Radsport

Tour-Sieger Wiggins pulverisiert Stundenweltrekord

Bradley Wiggins stieg aus dem Straßenrennsport aus, auf der Bahn ist er noch wie vor eine Klasse für sich. Fast 55 Kilometer radelte der Brite in nur 60 Minuten.

Foto: Tim Ireland / AP

Der frühere Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins hat den Stundenweltrekord auf der Bahn in neue Sphären gehoben. Der 35 Jahre alte Brite legte am Sonntag im ausverkauften olympischen Velodrom von London in einer Stunde 54,526 Kilometer zurück und verbesserte die einen Monat alte Bestmarke seines Landsmanns Alex Dowsett um 1602 Meter.

„Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist. Es war schmerzhaft, am Ende zählst du die Minuten“, sagte Wiggins bei Sky Sports. Wie schon bei der Frankreich-Rundfahrt trug er sich in eine Liste ein, in der Legenden wie Eddy Merckx, Fausto Coppi und Jacques Anquetil stehen. „Ich bin sehr glücklich, mit diesen Jungs in einer Reihe zu stehen“, so Wiggins.

Tickets in sieben Minuten ausverkauft

6000 Zuschauer im Lee Valley Velodrome – die Tickets waren nach nur sieben Minuten ausverkauft – begleiteten Wiggins Fahrt mit tosendem Applaus und der La Ola. Die herausragende Stimmung ließ Erinnerungen an die Sommerspiele 2012 wach werden, als die britischen Bahnrad-Asse an gleicher Stelle sieben Goldmedaillen gewannen. Durch die letzten Runden trugen die Fans Wiggins mit Standing Ovations, nach einigen Ehrenrunden stemmte der Triumphator sein Rad in die Höhe.

Wiggins, von Beginn an auf Weltrekord-Kurs, schien mit seiner Hightech-Rennmaschine zu verschmelzen. Geschmückt mit einem goldenen Helm saß er sehr ruhig in aerodynamischer Position auf dem Sattel, einzig seine Beine bewegten sich im gleichmäßigen Tempo eines Metronoms.

Wiggins hat einen deutschen Trainer

Am Rand des Holzovals informierte Wiggins' deutscher Trainer Heiko Salzwedel über die Rundenzeiten, die nie Zweifel am Erfolg seines Unterfangens aufkommen ließen. Erst in den letzten zehn Minuten verlor Wiggins minimal an Geschwindigkeit. „Ich bin überglücklich, das ist einer der Höhepunkte meiner Trainerlaufbahn“, sagte Salzwedel bei Eurosport.

Perfektionist Wiggins hatte sich intensiv und fokussiert auf den Rekordversuch vorbereitet, jedes Detail war generalstabsmäßig durchgespielt worden. Selbst seinen Bart hatte Wiggins aufgrund aerodynamischer Vorteile vor dem Rekordversuch abrasiert.

Im September 2014 hatte Jens Voigt (Grevesmühlen) der traditionsreichen Disziplin neues Leben eingehaucht und einen Stundenweltrekord aufgestellt, seither wurde der Bestwert mehrfach überboten. Wiggins Ergebnis dürfte jedoch bis auf Weiteres nicht gebrochen werden.