Borussia Dortmund

Mats Hummels sieht sich als Opfer von Bayern München

Der Dortmunder beklagt sich, dass er im Fokus der Kritik steht, weil in München alles perfekt läuft. Schwierig ist die Selbstkritik.

Foto: Anatoly Maltsev / dpa

Dortmund.  Thomas Tuchel wirkte nicht verärgert, sondern eher amüsiert. Beflügelt vom hart erkämpften 4:1 (2:1) über den VfB Stuttgart konnten ihm diesmal selbst die nervigen Dauerfragen nach Mats Hummels nicht die Laune verderben. Spekulationen, er habe dem Fußball-Weltmeister weitere Medienschelte ersparen wollen und ihn deshalb erst in der 80. Minute eingewechselt, quittierte der BVB-Coach mit einem müden Lächeln.

„Wir haben uns wirklich überlegt, machen wir das jetzt, weil die Leute dann interpretieren, wir würden ihn aus der Schusslinie nehmen. Deshalb wären wir beinahe von dieser Entscheidung abgegangen, obwohl wir davon überzeugt waren.“

Die anhaltende Aufregung um den Dortmunder Abwehrchef erfordert von Tuchel ein hohes Maß an Sensibilität. Nach Absprache mit Hummels entschied er sich, dem zuvor in 23 von 24 Pflichtspielen eingesetzten Profi eine Pause zu gönnen.

„Habe keine Probleme mit Tuchel“

Wie vom Coach befürchtet, wurde diese Maßnahme in der Öffentlichkeit als Reaktion auf die jüngsten Patzer des Innenverteidigers gewertet. Tuchel sprach dagegen von einer gewöhnlichen Rotationsmaßnahme zur Entlastung des zuletzt stark geforderten Profis.

Es spricht für eine einvernehmliche Maßnahme, dass auch Hummels Gerüchte von einem gestörten Verhältnis zu Tuchel dementierte. „Wir haben wirklich überhaupt kein Problem miteinander. Wir können uns Dinge offen sagen, wir können uns konstruktiv austauschen, und das werden wir auch weiter machen“, sagte der Nationalspieler dem „Kicker“. „Er ist fachlich und inhaltlich definitiv einer der besten deutschen Trainer.“

Nach wochenlangem Schweigen ging Hummels in die verbale Offensive. Berichten, er habe aus Ärger über interne Meinungsverschiedenheiten gesagt, nicht „mit der Borussia verheiratet“ zu sein, trat er entschieden entgegen: „Diesen Satz habe ich im Leben noch nie benutzt. Und ich habe ganz ehrlich ein Problem damit, dass so etwas einfach erfunden wird und jeder vom anderen abschreibt. Es ist traurig, dass das heute so funktioniert und zur gefühlten Wahrheit wird.“

Der Nationalspieler fühlt sich falsch bewertet

Hummels monierte fehlende Fairness bei der öffentlichen Beurteilung seiner Leistungen. „Ich fühle mich definitiv falsch bewertet. Schlechte Sachen verkaufen sich einfach besser, als wenn man positiv berichtet. Wenn es die Möglichkeit gibt, kräftig draufzuhauen, wird diese Möglichkeit in meinem Fall gern wahrgenommen.“

Vielleicht ist das negative Echo aber auch auf ihn selbst zurückzuführen. War es nicht Hummels, der das Defensivverhalten seiner Vorderleute in der Öffentlichkeit massiv kritisiert hat nach dem 1:5 beim FC Bayern? Ist es nicht der BVB-Kapitän, der über Jahre immer wieder Kopfschütteln hervorrief, wenn verdiente Niederlagen der Borussia von ihm vehement als unverdient dargestellt wurden?

Wer austeilt, muss auch einstecken können, erst recht nach solchen Fehlern: Das Kopfball-Eigentor zum 0:3 in Hamburg (Endstand 1:3) entsprang einer übermotivierten Aktion, der von ihm verursachte Elfmeter in der Europa League in Krasnodar (0:1) entsprang einer Unachtsamkeit nach wenigen Sekunden. Selbst im Nationaltrikot wirkte Hummels in den entscheidenden EM-Qualifikationsspielen im Herbst alles andere als sicher.

Hummels sagte dazu: „Ich sehe meine Leistung ehrlich gesagt auch besser als manch ein Medium.“ Er selbst kenne kaum jemanden, der selbstkritischer sei. „Ich schaue mir meine Spiele zu Hause noch einmal an. Ich weiß, wann ich Fehler mache, und ich weiß, wann ich keine mache“, so der BVB-Kapitän: „Ich ducke mich nicht weg!“

Gespräche über Verlängerung des bis 2017 laufenden Vertrages

Er gebe sich in der Öffentlichkeit „so wie ich bin. Ich bin manchmal sturköpfig und ein bisschen dickköpfig. Ich lasse aber auch mit mir reden“, so Hummels weiter: „Ich bin etwas direkter, auch mal zynisch und sarkastisch, deshalb finde ich es auch völlig in Ordnung, dass Hans-Joachim Watzke mich für nicht pflegeleicht hält.“

Dass sich der Dortmunder Kapitän jedoch quasi als Opfer des FC Bayern hinstellt, bringt seine Darstellung des selbstkritischen Profis massiv ins Wanken. „Vielleicht ist es so, dass es bei den Bayern derzeit schwierig ist, etwas Negatives zu finden.

Dann geht man auf die nächstgrößeren Mannschaften und Personen im Fußball los. Zwangsläufig landet man dann beim Zweiten Borussia Dortmund und Leuten wie Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang oder mir“, sagte er im „Kicker“.

Trotz der anhaltenden Schlagzeilen geht er ohne Vorbehalte in die Verhandlungen über die Verlängerung seines bis 2017 datierten Vertrages. „Wenn mich wirklich die kritische Berichterstattung aus Dortmund vertreiben würde, hätte ich einen Dachschaden“, sagte Hummels.