Olympia-Revier

Dreckwasser vor Rio - Berliner Segler Heil mehrfach operiert

Das verseuchte Wasser in Rio hat bei dem Berliner Segler Erik Heil schwere Entzündungen verursacht. Er musste mehrfach operiert wurden.

Berlin. Erstmals leidet ein Segler der deutschen Nationalmannschaft nach einem Einsatz im verschmutzten Olympia-Revier vor Rio de Janeiro an schweren Entzündungen. Der Berliner 49er-Europameister Erik Heil, 26, musste sich in den vergangenen Tagen mehrfach in Berliner Krankenhäusern behandeln lassen und kann vorerst nicht einmal mehr trainieren, nachdem er von der olympischen Testregatta zurückgekehrt war.

Die ersten Probleme tauchten bereits während der Regatta auf, die letzte, derzeit weiter wachsende Entzündung kam während des Rückfluges nach Deutschland dazu. Deswegen suchte Heil nach der Landung auch sofort das Tropeninstitut auf.

Das Ergebnis der Laboranalyse von Heils Blutwerten steht noch aus. Die Ärzte an der Charité gehen zunächst davon aus, dass sich Heil wahrscheinlich über den Kontakt mit verdrecktem Wasser in Brasilien eine bakterielle Infektion zugezogen hat. Der mit acht Zentimetern größte von fünf Entzündungsherden an Beinen und Hüfte wurde inzwischen entfernt. Dem Athleten wurde zudem ein Antibiotikum verordnet. „Ich hatte noch nie in meinem Leben Entzündungen im Bein. Ich gehe davon aus, dass ich mir das bei der Testregatta geholt habe“, betonte Heil: „Der Verursacher dürfte der Hafen der Marina da Gloria sein. Dort fließen unter anderem die Abwässer des städtischen Krankenhauses ungebremst hinein.“

Die Olympia-Gewässer stehen seit Langem in der Kritik von Sportlern, Betreuern und Verbänden. Mehrere unabhängige Tests hatten eine hohe Belastung des Reviers mit Bakterien und Keimen ergeben. „Ich kann nur hoffen, dass ich mir nicht so ein multiresistentes Ding eingefangen habe. Das kann einen richtig zerlegen“, meinte Heil. Er hatte in der vergangenen Woche mit seinem Vorschoter Thomas Plößel, ebenfalls Berlin, bei der olympischen Generalprobe in der Guanabara-Bucht auf Rang drei als einziger Deutscher eine vordere Platzierung erreicht. Das Duo zählt zu den Medaillen-Kandidaten für die Sommerspiele 2016, muss dafür aber erst noch die nationalen Qualifikationshürden nehmen.

Bei der Testregatta für die Spiele in Brasilien (5. bis 22. August 2016) war in der vorigen Woche auch Windsurfer Wonwoo Cho aus Südkorea wegen stechender Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Erbrechen ins Krankenhaus gebracht worden. „Mein Wunsch im Vorfeld wäre gewesen, das Revier zu verlagern. Jetzt glaube ich, dass nicht mehr viel zu machen ist bis zu den Spielen“, sagte Heil.