Diskussion

Doping im Fußball: Klopp, Scholl und Dutt reden „Blödsinn“

Jürgen Klopp, Mehmet Scholl und Robin Dutt wurden über Doping im Fußball befragt. Ihre Aussagen: Doping im Fußball bringt nichts. Das halten Doping-Experten für „Blödsinn“.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Wenn es nicht so traurig wäre, hätten die Äußerungen von Jürgen Klopp, Mehmet Scholl und Robin Dutt über Doping im Fußball zumindest humoristischen Wert. Nach dem Pokal-Achtelfinale zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden am Dienstag wurde BVB-Trainer Klopp in der ARD nach den Hinweisen zu den Dopingpraktiken beim VfB Stuttgart und dem SC Freiburg in den 70er- und 80er-Jahren gefragt. Die Mediziner hätten „ein bisschen vor sich hingetestet“, mutmaßte Klopp. Wenn die Spieler etwas verabreicht bekommen haben, „dann haben sie es sicher nicht gewusst“, sagte er.

Damit widersprach Klopp, 47, leider auch seinem einstigen Jugendidol Karlheinz Förster, der zur betreffenden Zeit in Stuttgart spielte und später sagte: „Wenn’s Spitz auf Knopf ging, da haben wir gesagt: Mensch Professor, ich muss am Samstag wieder ran. Da hat man auch mal was Unvernünftiges gemacht.“ Mit Professor meinte er den Freiburger Arzt Armin Klümper, die Schlüsselfigur im Dopingskandal.

Kurioser als Klopps Aussagen waren Scholls. Der ARD-Experte und Ex-Profi meinte, dass Doping im Fußball eher nachteilig sei: „Nimmst du was für die Kondition, wirst du langsamer.“ Ebenso fragwürdig äußerte sich Robin Dutt, aktuell Manager in Stuttgart: Doping sei nicht effektiv, weil Fußball eine „Mischsportart“ sei, bei der es auch auf technisch-taktische Dinge ankomme. Spieler, die dopen, „würden sich in der Leistung nachher eher verschlechtern“.

„Es muss viel mehr kontrolliert werden“

Doping-Experte Gerhard Treutlein, Mitglied der Freiburger Kommission, widersprach: „So sehr ich Herrn Dutt schätze, da redet er Blödsinn. Doping, je nachdem was man nimmt, bringt sehr wohl etwas im Fußball.“ Werner Franke, ehemaliges Kommissionsmitglied und langjähriger Dopingjäger, richtete den Blick auf den aktuellen Fußball und forderte im Münchner Merkur: „Es muss viel mehr kontrolliert werden.“

Nicht nur nach den Spielen, sondern auch im Training. Die Nada, die Nationale Doping-Agentur Deutschlands, veranlasste 2013 insgesamt nur 39 Blut- und 534 Urintests im Training. Bei knapp 500 Bundesligaprofis heißt das: Nicht einmal jeder Zehnte muss sich pro Saison einer Blutkontrolle unterziehen. Nur einmal muss jeder Spieler zum Urintest.

Die seltsamen Äußerungen von Klopp, Scholl und Dutt sind nicht nur naiv. Sie schaden auch einer ehrlichen Debatte über Doping im deutschen Fußball.