WM in Berlin

Schwere Aufgabe für den Schach-Weltmeister: Allein gegen 21

Der beste Schachspieler der Welt ist in Berlin: Magnus Carlsen, 24, verteidigt hier seine WM-Titel im Schnell- und Blitzschach.

Anstrengend: Magnus Carlsen ist bei der WM im Schnell- und Blitzschach in Berlin schwer gefordert

Anstrengend: Magnus Carlsen ist bei der WM im Schnell- und Blitzschach in Berlin schwer gefordert

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Im Juli 1914 bekam der Schachweltmeister Emanuel Lasker in Berlin Besuch von José Raul Capablanca. Um die WM sollten sie erst nach dem Krieg antreten, im Kerkau-Palast bestritten die damals besten Spieler der Welt aber schon mal den ersten überlieferten Blitzwettkampf auf höchstem Niveau. Als Bedenkzeit hatten sie für jeden Zug maximal fünf Sekunden. Bei diesem Tempo hatte Lasker gegen den zwanzig Jahre jüngeren Kubaner keine Chance und unterlag mit 3,5:6,5.

Erst seit 2006 gibt es offizielle Weltmeister im Blitzschach. Der wegen seines Naturtalents und seines ruhigen Stils oft mit Capablanca verglichene Magnus Carlsen ist Champion aller Klassen: in langen Partien, im Schnellschach und im Blitzschach. Schnellpartien mit mindestens zehn Minuten Bedenkzeit sind im Schulschach und bei regionalen Turnieren am beliebtesten. Im Internet und vielen Schachklubs ist Blitz mit höchstens fünf Minuten angesagter. Von Carlsen ist bekannt, dass er in seine Trainingslager mit Vorliebe starke Blitzpartner einlädt.

Seit Sonnabend verteidigt der 24-jährige Norweger in Berlin seine Titel im Blitz- und Schnellschach. Anders als in einem regulären Titelkampf hat er es nicht mit einem einzelnen Herausforderer zu tun, sondern mit jeweils 199 Konkurrenten. Gegen 15 von ihnen muss er im Schnellturnier antreten. 21 Gegner erwarten ihn im Blitzturnier. Je 40.000 Dollar winken dem Sieger. Insgesamt werden 400.000 Dollar Preisgeld ausgespielt. Nur der kleinste Teil ist durch Startgelder gedeckt. Als Sponsoren sind nur eine russische Juwelierkette und eine norwegische Mineralwassermarke bekannt.

Dass beide Wettbewerbe in Berlin stattfinden, liegt daran, dass die Vermarktungsfirma Agon den Weltschachbund stärker im Westen positionieren will. Die meisten offiziellen Wettbewerbe fanden zuletzt in Russland und im Kaukasus statt. Agon-Gründer Andrew Paulson lebte einige Zeit in Berlin, bevor er als Magazinverleger in Russland reich wurde.

Klug geplant wurde nicht. An diesem Wochenende wird zeitgleich in Las Vegas das mit einer Million Dollar höchstdotierte Schachturnier der Welt ausgetragen. Carlsens größter Rivale im Blitz- und Schnellschach, Hikaru Nakamura, hat wie einige weitere Spitzenspieler Las Vegas den Vorzug gegeben. Dabei hat es Agon auf die USA gerade abgesehen: Dort sucht die Firma Sponsoren für Carlsens nächsten Titelkampf 2016.

Während reguläre WM-Kämpfe von Millionen Schachfans verfolgt werden, tun sich die Vermarkter mit den Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach schwer. In den Spitzenzeiten am Dienstag und Mittwoch werden gerade mal 10.000 Onlinezuschauer zugleich erwartet. Die Website worldchess.com, auf der Agon das Berliner Event präsentieren wollte, war am Tag davor noch gar nicht fertig.

Damit Schachfans bei den Spielen in der Meierei Bolle in Moabit live dabei sein können, hat sich der Deutsche Schachbund eingeschaltet und kurzfristig ein Rahmenprogramm gestrickt. Tageseintrittskarten zu fünf bis neun Euro sind noch zu haben. Gespielt wird von Sonnabend bis Mittwoch jeweils ab 14 bis etwa 18 Uhr. In den Schnellpartien, bei denen die Spieler mit jeweils 15 Minuten Bedenkzeit beginnen, ist die Hackordnung sehr ähnlich wie in langen Partien. Beim schnellen Blitzschach mit drei Minuten aber gibt es Spieler, die weit besser oder schlechter sind. Exweltmeister Wesselin Topalow etwa ist ein schwacher Blitzer. Der Ukrainer Stanislaw Bogdanowitsch ist zwar nicht unter den weltweit mehr als 1200 Großmeistern, aber im Blitzen zählt er zu den besten zehn der Welt.

Carlsens gefährlichste Konkurrenten sind der Franzose Maxime Vachier-Lagrave, der Armenier Lewon Aronjan sowie die Russen Ian Nepomnjaschtschi und Alexander Grischtschuk.

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