Berlin Ironman

Formel-1-Star Jenson Button startet beim Berliner Triathlon

Jenson Button startet mit einem 13.000 Euro teurem Rad beim Berliner Triathlon, um den Frust aus der Formel 1 abzubauen. Mit den besten Startern wird er nicht mithalten können.

Die Uhr zeigt 14.49 Uhr, als am Spreeufer 13.000 Euro an eine Metallstange gehängt werden. In kurzer Hose, Kapuzenpullover und zum Helm passender neongrüner Sonnenbrille auf der Nase schiebt Jenson Button sein Karbonrad durch die Wechselzone unter der Elsenbrücke. Inmitten der Hobby-Triathleten, die den Luftdruck ihrer Räder prüfen und aufgeregt die Sättel justieren, wirkt der Formel-1-Weltmeister von 2009 wie ein Vollprofi, als er sein Rad für den Berliner Triathlon „Ironman 70.3“ eincheckt. Zielstrebig schlendert er zu Platz 481, hängt seinen feudalen Untersatz in die Halterung und sagt: „Ich bin nur ein Amateur. Vor dem, was die Profis hier leisten, kann ich nur den Hut ziehen. Das sind phänomenale Athleten.“

Alles andere als ein Neuling

So viel Understatement beherrscht wohl nur, wer seit 13 Jahren in der Formel 1 fährt. Tatsächlich ist der Brite, mit 235 Grand-Prix-Starts der erfahrenste aller aktiven Piloten in der Königsklasse, alles andere als ein blutiger Triathlon-Anfänger. Seit fünf Jahren nimmt er, wann immer es sein Terminkalender zulässt, an Triathlon-Veranstaltungen teil, der Berliner „Ironman 70.3“ ist schon sein dritter Wettkampf in diesem Jahr. „Ich habe angefangen, als ich eine schwere Zeit in der Formel 1 hatte“, sagt der McLaren-Pilot mit Blick auf seine schwächste Saison im Motorsport; nur bei einem Rennen landete er seinerzeit in den Punkterängen: „Triathlon war das beste Ventil für mich. Gleichzeitig hat es natürlich einen enormen Trainingseffekt.“ Ein Jahr später gewann er vier der ersten sechs Rennen und wurde später Weltmeister.

Auch in dieser Saison ist jede Möglichkeit zum Frustabbau willkommen. Das Auto ist langsam und unzuverlässig, mit nur 25 Punkten (beste Platzierung: Rang fünf in China) fährt Button als WM-Zehnter den Erwartungen hinterher. Zudem hat er mit Sergio Perez einen weitgehend unerfahrenen, dafür aber umso selbstbewussteren Teamkollegen an seiner Seite. Nicht nur einmal kamen sich die beiden in dieser Saison in die Quere; zähneknirschend gab Button klein bei und schützte den mexikanischen Stallgefährten. „Wenigstens“, berichtet er lachend, „ist die Reifenfrage beim Triathlon nicht so kompliziert wie in der Formel 1.“ Die Grund für die gute Laune liegt auf der Hand: Perez hat nicht für den Berliner Triathlon gemeldet.

Enttäuschung in Montreal

Beim Rennen in Kanada ist Button am vergangenen Wochenende Zwölfter geworden, der nächste Rückschlag. „Das Rennen war nicht so toll“, erzählt er mit ernster Miene: „Aber dafür waren die Trainingsbedingungen umso besser.“ Das sagt eigentlich schon alles. Die körperliche Anstrengung, meint er, sei beim Triathlon wesentlich höher als in einem Formel-1-Boliden, wo bei Tempo 300 immerhin fünffache G-Kräfte an seinem Körper zerren. Mental seien jedoch Autorennen anspruchsvoller, da er in jeder Sekunde hellwach sein müsse. Beim Schwimmen oder Laufen könne man die Gedanken hingegen hin und wieder schweifen lassen: „Ich liebe die Kombination von beidem.“

Für den Auftritt in Berlin fühlt er sich gut vorbereitet wie selten. „Natürlich“ antwortet er mit fester Stimme auf die Frage, ob er seine im April in den USA aufgestellte Bestzeit über die halbe Ironman-Strecke (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21 Kilometer Laufen) von 4:29 Stunden unterbieten wolle. Zum Vergleich: Die Top-Favoriten wie der Berliner Michael Raelert brauchen eine knappe Stunde weniger für die gleiche Distanz. „Seit Donnerstag habe ich haufenweise Pasta in mich hinein gestopft. Das muss einfach helfen“, hofft der 72-Kilo-Mann, der ansonsten streng auf seine Figur achten muss. Die Gewichtsbeschränkungen in der Formel 1 sind hart, jedes Gramm Körpergewicht muss beim Material eingespart werden.

Radtouren mit Nico Rosberg

Bei der Jagd nach der eigenen Bestzeit setzt er vor allem auf das Radfahren. Erstens habe er in seiner Wahlheimat Monaco perfekte Trainingsmöglichkeiten. Im Fürstentum an der Cote d’Azur strampelt Button oft gemeinsam mit seinem Formel-1-Kollegen Nico Rosberg, der ebenfalls in Monaco wohnt, die Serpentinen hinauf. Zweitens glaubt er aufgrund des Kurslayouts durch Neukölln bis zum Tempelhofer Feld im Vorteil zu sein: „Die Strecke ist flach und hat sehr viele Kurven. Das kenne ich von der Formel 1.“ Angetrieben wird er bei seiner Rekordjagd von zahlreichen Trainingspartnern aus dem Team von Trainer Thomas Vonach; Button schrieb sich am Sonnabend gemeinsam mit einem halben Dutzend weiterer Starter ein. Nicht alle starten jedoch in seiner Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen.

Bis auf Platz drei seiner Altersklasse ist der 33-Jährige bei seinem Saisonauftakt auf den Philippinen vorgelaufen. Bei 38 Grad, die Luftfeuchtigkeit war mörderisch. Im Vergleich dazu sind die Bedingungen in Berlin mit vorhergesagten 22 Grad geradezu milde. „Ich liebe die Wärme“, sagte Button: „Vielleicht kann ich mein Resultat von den Philippinen ja sogar noch verbessern.“ Sein Triathlon-Fokus liegt jedoch auf einem anderen Rennen. Der Ausflug nach Berlin ist für Button eine Art Generalprobe für sein Heim-Event am 14. Juli im südenglischen Somerset.

Bis dahin stehen allerdings noch die Großen Preise von England und Deutschland in der Formel 1 auf dem Programm. So liebevoll er sein Rad mit den 20 Millimeter breiten Reifen am Sonnabend auch aufgehängt haben mag; ab Montag gilt seine volle Konzentration wieder den Fahrzeugen mit den 300 Millimeter breiten Schlappen.