Kaderplanung

Stürmische Zeiten bei Union Berlin

Mit Wunschspieler Bobby Wood hat Unions Trainer Düwel nun die Wahl aus fünf Angriffstypen. Der Amerikaner hat sich bereits gut eingelebt.

US-Stürmer Bobby Wood (l.), hier gegen Antonio Rüdiger, war im Länderspiel gegen Weltmeister Deutschland

US-Stürmer Bobby Wood (l.), hier gegen Antonio Rüdiger, war im Länderspiel gegen Weltmeister Deutschland

Foto: Martin Meissner / AP

Natürlich wäre er beim Start des US-Teams in den Gold Cup gegen Honduras gern dabei gewesen. Doch „der Jürgen wollte, dass ich meine Vereinssituation in Ruhe kläre“, sagte Bobby Wood, 22. Der Jürgen, das ist US-Coach Jürgen Klinsmann. Sein Wort hat Gewicht beim neuen Stürmer des 1. FC Union. Und so besitzt der Berliner Fußball-Zweitligist derzeit Priorität bei Wood.

Der erste Eindruck im Trainingslager in Bad Kleinkirchheim lässt den Schluss zu, dass die Köpenicker ihren Torjäger gefunden haben. Ein kurzer, dynamischer Antritt, direkt in Richtung Tor, schon zappelt der Ball im Netz. Doch gleich der zweite Eindruck macht deutlich, dass Union wohl noch ein wenig warten muss, bis der Stürmer den Ruf einholen kann, der ihm vorausgeeilt ist. Während seine neuen Kollegen zwischen Trainingsspiel und Laufeinheit hin und her pendeln, dreht der Hawaiianer alleine seine Runden, wirkt dabei fast ein wenig beklommen.

Es ist Eroll Zejnullahu, 20, der später neben ihm läuft. Als wolle er Wood zeigen: Du bist jetzt einer von uns. „Ich bin ein bisschen später ins Training eingestiegen. Da ist es dann normal“, erklärte er seinen individuellen Part beim Training: „Ich denke aber, dass in ein paar Tagen alles okay ist.“ Seine Stimme ist leise, sein Blick geht immer wieder zu Boden. Vielleicht ist ihm schon jetzt die Bürde bewusst, die er als wohl teuerster Einkauf in der Union-Historie – die Ablösesumme an 1860 München dürfte im höheren sechsstelligen Bereich liegen – zu tragen hat. „Es ist mein Job, Tore zu machen“, sagte Wood.

„Ich war überrascht, wie gut die Mannschaft zusammensteht"

Der Einstieg bei Union wurde ihm jedenfalls leicht gemacht. Beim Mannschaftsabend am Montag lernte er das Team kennen. Und staunte: „Ich war überrascht, wie gut die Mannschaft zusammensteht.“ Woods Gesichtszüge entspannen sich zu einem sympathischen Lachen. Es ist, als reife gerade in diesem Moment die Erkenntnis in ihm, dass er sich in den drei Jahren bei Union durchaus wohl fühlen könnte.

Dazu bedarf es Leistung, wie zum Beispiel im Testspiel am Donnerstag gegen den österreichischen Erstligisten Austria Wien, für das er bereits spielberechtigt ist. Vor allem aber im Training. Schließlich kann Trainer Norbert Düwel nun aus einem Angebot von fünf Stürmertypen für im Normalfall maximal zwei Stellen auswählen. Der aussichtsreichste Kandidat für den Part neben Wood ist Sören Brandy. Brandy will die verkorkste, weil durch zahlreiche Verletzungen gekennzeichnete vergangene Spielzeit vergessen machen. Er selbst sieht sich seit jeher nicht als der klassische Torjäger, sondern als Spieler, der für die anderen die Räume aufreißt. Zudem unterscheidet sich der 30-Jährige schon durch seine schlitzohrige Spielweise vom eher geradlinigen, athletischen Wood.

Dann sind da Collin Quaner, 24, und Steven Skrzybski,22, ein Eigengewächs, das den Schatten des ewigen Talents langsam ablegen muss. Quaner, der über einen guten Schuss verfügt, kommt allein schon wegen seiner 1,91 Meter Körpergröße eher für die Rolle des Brechers in Frage. Skrzybskis Vorteil liegt in seiner Schnelligkeit. Bleibt Bajram Nebihi, 26, der trotz allen Bemühens auch in Kärnten seinen Status als Reservist kaum verbessern wird. So ähnlich erging es auch Wood in den vergangenen zwei Jahren. Zuletzt beim FC Erzgebirge Aue, an den er in der Rückrunde ausgeliehen war, kam er mehr zum Zug. Bei Union „möchte ich einfach so viele Spiele wie möglich machen“, sagte er. Dass er dafür auch die TV-Übertragung vom Gold Cup in der Nacht sausen lässt („Da muss ich schlafen – leider“), versteht sich wohl von selbst.