Handball

Spreefüxxe bekommen Hilfe aus dem Land der Sportskanonen

Sandra Erlingsdottir, Tochter von Füchse-Trainer Erlingur Richardsson, kommt aus Wien nach Berlin. Und fühlt sich an der Spree wohl.

Berlin ist eigentlich auch ganz schön: Sandra Erlingsdottir im Lustgarten vor dem Berliner Dom

Berlin ist eigentlich auch ganz schön: Sandra Erlingsdottir im Lustgarten vor dem Berliner Dom

Foto: system / Frank Lehmann

Berlin. Sandra Erlingsdottir will ehrlich sein. „Eigentlich wollte ich ja nicht nach Berlin“, erzählt die Handballspielerin, die seit dieser Saison den Bundesligisten Spreefüxxe verstärkt. Vorher spielte sie in Österreich und hatte dort an der Schule gerade erst neue Freunde gefunden, als es ihren Vater, Erlingur Richardsson, als Trainer der Füchse-Männer nach Berlin verschlug. Deshalb musste die Familie erneut umziehen. Und sie mit.

„Es ist mir im Nachhinein ein bisschen peinlich, aber ich hatte gehofft, dass er den Job nicht bekommt und ich an meiner Schule bleiben kann“, sagt sie. Mittlerweile aber freut sich Sandra Erlingsdottir über ihre neue Aufgabe an der Spree: „Das ist meine bislang größte Herausforderung. Ich habe großen Respekt vor der deutschen Bundesliga, das Niveau ist deutlich höher als in Österreich.“

Dort hatte die 17-Jährige vorrangig in der Juniorenauswahl von Hypo Niederösterreich gespielt, das ist immerhin einer der erfolgreichsten Frauenhandballklubs Europas. Acht Mal haben die Niederösterreicher allein die Champions League gewonnen. Gelegentlich kam Sandra Erlingsdottir aber auch schon in der zweiten Mannschaft des Klubs zum Einsatz.

Zum ersten Mal fest im Kader einer Erstligamannschaft

Bei den Spreefüxxen steht sie nun erstmals fest im Kader einer Erstligamannschaft, nebenbei soll sie auch in der A-Jugend-Bundesliga eine wichtige Rolle spielen bei den Berlinerinnen. „Ich bin mir sicher, dass ich in Berlin noch viel lernen kann“, sagt sie. Den Vertrag mussten ihre Eltern unterschreiben: Sie selbst ist ja noch nicht volljährig.

Sandra Erlingsdottir ist einer von drei Zugängen, mit deren Hilfe die Füchse-Frauen ihren achten Platz aus dem Vorjahr wiederholen wollen. Ebenfalls neu sind die Slowakin Dagmara Stuparicova (von Zweitligist Halle) und die niederländische Nationalspielerin Myrthe Schoenaker. Sie soll die abgewanderte Leistungsträgerin Laura Steinbach ersetzen, die ihrem Freund, Ex-Füchse-Spieler Iker Romero, nach dessen Karriereende nach Spanien gefolgt ist.

Wichtige Spielerinnen haben die Spreefüxxe verlassen

Mit Natalie Augsburg hat eine weitere Nationalspielerin den Verein verlassen, die ihrer Mannschaft vor allem in der Abwehr fehlen wird. Zudem fällt Spielmacherin Anna Eber in dieser Saison aus – sie ist schwanger. Erschwerend kommt hinzu, dass die Trainingsstätte der Spreefüxxe, das Horst-Korber-Sportzentrum in Charlottenburg, seit vergangener Woche als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, so dass aktuell einige Trainingszeiten wegfallen müssen.

Das erste Heimspiel am Sonnabend gegen den HC Leipzig verloren die Berlinerinnen trotz einer lange sehr überzeugenden Vorstellung mit 26:31 (17:14). Erfolgreichste Torschützin bei den Gastgeberinnen war Christine Beier mit sieben Treffern. Zur Halbzeit hatten die Füchse-Frauen gegen den Titelanwärter noch geführt, nach der Pause jedoch zogen die Gäste dann unaufhaltsam davon.

Das Auftaktprogramm hat es in sich

„Der Unterschied ist, dass wir nur eine erste Sieben haben und Leipzig zwei. Am Ende ist uns leider die Luft ausgegangen“, sagt Spreefüxxe-Managerin Britta Lorenz. Trotzdem habe das Spiel gezeigt, dass die Mannschaft Potenzial hat. „Wir wollen auch in dieser Saison wieder schnellstmöglich den Klassenerhalt sichern“, gibt Lorenz die Devise aus. Es ist für die Spreefüxxe nach dem Aufstieg 2014 ihre zweite Saison im Oberhaus. Das Auftaktprogramm mit den nächsten Spielen gegen Leverkusen, Oldenburg und den starken Aufsteiger aus Dortmund hat es allerdings in sich.

Sandra Erlingsdottir konnte sich zum Auftakt in ihrem ersten Bundesligaspiel noch nicht in die Torschützenliste eintragen. Trainer Lars Melzer will die Jugendliche aber ohnehin behutsam zur Stammspielerin aufbauen. An der Sprache jedenfalls wird die Integration nicht scheitern: Nach zwei Jahren bei Hypo spricht Erlingsdottir fließend Deutsch mit einem österreichischen Akzent.

Anfangs spielte sie neben Fußball auch noch Handball

Die Stärke der Isländerin ist ihre Schnelligkeit. Erlingsdottir mag nur 1,62 Meter groß sein, doch auf dem Spielfeld kann sie regelrecht explodieren, fast so wie ein Vulkan in ihrer Heimat Island. Dort spielte sie anfangs neben dem Handball auch noch Fußball und schaffte es sogar bis in die erste isländische Liga und ins Junioren-Nationalteam. Hat sich dann jedoch für Handball entschieden.

„Auf Island ist es ganz normal, dass man zwei Sportarten parallel betreibt“, erzählt sie. Häufig würden die Vereine sogar die Trainingszeiten aufeinander abstimmen. „Wir Isländer sind echte Sportskanonen. Man trifft sich in unserem Land nicht auf einen Kaffee, sondern man trifft sich zum Training.“ Auf den Westmännerinseln, wo Erlingsdottir herkommt, gibt es für 4000 Bewohner drei Sporthallen und sechs Fußballfelder. Von der guten Ausbildung, die Sandra Erlingsdottir dort genossen hat, wollen nun auch die Spreefüxxe profitieren.