fehler gewesen wäre. Mit einem letzten großen Hurra abzutreten - Manning gelang das, was viele Profi-Sportler sich vergebens wünschen.

Sein Nachfolger steht bereit

„Verletzt zu sein und zu Saisonbeginn zu straucheln, hat keinen Spaß gemacht. Deshalb bin ich dafür dankbar, wieder gesund geworden zu sein, so dass ich versuchen konnte, in den vergangenen Wochen meinen Teil beizutragen“, meinte Manning nach dem Sieg im Super Bowl gegen die favorisierten Carolina Panthers.

In Brock Osweiler steht längst sein Nachfolger bei den Broncos bereit. Und Manning hat in der vergangenen Saison bereits leidvoll erfahren müssen, wie schnell es selbst für einen Ausnahme-Footballer wie ihn abwärtsgehen kann.

Sein Körper konnte einfach nicht mehr. Die Schulter seines Wurfarms schmerzte, der linke Fuß hielt den Belastungen nicht mehr stand. Der ansonsten so souveräne Manning wirkte verwundbar, anfällig, unsicher.

„Es war ein Segen, ihn trainieren zu dürfen“

Er warf öfter den Football in die Arme des Gegners (17 Mal) als für einen Touchdown zum eigenen Mitspieler (9). In keiner seiner 18 NFL-Spielzeiten hatte er eine schlechtere Bilanz. Dass Denver Meister wurde, lag vor allem an der überragenden Defensive.

Doch das schmälert Mannings Meriten keinesfalls. „Peyton Mannings außergewöhnliche Karriere war getrieben von Talent, einer unglaublichen Arbeitseinstellung und einem standhaften Wunsch der Beste zu sein – und sie endete so perfekt für ihn mit einem Super-Bowl-Sieg“, sagte NFL-Boss Roger Goodell. Ihm bleibt durch Mannings Karriere-Ende womöglich ein unangenehmer Schritt erspart.

Dementsprechend wird Manning gehuldigt. Als "GOAT" (Greatest Of All Time), also bester aller Zeiten, wurde der Superstar aus der Quarterback-Dynastie etwa von seinen Mitspielern C.J. Anderson und Jordan Norwood abgefeiert. Und auch Headcoach Gary Kubiak verneigte sich: "Es war ein Segen, ihn trainieren zu dürfen. Niemand hat härter gearbeitet."

Schatten über der Karriere

Manning wird dieser Tage als Sportler und Mensch gewürdigt, über dem Abgang des Saubermanns liegt dennoch ein Schatten. Im Dezember hatte der Fernsehsender Al-Jazeera in der Sendung "Die dunkle Seite" behauptet, Manning habe sich 2011 über eine Anti-Aging-Klinik Wachstumshormone beschafft Kompletter Müll", findet der. Aus der Welt ist die Sache nicht.

Und es gibt ein weiteres schmutziges Kapitel. Am College soll er sich vor einer weiblichen Trainerin entblößt haben, seit Wochen beschäftigt das Thema die Medien. Gut möglich, dass sich Manning am Montag, wenn er bei einer Pressekonferenz über sein Karriereende reden will, unschöne Fragen zu den Themen Doping und sexuelle Belästigung gefallen lassen muss.

Sein Bild in der Öffentlichkeit könnte etwas leiden, die Erfolge bleiben unangetastet - Manning geht mit zahlreichen Rekorden. Er war der älteste Quarterback in einem Super Bowl und führt in der Bestenliste unter anderem in den Kategorien Raumgewinn durch Passspiel (71.940 Yards) und Touchdown-Pässe (539). Fünfmal war er wertvollster Spieler der Saison, beim ersten Titelgewinn mit den Indianapolis Colts (2007) MVP des Finales.

Ausnahmetalent aus New Orleans

Manning, dessen Vater Archie (66) in den 70er und 80er Jahren NFL-Quarterback war und dessen jüngerer Bruder Eli (35) bei den New York Giants die Fäden zieht, wurde im Draft 1998 von den Colts als Nummer eins ausgewählt. Das Ausnahmetalent aus New Orleans blieb lange. Es kam zur Trennung, nachdem Manning die Saison 2011/12 wegen einer Nackenverletzung verpasst hatte, es folgte der Wechsel nach Denver.

Nach der Niederlage im Super Bowl XLVIII (2014) holte das Team im zweiten Anlauf mit Manning den Titel. Quarterback-Legende John Elway, Vizepräsident und General Manager des Klubs, zieht seinen Hut: "Ich bin dankbar, dass sich Peyton dafür entschieden hat, für die Denver Broncos zu spielen und beglückwünsche ihn zu seiner Hall-of-Fame-Karriere."