Warum nicht? Diese Frage stand am Anfang. Warum nicht, dachte sich Robert Lottermoser, als ein Basketball-Schiedsrichter gesucht wurde. 17 Jahre war der Spieler Lottermoser damals alt. Und da in Brandenburg die Spiele in Turnierform ausgetragen wurden, musste jedes Team einen Unparteiischen stellen.
22 Jahre später ist der heute 39-Jährige, der in Bernau bei Berlin lebt, Deutschlands einziger Profischiedsrichter im Basketball. Ein Unikat also. Und er ist auch der einzige Deutsche unter den insgesamt 40 Referees, die von Sonnabend an bei der Europameisterschaft im Einsatz sind. Er ist am Spielort Zagreb aktiv.
Er sei Deutschlands „beste Pfeife“ hat die „Märkische Allgemeine“ einmal launig geschrieben. Lottermoser ist zweifellos der beste Schiedsrichter im Land. Er hört dieses Lob nicht gern. „Ich fühle mich nicht so, es wäre auch respektlos gegenüber den Kollegen.“ Er sagt lieber: „Ich bin einer der erfahrensten Schiedsrichter in Deutschland.“
Der Bauingenieur hat sich fürs Pfeifen entschieden
2001 leitete er seine erste Partie in der Bundesliga (BBL), seit 2004 pfeift Lottermoser international. 2007 entschied er sich, das anfängliche Hobby endgültig zu seinem Beruf zu machen. „Es ging nicht mehr, zwei Berufe miteinander zu vereinbaren“, sagt Lottermoser, der aus diesem Grund seinen Job als Bauingenieur aufgab. Seit acht Jahren hat er ein Gewerbe als „Sport-Schiedsrichter“ angemeldet.
Sein Beruf bringt es mit sich, dass Lottermoser viel unterwegs ist. Etwa 100 Spiele pfeift er pro Jahr – Bundesliga, Eurocup, Europaliga, kürzlich U16-EM der Mädchen in Portugal, jetzt EM mit den europäischen Topstars. Da kommen mit den entsprechenden Reisen gut 150 Tage zusammen, in denen er nicht zu Hause ist. Auch für die Familie, seine Lebensgefährtin und deren Kinder, sei dies „eine Belastung“. Doch gerade der Rückhalt durch seine Familie gebe ihm ein sehr gutes Gefühl.
Wenn Lottermoser über seinen Beruf spricht, fällt oft das Wort Respekt. Und noch öfter das Wort Erfahrung. Beides stehe in Wechselbeziehung zueinander. Er weiß: „Mit jungen Kollegen wird nicht so respektvoll umgegangen.“ Spielern und Trainern will er deshalb „keinen Vorwurf machen, wenn sie die Grenzen ausloten“. Das sei „legitim“.
Spieler und Trainer loten aus, wie weit sie gehen können
Als Beispiel zieht er Albas Trainer Sasa Obradovic heran, einen der Temperamentvollsten in der Branche. „Es ist etwas anderes, wenn ich mit Obradovic spreche oder etwas von ihm verlange – oder ein eher Unerfahrener.“ Es gilt: „So wie ich Respekt den Trainern zolle, so erfahre ich Respekt von ihnen.“
Schiedsrichter sind nicht nur Lamentos von Spieler und Trainern, sondern auch Pöbeleien von Fans gewohnt. „Das blenden wir aber aus.“ Auch eine Frage der Erfahrung. Die Spielleitung ist ein Balanceakt: Wie behalte ich die Kontrolle, ohne den Spielfluss nachhaltig zu stören? Was pfeifen, was laufenlassen? „Man muss Fingerspitzengefühl mitbringen.“
550 Euro gibt es pro Einsatz in der Bundesliga, im Play-off ein bisschen mehr; am meisten bekommt der Bernauer für einen Einsatz in der Europaliga: 1000 Euro. Zum Vergleich: Für ein Erstligaspiel im Fußball erhält ein Bundesliga-Schiedsrichter 3800 Euro, wobei die Unparteiischen auch noch ein gestaffeltes Grundgehalt zwischen 40.000 und 60.000 Euro pro Saison überwiesen bekommen.
Mit Fußball-Schiedsrichtern möchte er nicht tauschen
Trotz dieser Summen: „Mit einem Schiedsrichter im Fußball möchte ich nicht tauschen.“ Er könne sich nicht vorstellen, unter dem immensen Druck zu arbeiten, der auf dem obersten Level bei den Kickern herrsche.
Lottermoser denkt dabei an Fälle wie den von Fußball-Referee Babak Rafati, der 2011 einen Selbstmordversuch unternahm. „Die BBL hat schnell aus den Fußball-Erfahrungen gelernt“, sagt Robert Lottermoser. Die Liga hat zwei sogenannte „Verhaltenstrainer“ angestellt. „Da kann ein Schiedsrichter jederzeit anrufen, um sich im Falle des Falles Lösungshilfen zu holen.“




