Hertha gegen Dortmund

Darida gegen Gündogan: Duell der besten Schrittmacher

Herthas Vladimir Darida fordert Ilkay Gündogan heraus. Das Topspiel zwischen Hertha und Dortmund im Olympiastadion ist ausverkauft.

Vlladimir Darida ist einer von Herthas Schlüsselspielern

Vlladimir Darida ist einer von Herthas Schlüsselspielern

Foto: dpa

Berlin.  Die Dienstreise nach Berlin beschäftigt Ilkay Gündogan (23) schon im Vorfeld. Der Mittelfeld-Star von Borussia Dortmund twitterte zu Wochenbeginn an Julian Schieber: „Ich kann es kaum erwarten, ihn wieder auf dem Platz zu sehen! Bis Samstag.“ Schieber, Kumpel von Gündogan aus gemeinsamen Dortmunder Tagen und seit Sommer 2014 in Berlin, twitterte zurück: „Dann wechsel’ doch zu ­Hertha. Dann können wir uns jeden Tag sehen.“

Wenn sich Hertha und Borussia Dortmund an diesem Sonnabend zum Topspiel der Liga gegenüberstehen, der Dritte empfängt den Zweiten im Olympiastadion (15.3o Uhr, Sky und Immerhertha-Liveticker), werden sich die Profis auf dem Feld jedoch nicht begegnen: Schieber steht nach neunmonatiger Verletzungspause noch nicht im Kader.

Darida ist der Marathon-Mann der Liga

Die Schieber-Idee - Gündogan zu Hertha – ist eine verlockende, aber auch wenn sich heute 76.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion auf ein Spektakel freuen, weit weg von der Realität. Gündogan ist im kommenden Sommer einer der heißesten Kandidaten auf dem europäischen Transfermarkt. Vergangenen Sommer hat Juventus Turin 40 Millionen Euro für den deutschen Nationalspieler geboten. Im ­Januar sollen es noch 30 Millionen gewesen sein - dabei läuft der Vertrag des Dortmunders 2017 aus.

Stattdessen wird Gündogan, Schlüsselspieler der Dortmunder, häufig den Weg kreuzen von Vladimir Darida (25), Schlüsselspieler von Hertha. Beide sind die Schrittmacher ihrer Teams. Gündogan hat im Schnitt 108 Ballkontakte pro Spiel – Bestwert in der Liga. Darida ist bei Hertha am häufigsten am Ball (76). Er ist mit durchschnittlich knapp 13 Kilometern der Marathon-Mann der Liga, niemand läuft mehr als Darida (Gündogan 9,8 Kilometer).

Darida ist das Passmonster der Liga

Der Herthaner ist torgefährlicher als der Borusse, am vergangenen Wochenende erzielte Darida in Bremen seinen vierten Saisontreffer (Gündogan: ein Tor). Dafür weist der Dortmunder die besserere Passquote auf. Unter BVB-Trainer Thomas Tuchel bringt Gündogan beeindruckende 87 Prozent seiner Anspiele zum ­Mitspieler (Darida 82 Prozent). Gündogan sagt, dass er profitiert hat von der Systemveränderung unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel. „Das Kurzpass- und Kombinationsspiel kommt mir sehr entgegen.“

Die Morgenpost hat mit Rene Tretschok (47) gesprochen, 1996 Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund und später viele Jahre als Spieler und Jugendtrainer bei Hertha. Tretschok schwärmt von Gündogan: „Ilkay ist ein echter Teamworker. Er spielt effektiv, hat eine filigrane Technik und ist ein Vorbild.“ Tretschoks Wertung, wie Gündogan nach 14-monatiger Rückenverletzung, die ihn die WM-Teilnahme 2014 in Brasilien gekostet hat, zurückgekommen ist: „Ilkay ist ­Weltklasse.“

Tretschok über Gündogan: „Weltklasse“

Tretschok sagt über Darida: „Er blüht bei Hertha auf. Seine gute Laufleistung war schon vorher bekannt, jetzt schießt er zudem wichtige Tore.“ Darida bringe das mit, was Tretschok einen tschechischen Charakter nennt: „Er ist zurück­haltend, integriert sich gut und ist sehr leistungsbereit.“

So wichtig beide Spieler für ihre Mannschaften sind, die Unterschiede drücken sich im Geld aus. Das Jahresgehalt von Gündogan wird auf 6,5 Millionen Euro geschätzt. Dennoch ist es gut möglich, dass er den BVB im Sommer verlässt. Ob FC Barcelona, Paris St. Germain oder Manchester City – alle haben den 16-maligen Nationalspieler auf dem Schirm. Gündogan hat sich am Donnerstag bei Sky einmal mehr nicht fest­gelegt, für wen er in der kommenden Saison spielen wird. Wer die Mechanismen der Branche kennt, hat das starke Gefühl, dass Gündogan in dieser Rückserie seine ­Abschieds­runde beim BVB macht.

Darida steht bis 2019 unter Vertrag

Bei Hertha spielt sich das Star-Dasein etwas kleiner ab. Manager Michael Preetz hat über Monate gekämpft, ehe im vorigen Sommer der umworbene Darida vom SC Freiburg nach Berlin ­gelotst werden konnte. Vertrag bis 2019, Ablöse: 3,5 Millionen Euro (plus Nebenabsprachen, abhängig von der sportlichen Entwicklung). Sein ­Jahressalär wird auf knapp zwei Millionen Euro taxiert.

Darida outet sich gegenüber der Morgenpost als Gündogan-Fan. „Ilkay ist ein sehr guter Spieler. Mir gefällt sein Spiel, wie er sich bewegt, wie er schöne Pässe spielen kann. Er hat ein gutes Auge, weiß immer, wo seine ­Mitspieler sind. Ich habe ihn mir öfter angeschaut, ein überragender Spieler.“

76.000 freuen sich auf ein Spektakel

Darida sieht aber auch Unterschiede. So habe Tuchel den Stil des BVB dahingehend geändert, dass die Spieler etwas weniger laufen, dafür aber der Ball wieder mehr. „Deswegen hat Ilkay mehr Ballkontakte als ich.“

Ähnlich ist das Rollenverständnis, dass die Trainer Pal Dardai und Tuchel von ihren Mittelfeldstrategen verlangen. Gündogan sagt: „Ob ich als Sechser, als Achter oder als Zehner ­aufgestellt werde, ist mit egal.“ Darida wechselt sogar während des Spiels häufig zwischen diesen Positionen, abhängig davon, wo sich seine Mittelfeldkollegen gerade befinden. So wird es auf jeden Fall spannend zu sehen, wer heute der bessere Schrittmacher ist. In der Hinserie siegte der BVB übrigens daheim 3:1.