Doping-Affäre

Sponsor Adidas vor Rückzug bei den Leichtathleten

Laut einem BBC-Bericht nimmt der Druck auf die IAAF immer mehr zu. Mit dem Rückzug der Herzogenauracher droht ein Millionenverlust.

Tiefe Sorgenfalten bei Sebastian Coe. Der Präsident des Leichtathletik Weltverbandes IAAF muss mit dem Rückzug eines Großsponsoren rechnen

Tiefe Sorgenfalten bei Sebastian Coe. Der Präsident des Leichtathletik Weltverbandes IAAF muss mit dem Rückzug eines Großsponsoren rechnen

Foto: Sven Hoppe / dpa

Der krisengeplagte Leichtathletik-Weltverband IAAF steht offenbar auch von Sponsorenseite massiv unter Druck und muss sich wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro womöglich auf Einbußen in Millionenhöhe einstellen.

Nach einem Bericht der BBC will der deutsche Sportartikel-Hersteller Adidas seinen bis 2019 laufenden Vertrag wegen des Doping- und Korruptionsskandals kündigen und habe dies dem Verband vor wenigen Tagen auch bereits schriftlich mitgeteilt. Weder das Unternehmen noch die IAAF bestätigten am Montag allerdings die Trennung.

„Adidas hat eine klare Anti-Doping-Politik. Wir stehen in engem Kontakt mit der IAAF, um mehr über den Reformprozess zu erfahren“, teilte ein Adidas-Sprecher mit. Auch die IAAF erklärte, „in engem Kontakt“ mit „allen Sponsoren und Partnern“ zu stehen.

Adidas sieht Vertragsbruch

Der sofortige Ausstieg des größten Sponsors könnte die IAAF teuer zu stehen kommen, nach Angaben der BBC würde der Verlust für die IAAF rund 27,7 Millionen Euro betragen. In dem Bericht, der sich auf anonyme Quellen berief, hieß es, dass Adidas die von der unabhängigen Wada-Kommission festgestellte Korruption und Dopingvertuschung innerhalb der IAAF als Vertragsbruch ansähe. Anwälte des Sportartikel-Herstellers würden sich auf eine mögliche gerichtliche Auseinandersetzung mit der IAAF vorbereiten.

Laut Wada-Bericht hätten die Mitglieder des IAAF-Councils von den verdächtigen Vorgängen rund um positive Dopingproben russischer Leichtathleten und den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack wissen müssen.

Dessen Nachfolger Sebastian Coe (gewählt im August 2015) sitzt seit 2003 in der „Weltregierung“ der Leichtathletik und war ab 2007 IAAF-Vizepräsident. Für Coe wäre der Rückzug von Adidas ein Rückschlag. Immerhin scheint Adidas an den Erfolg der Reformbemühungen mindestens zu zweifeln.

Ein Ersatz-Ausrüster stände bereit

Der finanzielle Verlust für den Verband bei einem Ende der Sponsorentätigkeit dürfte sich aber auffangen lassen. Höchstwahrscheinlich würde ein Konkurrent des deutschen Sportartikelherstellers den Platz einnehmen, sollte es zu einer Trennung kommen. Vor allem der US-Ausrüster Nike wird bereits als möglicher Nachfolger gehandelt.

Pikant daran: Coe arbeitete bis zum vergangenen November als Markenbotschafter des Unternehmens. Erst nach langer öffentlicher Kritik beendete er das Geschäftsverhältnis. Zudem findet Mitte März die Hallen-WM in Portland statt – unweit des Nike-Hauptsitzes in Beaverton.

Auch die Freiluft-WM 2021 wird in der Nähe der Nike-Zentrale stattfinden: Ohne Bewerbungsverfahren hatte die IAAF der US-Stadt Eugene, Gründungsort des Unternehmens, die WM zugesprochen.