Die Sensation nach der Sensation trug den Nummern-Code bonn/tlx/51741132024. Es war ein Fax, mit dem Bundeskanzler Helmut Kohl den Herren Max Niedermayer, Helmut Weber und Gunter Brandt zu einem „unerwarteten Erfolg, der uns alle begeistert hat“ gratulierte. Gut, Niedermayer mit y war ein kleiner Schönheitsfehler. Es war aber der einzige an diesem 13. Februar 1983.

Die deutsche Eisspeedway-Auswahl mit Max Niedermaier, Helmut Weber und Gunter Brandt hatte in Berlin, im Eisstadion Wilmersdorf, sensationell die Team-Weltmeisterschaft gewonnen – vor Schweden und der für unbesiegbar gehaltenen Mannschaft der Sowjetunion.

Wilmersdorfs Bürgermeister Horst Dohm schickte seinen Fahrer ins Rathaus, um Sekt zu holen. Berlins damaliger Innensenator Heinrich Lummer sorgte zur Überbrückung für Freibier. „Ich bin ein Berliner“ schrieb Niedermaier ins Gästebuch, Weber setzte hinzu „ich auch“.

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Die schier endlose Geschichte

32 Jahre später steigt das WM-Finale der sieben weltbesten Eisspeedway-Teams wieder in Berlin, im Horst-Dohm-Stadion, wie es jetzt heißt. Aus den sowjetischen Fahrern sind russische geworden, sie sind immer noch so gut wie unschlagbar. Und im deutschen Aufgebot stehen erneut die Herren Niedermaier (Max Junior) und Weber (Hans). Es sind die Söhne der Helden von 1983. Dazu kommt mit Günther Bauer der Team-Kapitän, dessen Name auch nicht so weit von Gunter Brandt entfernt ist.

„Hol mal den Wahnsinnigen vom Schliersee“, sagt Bauer zu einem jungen Teamhelfer. Geholt wird Hans Weber, der schraubte in diesem Moment an seinem Motorrad, und das Trio für das gewünschte Foto ist komplett. Niedermaier Junior und Weber grinsen, wohl wissend, was von ihnen erwartet wird. „Ein bisschen nervt es schon, die Geschichte von damals immer wieder zu erzählen. Aber schön ist es auch“, sagt Weber. Den Spitznamen „Wahnsinniger“ trägt er, weil er keine Angst vor Stürzen hat. Bauer verdreht die Augen und lacht dann aber auch. „Ich hab’s so oft gehört, als sei ich dabei gewesen“, so der 43-Jährige, der selbst 2003 Vizeweltmeister in der Einzelkonkurrenz und 2004 Vize mit dem Team war.

Dann also Start frei zum Unternehmen Team-WM 2015. „Realistisch gesehen ist die Goldmedaille bereits vergeben. Die Russen sind zehnmal so breit und gut aufgestellt wie alle anderen Nationen“, sagt Weber. Im Gegensatz zu Rekordweltmeister Nikolai Krasnikov, Dmitri Khomitsevitsh und Daniil Ivanov ist der 30-Jährige kein Profi. Im Herbst 2014 beendete der Bayer sein Studium zum Maschinenbauer und hat seit dem 1. Oktober eine Festanstellung als Konstrukteur. „Deswegen konnte ich mich nicht optimal für die Saison vorbereiten, da ich keinen Urlaub hatte. Zur Saison 2016 werde ich nach Russland gehen. Nur so komme ich weiter nach vorn“, so Weber.

„Da trennt sich die Spreu vom Weizen von ganz allein“

Was hinter dem so leicht gesagten „nach Russland gehen“ steckt, erklärt Bauer. „Wir haben in Deutschland vielleicht zwanzig Eis-Fahrer, das reicht gerade so für eine Deutsche Meisterschaft. Die Russen haben eine Super-Liga, eine erste und eine zweite Division und eine Junioren-Liga. Jeweils sieben Teams mit je drei Stammfahrern plus Ersatzpilot. Da trennt sich die Spreu vom Weizen von ganz allein“, so der Routinier, der, wann immer es geht, Gaststarts in der Super-Liga wahrnimmt. Dazu reist er dann auch mal 12.000 Kilometer von Reit im Winkl nach Blagoveshensk an die russisch-chinesische Grenze. Künftig wohl nicht mehr allein.

Denn im Vorfeld der Team-WM gab es in Berlin eine Premiere für den deutschen Serien-Meister (neun Titel). Erstmals trat er in einem Wettbewerb gegen seinen Sohn Luca, 17, an. „Diesmal ist noch alles gut gegangen“, so Bauer und fügt dann hinzu: „Aber Luca hat mir versprochen, dass er mich bald ablösen will.“ Bei seiner ersten DM-Teilnahme wurde Bauer Junior Elfter im Feld der 17 Starter. Vizemeister wurde Bauers designierter Nachfolger Max Niedermaier Junior. Der 26-Jährige ist ehrgeizig: „Ich hoffe auf Platz drei bei der Weltmeisterschaft. Wenn wir alle in Top-Form fahren, sind, glaube ich, nur die Russen und die Österreicher stärker.“ Sein bislang bestes Einzelergebnis ist Platz fünf bei den EM 2014, die der Russe Vasily Nesytyh für sich entscheiden konnte.

Der Superstar auf dem Berliner Eis ist Nikolai Krasnikov. Kein anderer Fahrer dominierte die Welt der Eis-Cowboys so wie der 29-Jährige aus Ufa. Achtmal in Folge wurde er von 2005 bis 2012 Eisspeedway-Weltmeister und trat danach in den Vorruhestand, aus dem eine flexible Altersteilzeit wurde. Sprich Starts in der russischen Eliteliga. 2014 dann der Rücktritt vom Rücktritt. Krasnikov meldete für die russischen Einzelmeisterschaften – und holte sich Platz eins. Damit war er für eine Weltmeisterschafts-Teilnahme im Team gesetzt.

Einen kleinen Anteil am Erfolg von Krasnikov hat auch Günter Bauer. Der Bayer hat dem Baschkiren den Kontakt zum deutschen „Motor-Papst“ Manfred Knappe vermittelt. „Dafür kann ich mit und bei Nikolai trainieren. Wir sind mittlerweile gute Freunde“, so Bauer.