Handball-EM

"Beste Abwehrleistung bisher" sichert Weg in die Hauptrunde

Dank starker Defensive und souveränem Kapitän schlägt Deutschland Slowenien mit 25:21. Nächster Gegner ist am Freitag Ungarn.

So nicht, mein Freund: Steffen Weinhold (r.) packt den Slowenen Sebastian Skube am Kragen

So nicht, mein Freund: Steffen Weinhold (r.) packt den Slowenen Sebastian Skube am Kragen

Foto: Adam Nurkiewicz / Getty Images

Breslau. Das größte Lob verteilte am Mittwochabend Vaselin Vujovic an die deutschen Handballer: „Das ist eine Mannschaft mit einer großen Zukunft und einem tollen Coach“, sagte der Trainer der slowenischen Nationalmannschaft. Nur wenige Minuten zuvor hatte das Team des Welthandballers von 1988 gegen die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson 21:25 (10:12) verloren und war damit bei der Europameisterschaft ausgeschieden.

Die deutsche Auswahl ist nach ihrem bislang souveränsten Spiel als Gruppenzweiter in die Hauptrunde eingezogen. „Aus der sogenannten Todesgruppe mit einer Niederlage und zwei Siegen herauszugehen ist für unser junges Team schon enorm“, sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler.

Erster sind die Spanier, die Schweden in der zweiten Partie des Abends 24:22 (12:10) bezwangen. Sie alle treffen nun in der Hauptrunde auf die aus Danzig anreisenden Teams Dänemark, Ungarn und Russland. Da alle Teams nur die Ergebnisse gegen die im Turnier verbliebenen Mannschaften mitnehmen, startet Deutschland mit zwei Punkten aus dem Sieg gegen Schweden in die Hauptrunde.

"Dagur stellt die Jungs einfach gut ein"

Ob ihn der starke Auftritt seiner Mannschaft überrascht, wurde Kapitän Steffen Weinhold nach der Partie gefragt. „Wenn ich mich darüber wunderte, würde ich ja nicht an die Mannschaft glauben“, sagte der Kapitän, der vier Tore warf und als bester Spieler ausgezeichnet wurde. „Dagur stellt die Jungs einfach gut ein, so dass jeder seine Aufgabe kennt“, fügte er an.

So wie Andreas Wolff, der nach seinem glanzvollen Spiel gegen Schweden zum ersten Mal das Tor der Deutschen von Beginn an hütete. Es dauerte keine vier Minuten, da ballte der 24-Jährige schon wieder die Fäuste. „In der ersten Hälfte war ich ganz gut“, sagte er. Vier Mal parierte er, im zweiten Durchgang kam er auf eine Parade.

„Da hat meine Konzentration zunehmend nachgelassen, aber zum Glück hat die Abwehr so hervorragend gearbeitet, dass ich mir diese Auszeit erlauben konnte“, sagte er. Trainer Sigurdsson befand sogar, dass es die „beste Abwehrleistung bisher“ war. Nur 26 Würfe auf das Tor ließ die deutsche Defensive zu, gegen Schweden waren es noch 40, gegen Spanien gar 45.

"Wir wollten maximal 22 Tore bekommen"

„Unser Ziel war es, maximal 20-22 Tore zu bekommen, der Matchplan ist voll aufgegangen“, sagte Finn Lemke, der sich immer mehr in die Rolle als Abwehrchef einfindet. „Es macht richtig Spaß, ihm zuzusehen“, sagte Team-Manager Oliver Roggisch. Gemeinsam mit Pekeler, der fünf Minuten vor Ende aufgrund der dritten Zeitstrafe disqualifiziert wurde, bildete der 23-Jährige ein undurchdringliches Gespann im Mittelblock. „Wir verstehen uns als die Bad Boys. Ich freue mich, wenn ich hart und fair spiele und es den Gegnern keinen Spaß macht, gegen mich zu spielen“, sagte Lemke.

So wirkte es auch bei den Slowenen. „Wir haben nach zehn Minuten die Kontrolle verloren“, sagte Trainer Vujovic. Dabei hat der slowenische Schlussmann Gorazd Skof seine Sache eigentlich sogar besser gemacht als Wolff. Zehn Würfe parierte er, zudem brachte Slowenien die deutsche Auswahl mit einer offensiven Deckungsvariante zunächst aus dem Konzept. Acht torlose Minuten der Deutschen sorgten für einen zwischenzeitlichen Rückstand von 2:5 (12.).

Dann aber fanden Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher vorne Lösungen. In der zweiten Hälfte war es Steffen Weinhold, der immer mehr aufdrehte. Mal traf mal aus dem rechten Rückraum, mal wuselte er sich flinken Schrittes durch die Mitte, während Martin Strobel (1) die Bälle als Spielmacher geschickt verteilte und Tobias Reichmann (5/3) gewohnt sicher die Strafwürfe verwandelte.

"Es gibt Sicherheit, wenn du in der Abwehr so stehst"

Auf Seiten der Slowenen traf einzig Vid Kavticnik zuverlässig (6), doch er allein vermochte es nicht, sein Team in Führung zu bringen. Während es im Block der sonst so enthusiastischen slowenischen Fans immer ruhiger wurde, hüpften die deutschen Anhänger ausgelassen auf der Tribüne auf und ab (20:15/47.). „Es gibt Sicherheit, wenn du so in der Abwehr steht“, sagte Oliver Roggisch, „dann bekommst du auch so ein Gefühl, dass du dieses Spiel nicht mehr verlieren kannst.“

Dieses Gefühl hat die deutsche Mannschaft nach der Niederlage gegen Spanien und dem Zittersieg gegen Schweden nun zum ersten Mal bei der EM erlebt. Eine zunehmende Sicherheit und die damit einhergehende Leistungssteigerung sind deutlich zu erkennen, auch wenn Pekeler noch Verbesserungspotenzial sieht. „Unsere Gegenstöße müssen wir noch verfeinern“, sagte er.

Einen Tag hat die deutsche Mannschaft dafür Zeit, denn am Freitag geht es schon weiter. Erster Gegner ist Ungarn (18.15 Uhr, ZDF). Weiter geht es am Sonntag gegen Russland (18.15 Uhr, ARD) und Mittwoch gegen Dänemark (18.15 Uhr, ARD).

Die jeweils zwei besten Teams aus Breslau, sowie aus Gruppe eins in Krakau, wo Polen, Frankreich, Norwegen, Kroatien, Weißrussland und Mazedonien aufeinandertreffen, qualifizieren sich für das Halbfinale. „Ich denke, wenn wir weiter so zusammenhalten, ist viel möglich“, sagte Linksaußen Rune Dahmke.