„Am Sonnabend werde ich sicher fünfmal meine Ausrüstung überprüfen und mit Freunden telefonieren“, sagt Julia Tonndorf. Schwimmbrille, Rennrad, Laufschuhe zählt sie auf. „Am Abend vor dem Wettkampf muss ich mich gedanklich ablenken.“ Nur nicht zu viele Gedanken an den Wettkampf verschwenden, lautet ihr Motto. Versuchen, ausreichend Schlaf zu bekommen. Ausgeruht an den Start gehen und dann kämpfen und Spaß haben.

Mit der Premiere des „Ironman 70.3 Berlin“ am Sonntag, betritt auch die 39-jährige Berlinerin sportliches Neuland. Zumindest, was die Distanzen angeht. Im vergangenen Jahr ist sie bereits beim „5150 Triathlon“ gestartet. Es war der erste City-Triathlon in Berlin.

Die Ausdauersportler sprechen bei dieser olympischen Disziplin auch von einer Kurzdistanz. „1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad fahren und zehn Kilometer Laufen“, sagt die Athletin. „Addiert man die Kilometer der drei Disziplinen, kommt man auf 51,5 Kilometer Gesamtlänge.“ Daher der Name 5150. Julia Tonndorf hatte sich eine Zeit von drei Stunden vorgenommen, ins Ziel auf dem Tempelhofer Feld kam sie nach drei Stunden und zehn Minuten.

70,3-Kilometer-Ironman durch Berlin

Der Zieleinlauf im Juli 2012 war für sie auch der Auftakt für die Vorbereitungen für den diesjährigen Wettkampf über nunmehr 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und die Halbmarathondistanz von 21,1 Kilometer. Aus der Gesamtdistanz von 113 Kilometern – das sind 70,3 Meilen – leitet sich der Name dieser Wettkampfserie ab. Mit der erfolgreichen Teilnahme im Vorjahr hatte Julia Tonndorf ihren Startplatz für dieses Jahr sicher in der Tasche, vor der deutlich längeren Distanz auch keine Angst. Die kamen erst im Winter.

Für mich war es ein schlechter Winter“, resümiert Tonndorf. „Ich war viel krank und konnte etliche Trainingseinheiten nicht absolvieren.“ Das Training für die Grundlagenausdauer habe erst im Frühling begonnen, sagt sie. Anfang März war sie in einem Trainingslager auf Mallorca. Ihr persönlicher Trainer Holger Leidig hatte ihr die Möglichkeit geboten, auf der Baleareninsel zu trainieren. „Es war eine große Ehre für mich, dass ich dabei sein durfte“, sagt sie, „ich bin ja erst 2011 zum Triathlon gekommen.“

Nach 13 Jahren als Fußballspielerin macht Julia Tonndorf nun Marathon

Die 39-Jährige koreanischer Herkunft kann sich nicht erinnern, in welchem Lebensabschnitt sie nicht sportlich aktiv war. „Ich habe immer viel Sport getrieben, unter anderem habe ich 13 Jahre lang Fußball gespielt“, sagt sie. „Ich war aber auch 19 Jahre lang Raucherin“, räumt sei ein. Damit habe sie aber schon vor Jahren aufgehört. Nach dem Abitur hat sie Philosophie und Anglistik studiert.

Heute arbeitet die 1,63 Meter große, durchtrainierte Frau in einer stadtbekannten Buchhandlung in Mitte als Buchhändlerin. Das Schleppen schwerer Bücherstapel würde zwar Kraft in den Oberarmen bringen, aber bei weitem nicht ausreichen, sich auszupowern. Ähnlich sei es während des Studiums gewesen. An der Uni hat sie Argentinischen Tango gelernt, ist dann aber zum Stepptanz gekommen. „Ich war semiprofessionelle Stepptänzerin“, sagt sie. Trainiert und geübt habe sie bis zu 20 Stunden pro Woche. „Ich habe das mit sehr viel Freude betrieben, aber nach ein paar Jahren musste ich aus gesundheitlichen Gründen damit aufhören“, sagt sie. Dann habe sie die Sportart gewechselt.

Das war 2011. Sie begann mit dem Laufen. „Nach drei Monaten sagte mir ein Freund, dass ich doch auch viel mit dem Rad fahren und schwimmen würde“, sagt sie. „Warum trainierst Du dann nicht für den Triathlon, fragte er mich.“ Julia Tonndorf stellte sich erneut die Frage nach Spaß und Langeweile und fasste den Entschluss, für den Triathlon zu trainieren. Insider dieses Dreikampfes wissen, dass die meisten Sportler vom Laufen, die besten Triathleten aber aus dem Schwimmsport kommen. Schwimmen sei die technisch anspruchsvollste und schwierigste Disziplin. „Ich habe mir für drei Monate einen Personal-Trainer genommen“, sagt sie. „Ich schwimme viel in einem Fitnessstudio, fahre aber auch raus zum Schlachtensee zum Freiwasserschwimmen.“

Ihren Tag beginnt sie meistens mit dem Schwimmen. Dann fährt sie mit dem Rad zur Arbeit. Nach einem Acht-Stunden-Tag setzt sie sich dann wechselweise auf das Rennrad oder zieht die Laufschuhe an. „Wenn ich vernünftig wäre, müsste ich viel häufiger auf dem Rad trainieren.“ In dieser Disziplin sieht sie ihre Schwäche. Derzeit trainiert sie 40 Prozent Schwimmen, 40 Prozent Laufen und 20 Prozent Radfahren. „Ich trainiere eher, was mir Spaß macht.“ Zwischen zehn und 16 Stunden trainiert sie in der Woche – und das in einem Vier-Wochen-Takt. In der ersten Woche des Zyklus zwölf Stunden, dann 14 Stunden, 16 Stunden und zum Abschluss wieder zehn Stunden.

„Ich muss mit meiner Zeit jonglieren. Training, Arbeit, Training“. Arbeitsfreie Tage widmet sie ganz dem Sport. Dann sei sie sechs Stunden unterwegs. „Es ist aber nicht so, dass jedes Training zu einer Rekordjagd wird“, sagt sie ab. Zum Programm gehören aber auch Krafttraining, Stretching und Athletiktraining. Dabei mache man Übungen mit dem eigenen Körpergewicht.

„Ich habe aber auch keine Schwierigkeiten damit, mal ein komplettes Wochenende mit Kartoffelchips auf der Couch vor dem Fernseher zu verbringen.“ Sie könne auch einen faulen Leseurlaub mit einem Koffer voller Bücher an einem Strand verbringen, sagt die Buchhändlerin. „Mein Freund ist auch Triathlet, wir haben fast zeitgleich mit diesem Sport begonnen.“ Beim Training sei sie aber sehr gern alleine. Da ist Julia Tonndorf viel auf dem Tempelhofer Feld unterwegs. „Ich liebe diese freie Fläche und den freien Blick.“ Ob der Ironman 70.3 Berlin nur eine weitere Station hin zum legendären Ironman sei, will sie nicht sagen. „So lange ich Spaß habe und mir nicht langweilig wird, ist das denkbar"