Diese Frau überlässt nichts dem Zufall. Ariane Friedrich ist mit Trainer Günter Eisinger vorab nach Leipzig gefahren. In der Arena, in der an diesem Wochenende die deutschen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten stattfinden, testete sie, wie sie mit der Hochsprunganlage zurechtkommt.

Insgesamt 31 Monate lang hatte Friedrich erst wegen Knieverletzung, dann wegen der Geburt ihrer Tochter Amy pausiert. Jetzt ist sie zurück. Und will um den Titel mitspringen.

Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein schwerer Weg zurück. Leichtathletik-Fans kennen die heute 32-Jährige als flippige Athletin, die extrovertierte Auftritte ebenso liebte wie häufig wechselnde Haarfarben. Wenn sie federleicht über die Latte floppte, wirkte sie fast schon zerbrechlich.

Bei Geburt 82 Kilogramm schwer

Wer hoch springen will, muss auf seine Pfunde achten. Jedes Gramm zu viel kostet Höhe, jedes Gramm zu wenig Substanz. 58 Kilo, das war für Ariane Friedrich bei einer Größe von 1,79 Metern das Idealgewicht, mit dem sie 2009 den deutschen Freiluftrekord auf 2,06 Meter steigerte, mit dem sie bei der WM in Berlin die Bronzemedaille gewann.

Vor Amys Geburt im September 2014 hat sie 82 Kilo gewogen. Und als sie nach einigen Monaten wieder an Leistungssport dachte, zeigte die Waage immer noch 71 Kilo an. „Es war richtig schwer“, sagt Friedrich. „Einige Pfunde waren sehr hartnäckig. Aber dann haben wir uns doch voneinander getrennt.“

Mit enormer Selbstdisziplin und großem Trainingsfleiß hat sie Fettmasse ab- und Muskeln aufgebaut. Das Idealgewicht ist zurück, die Idealform noch längst nicht. „Das ist völlig normal“, sagt Trainer Eisinger. „Es ist schön zu sehen, wie sie sich von Tag zu Tag verbessert.“

32 Mal sprang sie über die Zwei-Meter-Marke

Geduld ist angesagt. Nicht gerade ihre Lieblingsdisziplin. Aber der Körper nimmt sich, was er braucht. Und das ist zunächst mal Zeit. „Ich fühle mich im Moment wie ein Formel-1-Renner“, sagt Ariane Friedrich. „Die Teile im Motor sind alle bereit. Die PS-Zahl unter der Haube stimmt, doch ich bekomme sie noch nicht auf die Straße.“

Zwei Aufbau-Wettkämpfe hat sie bereits hinter sich. 1,88 und 1,87 Meter: Platz zwei der deutschen Jahresbestenliste hinter Marie-Laurence Jungfleisch (1,94). Nicht schlecht, aber nicht Maßstab einer Springerin, die 32 Mal die Zwei-Meter-Marke überquerte.

„Ich wäre nicht Ariane Friedrich, wenn ich nicht gewinnen will“, gibt sie zu. „Aber klar, Marie-Laurence muss einen schlechten und ich einen sehr guten Tag erwischen. Zunächst sollen die 1,90 Meter und ich wieder Freunde werden.“

„Dem Problemknie hat die Pause gut getan“

Hochspringen verlernt man nicht. Das ist wie Fahrradfahren. Ariane Friedrich muss nur die bekannten Muster wieder beleben. Dem Problemknie hat die Pause gut getan. Aber manchmal muss sie doch kürzer treten. „Ich habe eine tolle Tochter“, sagt Friedrich. „Aber von Zeit zu Zeit bringt sie ein Monstervirus aus der Kita mit, das ich mir dann auch einfange.“

Mit Hilfe ihres Lebenspartners, dem Bob-Olympiasieger André Lange, und einer Freundin bekommt sie den Spagat zwischen Mutterrolle und Leistungssport hin. „Für mich ist der Sport schon noch lebenswichtig. Aber mein Kind ist wichtiger“, sagt sie. An Rücktritt hat sie ernsthaft nie gedacht.

Sie ist nach eigenen Worten mit dem Sport noch nicht fertig. Als sie 2012 bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele über den Rasen ging, hatte sie ein „Hochgefühl“, obwohl sie vorher das Finale verpasste. „Das will ich noch mal haben“, sagt Friedrich. „In Rio.“