Leichtathletik

WM-Starter nutzen ersten Hallen-Istaf als Generalprobe

Mehr als 10.000 Besucher kamen in die O2 World, um internationale Stars und deutsche Medaillenhoffnungen anzufeuern - eine Woche vor der Hallen-WM. Storl bleibt ungeschlagen, Harting tut sich schwer.

Robert Harting ist der Star der Istaf Indoor

In der O2 World kamen die Leichtatletikstars zur Istaf Indoor zusammen. 10.000 Besucher waren dabei.

Video: BMO
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Als Robert Harting in einem schwarzen Mantel mit goldenen Ärmeln durch künstlichen Nebel die O2 World betrat, begrüßte ihn ein Jubel-Orkan. Der Auftritt des Diskus-Weltmeisters und Olympiasiegers aus Berlin war der Stimmungs-Höhepunkt des ersten Istaf Indoor, das neue Wege ging: Leichtathletik unterm Hallendach, erstmals fliegende Disken in der Arena am Ostbahnhof. Sportliche Höchstleistungen wurden untermalt durch wummernde Beats, mit Lichteffekten und Pyrotechnik wurden die Sportler in Szene gesetzt.

Harting, der Local Hero, tat sich jedoch ebenso schwer in der ungewohnten Umgebung wie anfangs auch sein polnischer Dauer-Rivale Piotr Malachowski. Nach drei Versuchen lag der Berliner lediglich auf Rang drei. „Ich muss noch mehr Gas geben“, meinte er zur „Halbzeit“. Aber der Magdeburger Martin Wierig (64,82 Meter) war am Ende nicht zu schlagen. Er gewann vor Malachowski (63,73), Harting blieb in seinem „Kaminzimmer“ nur Platz vier (62,05).

Inszenierte Rivalität

Während der notwendigen Umbaupause vor dem Diskuswerfen hatten die Zuschauer in der Halle über den Videowürfel Harting und Malachowski bei ihrer „Vorbereitung“ in ihrer Kabine beobachten können. Dabei warf der Pole mit Dart-Pfeilen auf eine Harting-Figur aus Pappe, Harting seinerseits nahm die Malachowski-Attrappe und tauchte sie kopfüber in einen Farbeimer. Inszenierte Rivalität, die zwei starken Männer können gut miteinander. Die Kontrahenten, wie auch das unruhig werdende Publikum, hatten sehr lange warten müssen, aber da sich der Stabhochsprung hingezogen hatte, konnte erst mit großer Verzögerung umgebaut werden. Aber Sicherheitsnetze mussten sein.

Eigentlich hatte der Wettkampf in Berlin den Diskuswerfern nicht ins Programm gepasst. Sie sind zurzeit mitten im Kraftaufbau. „Bei diesem Ding musste ich aber unbedingt dabei sein“, meinte Harting, das Zugpferd der Veranstaltung. Er kam direkt aus der Sportschule in Kienbaum, Malachowski flog extra aus Portugal ein, wo er sich auf die Freiluftsaison vorbereitet.

Während es für die Diskuswerfer ja keine Hallensaison gibt, war Berlin für die anderen Topathleten willkommene Generalprobe für die Weltmeisterschaften vom 7. bis 9. März in Sopot/Polen. Ihre Superform unterstrich Verena Sailer als Siegerin über 60 Meter in 7,12 Sekunden. Die 28-Jährige jubelte über die Einstellung ihrer persönlichen Bestzeit. „Ich bin total glücklich. Das ist so geil hier.“ In diesem Winter war nur eine Handvoll Läuferinnen schneller als sie. „Ob ich in der Form meines Lebens bin? Ich weiß es nicht. Aber ich bin sehr gut drauf, ich hoffe, bei der WM geht was.“

Ebenfalls persönliche Bestzeit lief der Berliner Lucas Jakubczyk (6,56 Sekunden) als Zweiter beim Sieg über 60 Meter von Kim Collins (6,52), dem 100-Meter-Weltmeister 2003 von der Inselgruppe St. Kitts and Nevis. Jakubczyk vom SCC steigerte sich innerhalb einer Woche erst von 6,70 auf 6,61, jetzt auf 6,56. „Wahnsinn“, war sein kurzer Kommentar. Der 28-Jährige ist der einzige Berliner Starter in Sopot.

Bereits im ersten Vorlauf über 60 Meter Hürden hatte Sally Pearson, die australische Olympiasiegerin von London 2012, mit 7,79 Sekunden eine Jahresweltbestzeit aufgestellt. Das Finale gewann sie dann in 7,80 Sekunden vor Nadine Hildebrand (7,98). Bei den Männern war über die Hürden der Kubaner Dayron Robles (7,53 Sek.) am schnellsten.

Tolle Flugshow von Mohr

Vor dem Stabhochsprung war bedauert worden, dass mit dem französischen Weltrekordler Renaud Lavillenie, dem Weltmeister Raphael Holzdeppe und dem Silbermedaillengewinner von London, Björn Otto, drei Stars wegen Verletzungen fehlten. Doch Malte Mohr entschädigte die 10.847 Zuschauer auf der ganzen Linie. Im dritten Versuch übersprang er 5,90 Meter, persönliche Bestleistung um sechs Zentimeter verbessert. Am deutschen Rekord von 6,01 Meter scheiterte er. Mit einer solchen Leistung hat er sehr gute Chancen auf eine Medaille, wenn nicht sogar auf den WM-Sieg. „Ich hoffe, es geht dann wieder so hoch.“ Immerhin ist er in diesem Winter die weltweit zweitbeste Höhe gesprungen; nur Lavillenie war bei seinem Weltrekord (6,16 Meter) besser.

Das Kugelstoßen der Männer litt etwas darunter, dass David Storl, Weltmeister 2011 und 2013, keine wirkliche Konkurrenz hatte. Der starke Mann aus Chemnitz wollte sich eigentlich eine neue Jahresbestweite „rausquälen“. Aber er schaffte es nicht, die Kugel weiter als 21,33 Meter zu stoßen. Storl hatte nur einen gültigen Versuch – 21,20 Meter. Zufrieden war er dennoch.