Handball

Geben und Nehmen im Fuchsbau

Der Erfolg der Handball-Nationalmannschaft führt dazu, dass Bob Hanning nun auch mit den Füchsen neue Wege gehen will

Ein Berliner für die Zukunft im Welthandball: Fabian Wiede (21) kam über die Stationen Belzig und Potsdam nach Berlin und gewann mit den Füchsen seit der B-Jugend in jedem Jahr einen Titel. Bei der EM warf er 19 Tore für die deutsche Auswahl

Ein Berliner für die Zukunft im Welthandball: Fabian Wiede (21) kam über die Stationen Belzig und Potsdam nach Berlin und gewann mit den Füchsen seit der B-Jugend in jedem Jahr einen Titel. Bei der EM warf er 19 Tore für die deutsche Auswahl

Foto: KACPER PEMPEL / REUTERS

BERLIN.  Eigentlich hätte Mattias Zachrisson auch eine Goldmedaille verdient gehabt bei der Handball-Europameisterschaft. Ohne den Treffer des schwedischen Rechtsaußen, der zum 28:28-Unentschieden zwischen Schweden und Dänemark führte, hätte Deutschland nämlich gegen Dänemark drei Tore Vorsprung benötigt, um sich für das Halbfinale zu qualifizieren. Dank Zachrisson reichte das 25:23, das den Weg zum sensationellen Erfolg der deutschen Handballer in Krakau ebnete. Zwar ging es Zachrisson bei seinem Einsatz in erster Linie darum, für sein Land die Teilnahmeberechtigung am Qualifikationsturnier für Olympia zu erspielen, was Schweden bei der EM auch gelungen ist, der Triumph der deutschen Handballer kommt dem Füchse-Spieler nun aber auch zu Gute.

Füchse Berlin wollen von der neuen Handball-Euphorie profitieren

Wenn die Handballbegeisterung, die sich am Montag zur Begrüßung der Nationalmannschaft in der Max-Schmeling-Halle mit über 9000 Fans niederschlug, anhält, ist davon auszugehen, dass Zachrisson mit den Füchsen in Zukunft öfter in einer ausverkaufter Halle spielen kann. Außerdem hat er erst einmal einen zufriedenen Chef, denn besser hätte diese EM auch für Füchse-Geschäftsführer und DHB-Vizepräsident Bob Hanning nicht laufen können.

Im August 2014 trug er maßgeblich dazu bei, dass der damalige Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson Bundestrainer wurde, dafür nahm Hanning in Kauf, dass zu seiner eigenen Doppelbelastung die des Trainers hinzukam. Er riskierte, dass sein sorgfältig aufgebauter Bundesligist eine Weile mehr Schritte rückwärts als vorwärts machte – jetzt aber kann er davon profitieren. Durch den Erfolg der Nationalmannschaft sind die Füchse Berlin nun in aller Munde. Das liegt nicht nur an Sigurdsson, dessen Glanz nun auf Berlin abfärbt. Mit Fabian Wiede, Paul Drux und dem im Sommer zu den Füchsen wechselnden Steffen Fäth könnte in Zukunft der gesamte Rückraum der Nationalmannschaft aus Berlin bestückt werden.

Wiede, Drux und Fäth sind die Zukunft im deutschen Rückraum

Fäth von der HSG Wetzlar war bei der EM die Entdeckung auf der Spielmacherposition, und dass man sich auf Wiede verlassen kann, hat der 21-Jährige in Berlin schon des Öfteren bewiesen. Bei der EM bekam er durch den Ausfall Steffen Weinholds mehr Spielanteile als zunächst erwartet, zu keinem Zeitpunkt machte er sich aber Sorgen, diese Aufgabe nicht erfüllen zu können. „Er hat einfach keine Angst“, sagt Hanning, der den Linkshänder 2009 aus Potsdam zu den Füchsen holte und mit ihm vom Jugend- bis zum Erwachsenenbereich noch nie ein Endspiel verloren hat.

Drux, der in der vergangenen Wochen nach seiner Schulterverletzung zum ersten Mal wieder am Ball trainierte, verpasste zwar die EM, „aber er hat uns da hingebracht, und auch Silvio Heinevetter hatte seinen Anteil an dem Erfolg“, sagt Hanning. Auch die internationalen Füchse-Spieler machten in Polen von sich reden, zum Beispiel der Norweger Kent Robin Tönnesen, den die deutsche Auswahl im Halbfinale in Sonderbewachung nahm. Oder der Kroate Jakov Gojun, der hinter Finn Lemke bester Abwehrspieler der Turniers wurde. Petar Nenadic zeigte ebenfalls eine herausragende Leistung, auch wenn Serbien bereits in der Vorrunde ausschied. Gemeinsam mit dem Dänen Hans Lindberg, der vom insolventen HSV Handball nach Berlin kommt und schon zum Rückrundenstart gegen Melsungen am 14. Februar dabei ist, haben die Füchse Berlin spätestens nun einen Kader, der fast schon dazu verpflichtet, die Ziele zukünftig höher zu stecken

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning will die oberen Plätze angreifen

„Mein Traum ist es, die oberen Plätze anzugreifen“, sagt Hanning. Was ihm dabei im Weg steht, sind die wirtschaftlichen Bedingungen, denn noch immer haben die Füchse keinen Hauptsponsor. Aber wie schon beim DHB praktiziert, sucht Hanning nun das Risiko. „Nach Rücksprache mit meinen beiden Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat haben wir uns entschieden, zum ersten Mal mit einer größeren Unterdeckung in die Saison zu gehen“, sagt er. „Wir nehmen Fäth auf den Kader drauf, tauschen wirtschaftlich Willy Weyhrauch mit Lindberg, und natürlich müssen wir auch unseren Stars wie Wiede und Drux andere Gehälter bezahlen.“ Zum Nachwuchskonzept passt es nicht, Weyhrauch (21) abzugeben und dafür Lindberg (34) zu holen. „Stimmt“, gibt Hanning zu, „man darf aber nicht nur in Dogmen denken, Dagur lässt ja auch mal eine 4:2 in der Abwehr spielen.“

Neue Wege sind Hannings Spezialität, der Erfolg der Nationalmannschaft gibt ihm recht. Von Lindberg erhofft er sich neben dessen Sicherheit an der Sieben-Meter-Linie, die den Füchsen fehlt, dass dessen Strahlkraft noch einen weiteren Topspieler nach Berlin lockt. Oder zwei. Oder drei.