NFL-Finale in Santa Clara

Denver Broncos gewinnen Super Bowl gegen Carolina Panthers

Triumph für Peyton Manning und seine Denver Broncos: Mit dem 24:10 gegen die Carolina Panthers holten die Broncos ihren dritten Titel.

Normalerweise macht der „Sheriff“ aus New Orleans keine Gefangenen. Normaler setzt Peyton Manning, der nach Touchdowns, Raumgewinn, Siegen, Skandalfreiheit und Seriösität einsam alle Statistiken der National Football League (NFL) anführende Spielmacher der Denver Broncos, höchst persönlich die tödliche Stiche. Perdu.

Im 50. Endspiel übernahmen andere für ihn die entscheidenden Verhaftungen. Das aggressive und reaktionsschnelle Abwehr-Bollwerk des Teams aus Colorado zog im Superbowl den favorisierten Carolina Panthers mit ihrem die reguläre Saison über dominanten Quarterback Cam Newton beim 24:10 sämtliche Zähne.

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Peyton Manning bedankte sich nach der Partie im kalifornischen Santa Klara überschwänglich bei seinen „Hilfs-Sheriffs“: „Wegen ihnen sind wir hier.“ Sie machen den in wenigen Wochen 40 werdenden Ausnahme-Athleten zum ältesten Meister-Quarterback in der Geschichte der NFL.

Mannings Leistung als Feldherr, der mit 1,96 Meter Körpergröße und phänomenaler Übersicht über Jahre das Spiel beherrschte, fiel in seinem möglicherweise letzten großen Spiel bescheiden aus. 141 Yards Raumgewinn, eine Interception geworfen, ein Fumble verloren, viele kleine Fehler und Ausrutscher - an Mannings Wurfkünsten lag es nicht, dass die „Wildpferde“ von Trainer Gary Kubiak zur Pause mit 13:7 vorn lagen, die Panthers düpierten und am Ende bei ihrem achten Final-Rodeo zum dritten Mal die begehrte Vince Lombardi-Trophäe zu fassen bekamen.

Das Lob gebührt den Defensiv-Strategen Von Miller, DeMarcus Ware, Danny Trevathan und Malik Jackson. Sie wiederholten auf genialische Weise ihre zerstörerische Arbeit, der im Halbfinale bereits Vielfach-Meister New England Patriots zum Opfer gefallen war. Wie die „glorreichen Vier“ die zuvor in 18 Spielen hintereinander siegreichen und allen Gegnern überlegenen Panthers zähmten, wie sie deren ungenügend geschützten Star-Spielgestalter Cam Newton überrannten und demütigten und so den Spielaufbau der favorisiert gewesenen Truppe aus North Carolina neutralisierten, nötigte selbst den Alt-Stars des Sports bewunderndes Nicken ab.

Zum 50. Endspiel, das weltweit an die 900 Millionen Menschen am Fernseher mitverfolgt haben dürften, hatte die NFL Heroen früherer Finalpartien wie Joe Montana nach Kalifornien eingeflogen. Alle waren sich einig: Dass Von Miller am Ende die Auszeichnung für den „wertvollsten Spieler“ (MVP) der Partie erhielt, war ebenso folgerichtig wie der Lobgesang auf Lady Gaga. Die New Yorker Pop-Diva hatte vor der Partie die vielleicht großartigste Version der Nationalhymne „Star-Spangled Banner" seit dem Referenzauftritt von Whitney Houston 1991 hingelegt. Noten, die sich die bombastische, aber wenig zündende Halbzeitshow mit Auftritten von Coldplay, Bruno Mars und Beyoncé nach erster Durchsicht der Kritiken in großen US-Medien nicht verdienen konnte.

In der Partie, die im Rückblick eher zu den hässlichen und zerfahrenen Endspielen zählen wird, fiel die endgültige Entscheidung erst in der 56. Minute. Broncos-Runningback C. J. Anderson wuselte sich zum Touchdown, was eine 22:10-Führung bedeutete. Direkt im Anschluss machte Denver durch einen von Manning routiniert eingeleiteten Zwei-Punkte-Versuch alles klar: 24:10. Cam Newton kamen auf der Bank die Tränen. Für den 26-Jährigen, der zu keiner Zeit Normalform erreichte und von Minute zu Minute unsicherer wurde, war sein erstes NFL-Finale eine eiskalte Dusche. Trotzdem: Die Zukunft gehört ohne Zweifel ihm.

Im Konfetti-Regen, der später über dem mit 75 000 Zuschauer gefüllten Levi‘s-Stadion niederging, war aber nicht die Sahne-Vorstellung der Denver-Defensive das Thema des Abends - sondern Peyton Manning, der in Interviews um Fassung bemüht schien, betont bescheiden blieb und sich mehrfach beim lieben Gott bedankte. Nachvollziehbar. Manning ist ab sofort der erste Quarterback der Geschichte, der mit zwei verschiedenen Teams (2007 war es Indianapolis) zu Meisterehren gekommen ist. Für den zweifachen Vater ist der 50. Superbowl das Ende einer Achterbahnfahrt, die auch ganz anders hätte ausgehen können.

Peyton Manning, über ein Jahrzehnt bei den Colts in Indianapolis treffsicher am Abzug gewesen, war Anfang des Jahrzehnts durch - „Toast“, wie die Amerikaner sagen. Nach mehreren Operationen am Nacken war sein Wurfarm nur noch Pudding. Dazu kam eine komplizierte Wirbelverblockung. Dem Bruder des zweifachen Superbowl-Gewinners Eli Manning, selber Quarterback, drohte die Sport-Invalidität. Peyton Manning aber kämpfte sich mühsam durch eine Reha nach der nächsten wieder heran. Und John Elway gab ihm in Denver die zweite Chance. Der heutige Präsident der Broncos, auch erst auf der Zielgeraden zu Meister-Ringen gekommen, gab dem Star einen neuen mit knapp 100 Millionen Dollar dotierten Vertrag und baute nach und nach ein Meisterteam um ihn herum auf. Manning dankt es nach Leidensphase und Psychoknick mit grandiosen Leistungen.

Schon 2014 führte er seine Mannschaft mit präzisen Pässen aus dem „Pocket“ heraus, einem menschlichen Schutzwall aus fünf Muskel-Gebirgen auf Beinen, ins Endspiel. Damals hatten die Seattle Seahawks das entschieden bessere Ende für sich. Denver rüstete auf, vor allem in den Defensive. In dieser Saison dann das Kontrastprogramm. Manning kämpfte mit Formtief und Fußverletzung und warf streckenweise so miserabel, dass die Fans seine zügige Verrentung forderten. Brock Osweiler, die Nr. 2 der Broncos, profitierte solange davon, bis Trainer Kubiak vor wenigen Wochen eine Eingebung hatte: „Mit Manning kommen wir ins Endspiel.“ Gedacht, getan, geschafft. Und nun? Über seinen Rücktritt wollte Peyton Manning am Sonntagabend noch keine Auskunft geben. „Ich werde jetzt erst einmal meine Frau und meine Kinder küssen und dann sehr viel Bier trinken“, beschied er die Reporter. Wie man Manning kennt, wird er Von Miller und den anderen „Hilfs-Sheriffs“ gewiss einen ausgeben.