Schach

Wer kann die Übermacht von Magnus Carlsen brechen?

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Stefan Löffler

Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for World Chess by

Die jungen Wilden am Brett: Wer Schach-Weltmeister Magnus Carlsen am ehesten Paroli bieten kann. Eine Übersicht.

Berlin.  Schon mit 19 Jahren führte Magnus Carlsen, 24, die Weltrangliste an. Sein Vorsprung auf die Nächstplatzierten lag zeitweise in ähnlichen Dimensionen wie bei Bobby Fischer Anfang der Siebziger und bei Garri Kasparow in den Neunzigern. Auch die Schnellschach-WM in Berlin gewann Carlsen gerade wieder mit Vorsprung, heute wird wohl auch noch der Titel im Blitzschach folgen. Carlsen („Zwei geschafft, fünf sind noch dran“) will den WM-Titel noch zehn Jahre behalten will. Die Morgenpost nennt Kandidaten, die die große Langeweile verhindern können.

Fabiano Caruana: Keiner hat Carlsen in den letzten Jahren so oft besiegt wie der Amerikaner mit Wohnsitz bei Madrid. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass er es weit bringen kann, hat Caruana ihn 2014 in St. Louis geliefert, wo er die beste Turnierleistung aller Zeiten erbrachte. Am Ende hatte er auf den zweitplatzierten Carlsen drei Punkte Vorsprung – so viel beträgt bei Spitzenturnieren sonst der Abstand zwischen dem Ersten und Letzten. Caruana ist fast zwei Jahre jünger als Carlsen und hat mit Wladimir Tschutschelow den vielleicht besten Trainer. Die Grand-Prix-Serie hat er gewonnen und sich damit für das WM-Kandidatenturnier qualifiziert. Caruana bestritt in den letzten Jahren mehr Turniere als andere Weltklassespieler und ist noch nicht so stabil in seinen Leistungen, so dass er zuletzt auf Rang sechs der Weltrangliste abrutschte. Aber sein neuer Manager Lawrence Trent will dafür sorgen, dass Caruana im Frühjahr, wenn der nächste WM-Herausforderer ermittelt wird, in Topform ist.

Anish Giri: Carlsen ist es noch nie gelungen, Giri in einer regulären Partie zu schlagen. Weil Giri seine erste Begegnung sensationell schnell gewann, hält er als einziger Weltklassespieler einen positiven Score gegen den Weltmeister. Giri wuchs in Russland – der Heimat seiner Mutter – auf, aber auch einige Zeit in Japan, wo es nahezu kein westliches Schach gibt. Sein Talent fiel nicht besonders auf, bis sein aus Nepal stammender Vater in den Niederlanden eine Stelle als Hydrologe annahm. Mit 14 – in diesem Alter war Carlsen bereits Großmeister – bekam Giri in den Niederlanden erstmals Chancen, Normen für diesen Titel zu erzielen. Und er nutzte sie. An Charme und Witz stellt er die Genannten in den Schatten. Der 21-Jährige gilt als besonders schwierig zu schlagen und ist momentan die Nummer fünf der Weltrangliste, was wahrscheinlich reichen wird, um fürs WM-Kandidatenturnier eingeladen zu werden.

Wei Yi: Fragt man Schachjournalisten, wer Carlsen ablöst, nennen die meisten den 16-jährigen Chinesen. In der Weltrangliste verläuft Weis Entwicklung bislang noch ein bisschen steiler als früher bei Carlsen. Und er hat die volle Unterstützung eines ehrgeizigen Schachverbandes. In Baku verpasste er die Qualifikation zum WM-Kandidatenturnier noch. Aber schon in zwei Jahren ist mit ihm zu rechnen.


Vincent Keymer: Können außergewöhnliche Talente auch in Deutschland heranwachsen? Turniere, Vereine und Trainer gibt es schließlich genug. Seit Februar befeuert ein Name die Fantasien. Der damals erst zehn Jahre alte Vincent Keymer stellte in Neustadt/Weinstraße mit Siegen gegen zwei Großmeister sein Talent unter Beweis. Der Spross einer Musikerfamilie aus der Nähe von Mainz zeigt seither weiter gute Leistungen. Keymer ist stärker als Carlsen mit elf Jahren war.