Sechstagerennen

Im Berliner Velodrom kommt alles auf den Prüfstand

Das 105. Sechstagerennen markiert einen Abschied vom bisherigen Programm. Es gilt, ein neues und jüngeres Publikum zu aktivieren.

Berlin.  Alles kommt auf den Prüfstand, wenn heute das 105. Berliner Sechstagerennen startet. Kein Wettbewerb, keine Präsentation, kein Rahmenprogramm und auch keine andere Aktivität bleibt von Donnerstag (ab 18 Uhr) bis zum kommenden Dienstag ohne besondere Aufmerksamkeit. Nach dem Verkauf des Traditionsrennens an die Sports Management Group aus England wird sich das Geschehen im Velodrom an der Landsberger Allee spätestens mit der 106. Ausgabe 2017 verändern.

„Bitte jetzt keine Angst haben“, nimmt Mark Darbon, Geschäftsführer bei den neuen Machern von der Insel, allzu ängstlichen Radfans mögliche Kontaktscheue: „Wir wissen, dass sich in Berlin eine tolle Mischung aus Sport und Unterhaltung etabliert hat. Wir wissen aber auch, dass der Radsport wie der Sport allgemein einem Wandel unterworfen ist. Das heißt wir müssen ein neues, ein junges Publikum in die Hallen bekommen.“

Was für den 35-jährigen Manager aber „bei den Möglichkeiten, die gerade der Bahnsport bietet, der jedem Fan in jeder Sekunde einen kompletten Überblick gestattet“, kein unlösbares Problem zu sein scheint. Darbon, dessen erster intensiver und definitiv nachhaltiger Kontakt zum Bahnradsport im Vorfeld und im Verlauf der Olympischen Spiele 2012 in London zustande kam, sieht aber keinen Sinn darin Dinge zu verändern, nur um des Veränderns willen.

Lokalmatador Förstemann trägt die Favoritenbürde

„Im Vordergrund bleibt ganz klar der Sport“, so Darbon, der sich bei der Ideenentwicklung aber nicht einengen lassen will – was dann bis hin zu Gedankenspielen reicht, das Berliner Rennen ab dem kommenden Jahr auch innerhalb einer Serie aus „zwei, drei oder gar vier Veranstaltungen“ auszutragen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Die aktuelle Rundenhatz machen die 75 Elitefahrer und über 200 Nachwuchssportler, die sich – so die Hoffnung der Veranstalter – den wieder mehr als 70.000 Zuschauern bis zum Finale präsentieren werden.

Während bei den Sprintern die Favoritenrolle dem Berliner Olympia-Dritten Robert Förstemann (Teamsprint 2012) zufällt und bei den Frauen Vorjahressiegerin Malgorzata Wojtyra aus Polen die Athletin sein wird, die es zu bezwingen gilt, kommen aus dem Feld der 16 Sechstageteams mehrere für den Gesamtsieg infrage. Das belgische Duo Kenny de Ketele/Moreno de Pauw (Sieger in London), die Dänen Alex Rasmussen/Jesper Mörkov, Roger Kluge und Marcel Kalz (Berlin) und die französisch-spanische Weltmeister-Kobination Morgan Kneisky (2015) und David Muntaner (2014) werden am häufigsten genannt.

Homogenes und starkes Fahrerfeld

Förstemann, der noch um eine Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio kämpft, hat sich im Vorfeld weit aus dem Fenster gelehnt. Der 29-Jährige ist überzeugt, den von ihm selbst gehaltenen Rundenrekord auf der 250-Meter-Bahn zu verbessern. Die Bestzeit steht bei 12.441 Sekunden.

„Es gibt kein Sechstagerennen weltweit, das mit einem ähnlich homogenen und starken Fahrerfeld aufwarten kann wie Berlin“, ist sich der Sportliche Leiter Dieter Stein sicher. Doch auch der 60-Jährige sieht bei aller Tradition des Berliner Dauerbrenners die Notwendigkeit für Veränderungen.

„Das extrem hohe Niveau in Berlin ist gleichzeitig eine Verpflichtung. Das bedeutet, dass wir neue Wege gehen müssen“, sagte Stein. Also: Alles auf den Prüfstand.