Manchmal passt es ganz einfach. Beim Team-WM-Finale der Eisspeedway-Fahrer brach die Sonne genau in dem Moment durch die grauen, regenschweren Wolken über dem Stadion Wilmersdorf, als am Sonntagnachmittag das 22. von 42 Rennen gestartet wurde. Und das Wetter hielt an. Genau wie der unerwartet gute Zuschauerzuspruch. Bereits am Sonnabend musste der Streckensprecher die Fans auf der Haupttribüne sogar bitten, ein wenig zusammenzurücken.
Wie gut es bei der als haushoher Favorit ins WM-Finale gegangenen russischen Mannschaft passt, sahen die offiziell 7500 Fans einmal mehr. Mit 56 Punkten erkämpften Nikolai Krasnikov, Dmitri Khomitsevitsch und Daniil Ivanov den bereits 33. WM-Titel für ihr Land. Eine Top-Vorstellung gelang Österreich auf dem Weg zur Silbermedaille. Franz Zorn, Harald Simon und Charly Ebner holten 49 Zähler. Bronze ging an die tschechischen Brüder Jan und Antonin Klatowsky sowie Lukas Hutla (40 Zähler.)
Pech bei zwei Motorschäden
Für die deutsche Mannschaft gab es dagegen ein Wochenende nach dem Motto: Wenn man schon kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Zwei Stürze von Günther Bauer und Hans Weber, zwei Motorradschäden bei Bauer und eine Disqualifikation von Weber (Verlassen der Bahn) machte die leise Hoffnung auf einen Platz auf dem Siegertreppchen zunichte.
Am Ende reichte es für Bauer, Weber und den von Stress verschont gebliebenen Max Niedermaier Junior zu Platz fünf hinter Schweden. „Natürlich können wir nicht zufrieden sein. Denn in den Rennen, in denen keiner von uns Pech hatte, haben wir immer um den Sieg mitgekämpft“, fiel Bauers Bilanz bestenfalls durchwachsen aus. Immerhin blieb dem 43-Jährigen aus Reit im Winkl als Trost, dass er in Berlin am Donnerstag seinen neunten deutschen Meistertitel einfahren konnte.
Während ein großer Teil der in Berlin gestarteten Fahrer (auch Bauer und Weber) bereits an den beiden kommenden Wochenenden in Assen und in Inzell zu den Finalrennen um die Einzel-WM antreten, nimmt sich der weltbeste Eis-Cowboy eine Auszeit. Nikolai Krasnikov geht lediglich als Edelmechaniker mit seinen Landsleuten nach Holland und Bayern. „Ich habe mich ja erst Ende 2014 für ein Comeback entschieden. Da war die Qualifikation für die Einzel-WM bereits entschieden.
Aber als russischer Meister 2015 gehörte mit ein Platz in der Team-WM. Ich bin zufrieden“, sagte der 30-Jährige, der in seiner Heimatstadt Ufa ein Eisspeedway-Trainingszentrum betreibt. Seine sportlichen Pläne für 2015 müssen der Konkurrenz wie eine Drohung vorkommen: „Es macht mir im Augenblick wieder viel Spaß, selbst zu fahren. Und das Gewinnen macht auch wieder Spaß.“
Chance für den Nachwuchs
Einer, der schon ganz kurzfristig von Krasnikovs Fahrkünsten profitieren will, ist Luca Bauer, 16 Jahre alter Sohn des deutschen Mannschaftskapitäns. Bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft reichte es für ihn zu Rang elf unter 17 Startern, in einem Rennen machte er dabei sogar seinem Vater das Leben schwer. „Für mich war das in Berlin ein schönes Wochenende.
Auf der Bahn und auch als Zuschauer“, so der Mechaniker-Lehrling. Im vergangenen Dezember war er mit seinem Vater zu Krasnikov nach Ufa gereist. Sein Fazit: „Ich konnte da mit guten Fahrern trainieren und hatte sogar einen eigenen Mechaniker, der sich nur um meine Wünsche gekümmert hat. Ich denke schon, dass ich da viel gelernt habe.“




