Verbände versagen

Doping-Skandale im Sport: Zeit für einen Neustart

Dopingskandale und Wettmanipulationen erschüttern das Vertrauen in den Spitzensport. Es wird Zeit für Veränderungen, sagt Dietmar Wenck.

Ampullen mit Anabolika: Das Vertrauen in die Sauberkeit des Leistungssports schwindet

Ampullen mit Anabolika: Das Vertrauen in die Sauberkeit des Leistungssports schwindet

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Im Spitzensport geht es zurzeit Schlag auf Schlag – nur nicht im gewünschten, im sportlichen Sinne. Nicht enden wollende Skandale im Fußball, Doping in riesigem Umfang und dessen Vertuschung von höchster Stelle in der Leichtathletik, nun die Vorwürfe um Wettmanipulationen im Tennis: Der Sport gibt ein jämmerliches Bild ab. Seine Verbände versagen wieder und wieder. Das bleibt nicht ohne Folgen. Immer mehr Menschen, die Sport eigentlich lieben, wenden sich ab. Weil er nicht mehr das ist, was er mal war? Ehrlicher, fairer Wettkampf, Stolz, Vaterlandsliebe sogar?

Das ist Unsinn. Der Sport ist, was er stets war, Abbild der Gesellschaft. Nach wie vor in hohem Maße Fleiß, Fairplay, positive Emotionen. Aber auch Betrug, Gier, Leistungsmanipulation – nicht anders als in Politik und Wirtschaft. Neu ist, dass dem Sport immer genauer auf die Finger geschaut wird, von staatlicher Seite wie von Journalisten, was er aus seiner Autonomie macht. Viel Schlimmes kommt dabei zutage. Die ganze Wahrheit.

Bei jedem neuen Skandal wird klarer: Zu lange wurde geglaubt, gezahlt, kopfschüttelnd durchgehen gelassen. Genützt hat das niemandem, am wenigsten dem Sport. Wie schwer das Verhältnis zur Bevölkerung erschüttert ist, zeigt sich am ehesten in einer offenen Gesellschaft wie der deutschen. Die wiederkehrende Abwahl Olympischer Spiele im eigenen Land spricht Bände.

Auch wenn die jetzt erhobenen Vorwürfe im Tennis nicht allzu viel Neues enthalten, bringen sie doch eines ans Licht: In einer der weltweit bedeutendsten Sportarten wurde die Gefahr zwar erkannt, aber kaum etwas dagegen unternommen. Nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und gerade so viel, dass es nicht wirklich wehtut. Typisch Sport, wieder eine Gelegenheit vertan. So gewinnt man kein Vertrauen zurück.

Es ist erfreulich, dass der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, inzwischen erkennt, dass der Sport dringend Hilfe von außen benötigt. Daraus entsteht die Chance des Neustarts. Es wäre gut, endlich mal damit anzufangen.