Leichtathletik, Inline-Skating, Yoga oder Basketball. Nicht zwingend die optimalen Voraussetzungen für eine spätere erfolgreiche Karriere als Radsportler. Für Nate Koch, Daniel Holloway, Tela Crane und Korina Huizar, vier der fünf nordamerikanischen Teilnehmer beim 105. Sechstagerennen in Berlin, aber der Ausgangspunkt für ein Sportlerleben. Lediglich Zachary Kovalcik war seit seinem 19. Lebensjahr – als Fahrradkurier in den Straßen von Pittsburgh – dem Zweirad verfallen. So unterschiedlich die Ausgangspositionen auch sind, verbindet die US-Starter die Einstellung zum Leben: Leistung ist Kür, Spaß ist Pflicht.

Aus dem Mund eines Leistungssportlers, könnte man das schnell falsch verstehen. „Zack“ Kovalcik (32) empfindet das nicht als Widerspruch. „Dass wir hier in Berlin sind, zeigt, dass unsere Leistungen geschätzt werden. Und eine Kür ist doch das Beste was man drauf hat. Jeder von uns weiß, dass wir ein Leben führen, was anderen nie möglich sein wird. Wir können reisen, haben Wettkämpfe an tollen Plätzen, lernen interessante Menschen kennen. Das ist Spaß, den man genießen muss.“

Typisch für die Einstellung des Quintetts ist die Erklärung von Korina Huizar, warum ihre Basketball-Karriere nicht ins Profilager geführt hat. „Ich habe ungefähr bei 1,60 Meter aufgehört zu wachsen“, lacht die 27-Jährige. Was nicht heißt, dass sie ihre Möglichkeiten als Sportlerin nicht realistisch einschätzen kann. „National gehören wir in den USA zur Spitze, international haben wir noch Rundenrückstand.“

Durch Grippe geschwächt, aber Olympia-Fahrkarte im Blick

Immerhin: Koch, Ex-Inline Skater Holloway und Crane haben intakte Chancen auf eine Nominierung für die Olympischen Spiele im Sommer in Rio. Tela Crane, in der Schule für den Radsport gecastet, gibt zu „trotz Yoga nervös“ zu sein. „Die Olympiatickets werden erst im Mai oder Juni verteilt. Deswegen ist es für mich gut, wenn ich Rennen fahren kann. Da kann ich wenigstens etwas tun.“ Die 28-Jährige liebt den Sprint. „Das ist wie ein Katz-und-Maus-Spiel“, sieht ihre Rio-Chance aber eher in der Team-Verfolgung.

Nate Koch wird, wenn er denn in Rio das US-Trikot überstreift, definitiv als Sprinter sein Land vertreten. Der 28 Jahre alte Kalifornier, nach einer tollen Vorstellung hatte er am letzten Tag des 2015er Rennens seinen Vertrag für 2016 mit Berlins Sportlichem Leiter Dieter Stein auf einem Bierdeckel vorfixiert, leidet im Velodrom.

„Ich habe sieben Kilo verloren nach einer hartnäckigen Grippe. Mir fehlt die Kraft. Zum Glück ist es mit dem Jetlag nicht so schlimm, weil wir ja nachts fahren.“ Koch ist wie Kovalcik ein „verrückter Hund“. Nach einer Verletzung als Zehnkämpfer (mit einer respektablen Weitsprungbestleistung von 7,62 Metern) ging es zur Rehabilitation aufs Fahrrad und seitdem spielt sich sein Leben im Sattel ab.

Es darf auch mal Fast Food sein

Ob auf der Bahn mit der Klub- oder der Nationalmannschaft oder bei wilden Rennen in Los Angeles, wo es über eine Distanz von gut 300 Metern Mann gegen Mann im K.o.-System geht. „Alles macht dich schneller und härter“ lautet sein Credo.

Entspannung findet Koch ebenfalls auf dem Rad: Mit seiner Frau Ayla auf einem Tandem, immer am Strand von Long Beach entlang. „Ich sitze aber vorn“, grinst der Berliner Publikumsliebling wohl wissend, dass er durchaus wie ein Macho rüberkommt.

Daniel Holloway (28) ist der Genussmensch unter den US-Startern im Velodrom. Jeder Tag beginnt mit einer Tasse Kaffee: „Das ist schon ein Ritual, ich kann dabei gut nachdenken.“ Und Entscheidungen treffen. Beispielsweise: Welche seiner sieben Sonnenbrillen er tragen soll. „Mir ist die Balance zwischen Sport und Leben wichtig. Deswegen gibt es eben auch mal Fast Food“, so Holloway. 40 Rennsiege in den letzten beiden Jahren sprechen aber dafür, dass der Sport nicht zu kurz kommt.