DFB-Pokal

Turbine Potsdams Sehnsucht nach neuen Gipfeln

Im Halbfinale des DFB-Pokals kommt es zum Prestigeduell in Frankfurt. Die Brandenburgerinnen wollen zum einen etwas gut machen, zum anderen ist es die letzte Chance auf einen guten Saisonabschluss.

Foto: Alfred Harder / pa / Alfred Harder

Manchmal finden auch die größten Rivalen zu seltener Einmütigkeit. Der Montag brachte so einen Moment, da wunderte sich in Frankfurt Siegfried Dietrich nicht minder als in Potsdam Bernd Schröder. Die beiden sind als die markantesten männlichen Protagonisten des Frauenfußballs, der eine als Manager des 1. FFC Frankfurt, der andere als Trainer des 1. FFC Turbine Potsdam, eher auf Gegensätze programmiert. Doch die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Steffi Jones ab 2016 zur Nachfolgerin von Bundestrainerin Silvia Neid zu machen, kam bei ihnen gleichermaßen komisch an.

Etwas drastischer drückte das wie gewohnt der 72 Jahre alte Potsdamer aus. „Ich dachte, es wäre 1. April und bin schon etwas überrascht, da ich erwartet hätte, dass eine Nationaltrainerin zuvor Erfahrung sammeln muss als Trainerin“, sagte Schröder der „FAZ“. Dietrich, langjähriger Wegbegleiter von Jones, formulierte seine Bedenken über die als Trainerin völlig unerfahrene Frankfurterin diplomatischer: „Steffi ist am Ziel ihrer Träume angelangt, steht aber auch vor einer großen Herausforderung.“

Weitgehend vergessen dürfte die Harmonie zwischen Schröder und Dietrich schon am Mittwoch wieder sein. Turbine reist zum DFB-Pokal-Halbfinale nach Hessen (15.30 Uhr, rbb), für beide Seiten geht es um mehr als nur den Sieg. „Wir leben unseren Traum von zwei Endspielen auf deutschem Boden“, sagt Dietrich, dessen Team am Wochenende in das Halbfinale der Champions League, deren Finale in Berlin stattfindet (14. Mai), eingezogen ist. Schröders Mannschaft will wenigstens ein Saisonziel noch erreichen. In der Bundesliga liegen die Potsdamerinnen mit 43 Punkten derzeit auf Rang vier hinter Bayern München (47), dem VfL Wolfsburg (45) und Frankfurt (43). Nur die beiden ersten Teams qualifizieren sich für die Champions League. „Das nagt schon an mir. Jetzt bleibt nur noch der Pokal“, sagt Schröder. Bei lediglich noch drei Partien in der Liga sind die Aussichten auf das internationale Geschäft sehr gering.

Besonders groß scheinen auch die auf das Pokalfinale nicht zu sein. Gegen den Vorletzten Duisburg gab es zuletzt in der Bundesliga ein dürftiges 1:0. „Wir wissen, dass wir uns in allen Mannschaftsteilen steigern müssen“, sagt Kapitänin Lia Wälti. Vor ein paar Wochen erst unterlagen die Brandenburgerinnen in Frankfurt mit 1:5. „Wir haben in Frankfurt unser Gesicht verloren“, sagt Schröder. Wer ihn kennt, der weiß, wie sehr es ihn schmerzt, dass es gerade gegen diesen Gegner so weit kommen musste.

Intensive Planung für die nächste Saison

Allein durch diese Niederlage besteht genügend Motivation bei Turbine, sich im Halbfinale zu zerreißen. Doch Schröder blickt weiter: „Für uns ist das Pokalfinale in dieser Saison die letzte Möglichkeit, noch einmal auf einer Bühne ganz oben zu stehen. Das Spiel in Frankfurt ist für unseren Verein daher eminent wichtig.“ Denn ganz oben stand Turbine schon in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht mehr. Der Klub durchlebt das zweite große Wellental, seit er Mitte der 2000er-Jahre in der Spitze des Frauenfußballs angekommen war.

Bereits seit ein paar Wochen wirkt Schröder intensiv daran, seinen Klub aus diesem Tal herauszuführen. Spätestens in der nächsten Saison. Einige Leistungsträgerinnen verlängerten ihre Kontrakte, dazu wurden bereits vier neue Spielerinnen verpflichtet. Zwei davon, Patricia Hanebeck und Bianca Schmidt, trugen bereits das Trikot von Turbine. „Es hat schon eine Aussage, wenn eine solche Spielerin zu Turbine zurückkehrt. Zugleich ist das ein Zeichen, dass sie ebenso wie wir die Hoffnung hat, dass wir in den nächsten Jahren mit Turbine Potsdam gemeinsam etwas erreichen können“, so Schröder über Verteidigerin Schmidt, die zum Kader der Nationalmannschaft gehört. Genauso wie Abwehrkollegin Svenja Huth, die wie Schmidt derzeit noch beim 1. FFC Frankfurt spielt. Die Amerikanerin Allison Scurich ist der vierte Zugang und kommt wie Hanebeck vom SC Sand.

Daneben plant Schröder, der mit den Zugängen etwas mehr Erfahrung in das Team bringt, auch bei den ausländischen Spielerinnen noch den einen oder anderen Wechsel, um die Qualität im Kader zu erhöhen und bald wieder Titel zu gewinnen. Im Pokal-Halbfinale wehrt sich das künftige Personal dagegen, dass es jetzt schon passiert. „Ich werde bis zum Saisonende alles dafür geben, mit Frankfurt einen maximal erfolgreichen Abschluss zu erreichen“, sagt Schmidt.