Leichtathletik

Warum der Berliner Marc Koch mit Silber nicht zufrieden ist

Der 400-Meter-Läufer wurde bei seinem ersten Finale deutscher Vizemeister und war enttäuscht. Im Rennen machte er einen Fehler.

Dem Berliner Marc Koch fehlte es bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig im Schlussspurt an Erfahrung

Dem Berliner Marc Koch fehlte es bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig im Schlussspurt an Erfahrung

Foto: dpa Picture-Alliance / Gladys Chai von der Laage / picture alliance / Gladys Chai v

Leipzig/Berlin.  Marc Koch sah nicht aus wie jemand, der gerade Silber gewonnen hatte. Der 400-Meter-Läufer stand in der Mixed Zone der deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig und machte böse Miene zum guten Spiel.

Eigentlich hatte der 21-Jährige von der LG Nord Berlin Grund zur Freude, schließlich war er in seinem erstes Finalrennen bei den Männern auf Anhieb aufs Treppchen gelaufen. Doch Koch haderte eher mit der verpassten Goldmedaille.

„Wenn man so ein Ding noch auf den letzten Metern verliert, ist das bitter“, sagte er. Eingangs der letzten Runde hatte er attackiert und sich an die Spitze gesetzt – „vielleicht ein bisschen zu früh“, so seine Trainerin Nadine Großkopf. So musste der Berliner die ganze Kurve auf Bahn zwei laufen, während der spätere Sieger Eric Krüger aus Magdeburg auf der Innenbahn den kürzesten Weg wählte. Die zusätzlichen Meter kosteten Koch den Titel.

Als ihn familiäre Probleme ausbremsten

Allzu sehr grämen sollte er sich nicht. In diesem Winter hat Koch ei­nen großen Schritt nach vorn gemacht. Seine Hallenbestzeit über 400 Meter konnte er um mehr als eine halbe Sekunde auf 47,11 Sekunden verbessern, die zweitschnellste Zeit in Deutschland in diesem Jahr hinter Alexander Gladitz aus Hannover (46,71).

„Ich habe mein Niveau noch einmal steigern können“, sagt Koch. Sein bislang bestes Jahr hatte er 2013 erlebt, als er deutscher Jugendmeister wurde und bei den Junioren-Europameisterschaften Rang fünf mit der Staffel belegte.

Dann aber stagnierte seine Leistung, das Abitur und familiäre Probleme bremsten ihn aus. Im vergangenen Jahr hatte er immer wieder mit muskulären Problemen zu kämpfen, gewann dennoch Bronze mit der Staffel bei der U23-EM.

Unterstützung vom britischen Trainer

Die Beschwerden sind längst überstanden. „In diesem Winter hatte ich endlich einmal keine Probleme und bin prompt Bestzeit gelaufen“, sagt Koch. Vor allem an seiner Schnelligkeit hat der 21-Jährige gearbeitet. Unterstützung bekam er dabei vom britischen Trainer Tony Hadley – nicht verwandt mit dem gleichnamigen Sänger der Band Spandau Ballet –, bei dem Koch einige Monate verbrachte.

„Er hat eine richtig schnelle Truppe beisammen, da konnte ich mir einiges abgucken“, erzählt er. Ziel des Auslandsaufenthaltes auf der Insel sei aber eigentlich die Verbesserung seiner Englischkenntnisse gewesen, so der Leichtathlet. „Das kann sicher nicht schaden, wenn ich mal international starte.“

In diesem Jahr bieten sich dazu mit den Europameisterschaften in Amsterdam und den Olympischen Spielen in Rio gleich zwei Gelegenheiten. Ein Einzelstart scheint angesichts der happigen Norm von 46,00 (EM) beziehungsweise 45,40 Sekunden (Olympia) außer Reichweite, doch mit der Staffel könnte es klappen.

Ziel ist ein Staffelplatz bei Olympia

„Das ist ganz klar das Ziel“, sagt Nadine Großkopf, die ihren Schützling als ehrgeizig und fleißig beschreibt. Bislang steht Kochs Bestzeit bei 46,89 Sekunden, „aber ich kann definitiv noch viel schneller laufen. Das verspreche ich!“ Spätestens bei der EM 2018 im Berliner Olympiastadion will der Student der Betriebswirtschaftslehre mit den Besten Europas mithalten können.

Dann werden auch Robert Harting, sein Bruder Christoph und Freundin Julia Fischer (alle SCC Berlin) wieder am Start sein, deren Disziplin Diskus bei den Hallenmeisterschaften in Leipzig nicht auf dem Programm stand.

In ihrer Abwesenheit holten Marc Koch und Weitspringerin Melanie Bauschke (LAC Olympia 88 Berlin) als Dritte die einzigen Medaillen für die Leichtathleten aus der Hauptstadt. Dreispringerin Birte Damerius (TSV Rudow) wurde Vierte, hinzu kamen drei fünfte Plätze.

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