Deutschland im Halbfinale

Sigurdsson ist ein Glücksgriff für den deutschen Handball

Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist der Architekt der neuen Handball-Euphorie in Deutschland, meint Alexandra Gross.

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson führte sein Team ins EM-Halbfinale

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson führte sein Team ins EM-Halbfinale

Foto: Maciej Kulczynski / dpa

Der Jubel wollte gar kein Ende nehmen. Deutschland steht im Halbfinale der EM, der Triumphzug der Handballer geht weiter, der Medaillentraum lebt.

Einmal mehr hat die junge, deutsche Auswahl bei den Titelkämpfen in Polen gezeigt, dass sie als verschworene Einheit zu Großtaten fähig ist. Es ist ein weiterer Mosaikstein im Erfolgsgemälde EM. Seit 13 Tagen sorgt die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson in Polen für Aufsehen, und der Siegeshunger ist noch immer nicht gestillt. Jetzt kann sie sich im Halbfinale ein Denkmal setzen.

Dieses Ergebnis und die Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft es dorthin gebracht hat, verdienen größten Respekt und hohe Anerkennung. Sie hat sich in Polen trotz der zahlreichen Ausfälle vor und während des Turniers mit Leidenschaft, Courage und großem Teamgeist zu einem gefürchteten Gegner entwickelt. Und sie hat zu keiner Zeit Angst gezeigt, sondern tritt mutig und selbstbewusst auf.

Ein Team mit 16 EM-Debütanten

Dabei besteht das deutsche Team nach den beiden Nachnominierungen von Häfner und Kühn aus insgesamt 16 EM-Debütanten, der Kader hat einen Altersschnitt von gerade einmal 24,6 Jahren. Vor den Titelkämpfen war die deutsche Auswahl schon abgeschrieben worden, jetzt sprechen viele Experten davon, dass ihr die Zukunft gehöre.

Und genau so lautet auch der Plan. 2014 waren der Isländer Sigurdsson und Bob Hanning, DHB-Vizepräsident Leistungssport, angetreten, den deutschen Handball mittelfristig wieder in die Weltspitze zurückzuführen. Fernziel des Duos ist der Olympiasieg 2020 in Tokio. Von Beginn an setzte Sigurdsson, der mit seiner ruhigen und distanzierten Art der Gegenentwurf zu seinen Vorgängern Heiner Brand und Martin Heuberger ist, auf einen personellen Umbruch.

Sein feines Händchen für Talente durfte er bereits in seinen sechs Jahren bei den Füchsen beweisen. Schon 2015 hatte die deutsche Auswahl bei der WM in Katar mit Rang sieben international wieder für Aufsehen gesorgt, jetzt folgt in Polen der zweite Streich.

Nächte vor dem Laptop

Sigurdsson ist der Architekt der neuen deutschen Handball-Euphorie. Der dreifache Familienvater ist ein akribischer Arbeiter, er verbringt die Nächte auch schon mal vor dem Laptop, wenn es die Lage erfordert.

In Polen verzichtet Sigurdsson aus Zeitgründen sogar auf die geliebte Joggingrunde am Morgen, um den Matchplan zu entwickeln. Diesen gibt er dann in seiner unaufgeregten Art an seine Spieler weiter.

Die Rasselbande vertraut ihrem Chef voll und ganz – und Sigurdsson vertraut seinen Jungs. Mit Erfolg.