Rio

„Im Hafen von Rio stinkt es stark“

Das Olympiarevier steht heftig in der Kritik. Der Berliner Erik Heil segelte dort und berichtet von seinen Erlebnissen

Rio. Die Sorgen über das dreckige Wasser im Olympiarevier vor Rio de Janeiro nehmen zu. Bei Testregatten wurde der Windsurfer Wonwoo Cho aus Korea vergangene Woche wegen stechender Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Erbrechen ins Krankenhaus gebracht. Auch Deutsche waren in der Guanabara Bay am Start, darunter die Berliner Erik Heil, 26, und Thomas Plößel, 27. Sie belegten in ihrer 49er-Klasse sogar den dritten Rang. Heil sprach anschließend über die Erfahrungen dort.

Berliner Morgenpost: Fäkalbakterien und Müll im Olympiarevier bedrohen Gesundheit und Leistung der Segler, heißt es. Wie haben Sie das erlebt?

Erik Heil: Das Wasser ist sehr dreckig. Aber viel mehr als die reine Wasserqualität haben uns die Tüten im Wasser gestört, weil sie die Leistung beeinflussen. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bakterien im Wasser schneller Entzündungen hervorrufen und Wunden nur sehr langsam heilen. Einmal sind wir gegen etwas gefahren, von dem wir bis heute nicht wissen, was es war.

Was können Tüten und großes Treibgut Seglern im Wettkampf denn alles antun?

Wenn man mit einem 49er beispielsweise in Plastiktüten fährt, bremst dies das Boot. Je nach Größe der Tüte und je nachdem, wo man sie sich einfängt, kann es einen zwischen fünf und 20 Plätze kosten. Anderes, größeres Treibgut kann das Boot sogar zum Überschlag bringen.

Wie genau darf man sich das Wasser in der Bucht optisch vorstellen? Stinkt es?

Das Wasser in der Bucht hat eine bräunliche Farbe. Man sieht maximal 20 Zentimeter tief ins Wasser. In manchen Bereichen, wie im Hafen, ist das Wasser sehr, sehr dreckig, und wir versuchen wirklich keinerlei Kontakt mit diesem Wasser zu bekommen. Dort stinkt es auch relativ stark.

Es wurde von umhertreibenden Tierkadavern berichtet. Haben Sie so etwas gesehen?

Die Brasilianer haben von toten Kühen im Wasser erzählt. Wir selbst haben das nicht erleben müssen.

Eine Agentur hat jüngst eine Testserie durchgeführt, in der einige Proben Werte aufwiesen, die 1,7 Millionen mal schlechter als solche waren, die an einem kalifornischen Strand bereits als gefährlich eingestuft werden. Wie nehmen Sie es auf, in einem solchen Revier segeln zu müssen, obwohl doch fantastische Reviere wie etwa Buzios gleich um die Ecke liegen?

Wir haben lange gehofft dass das Revier gewechselt wird, jedoch müssen wir uns von diesem Gedanken langsam entfernen. Buzios wäre ein Traum gewesen. Jetzt geht es aber darum, sich mit den vorherrschenden Bedingungen anzufreunden und sich darauf einzustellen.

Ihr Wunsch zur Wasserqualität an die Veranstalter?

Mein Wunsch im Vorfeld wäre gewesen, das Revier zu verlagern. Jetzt glaube ich, dass nicht mehr viel zu machen ist bis zu den Spielen. Daher würde uns als Sportlern helfen, wenn kein Müll beziehungsweise so wenig Müll wie möglich im Wasser herumschwimmt. Die Wasserqualität erheblich zu verbessern, ist, so glaube ich, momentan unrealistisch. Jedoch würde es den Sportlern, die sich viele Jahre auf Olympische Spiele vorbereiten, hart trainieren und Entbehrungen auf sich nehmen, schon stark helfen, wenn nicht am Ende Müll über Sieg oder Niederlage entscheidet.