Vielleicht war es das Erfolgserlebnis, das die Berliner Eisbären in den kommenden Wochen beflügeln wird. Erstmals seit der Länderspielpause vor knapp drei Wochen gewannen sie zwei Spiele in Folge. Und das nicht gegen irgendwen. Sie schlugen in einer Neuauflage des letztjährigen Finales Tabellenführer Adler Mannheim mit 5:2 (0:0, 3:1, 2:1).

Schon die Vorzeichen vor dem Spitzenspiel ließen auf einen erfolgreichen Abend in der mit 13.600 Zuschauern ausverkauften O2 World hoffen: Mannheim hatte nur eines der letzten acht Spiele in Berlin gewinnen können, das dritte Spiel des Finales der vergangenen Saison.

Die letzte Niederlage war für die Adler besonders schmerzlich, da sie zu Nebendarstellern der sechsten Meisterfeier der Eisbären wurden. Zwei Tage zuvor war in Mannheim der Schampus im Kühlschrank geblieben, weil die Adler in 14 Minuten eine 5:2-Führung verspielten.

Viel Disziplin – viel Klasse

Zudem starten die Eisbären mit 80 Toren als offensivstärkstes Team der Liga in die Partie, hatten die Berliner mit T.J. Mulock (3.), Andre Rankel (6.) und Daniel Briere (9.) gleich drei Spieler in den Top 10 der Scorerwertung der DEL.

Den Mannheimern schien all das nur allzu bekannt zu sein, denn sie legten anfangs großen Wert darauf, ihr Spiel nach hinten abzusichern. Da die Gastgeber das Spitzenspiel auch nicht gleich mit der Brechstange gewinnen wollten, entwickelte sich ein hochklassiges Spiel. Beide Teams spielten diszipliniert und schnell. Die ersten Chancen erarbeiteten sich die Hausherren durch Darin Olver (4.) und Briere (5.), die aber am Mannheimer Torwart Dennis Endras scheiterten.

Durch zwei Strafzeiten von Julian Talbot büßten die Eisbären erst mal ihren Rhythmus ein, gewannen aber an Selbstvertrauen, denn sie überstanden die numerische Unterzahl auch dank Torwart Rob Zepp schadlos. T.J. Mulock (9.), Laurin Braun (12.) und Rankel prüften den Torhüter der Adler erneut, aber der ließ genau so wenig zu wie Zepp.

Ein schönes Spiel also, allerdings mit dem Makel, dass noch nichts Zählbares auf dem Anzeigewürfel über dem Mittelkreis stand. Zuerst versuchte Olver, das zu ändern (24.), NHL-Superstar Briere schloss ein sehenswertes Solo fast ab (25.), dann endlich war es so weit. Nach einem Gewühl vor dem Mannheimer Tor bemühten die Schiedsrichter den Videobeweis und zeigten nach bangem Warten endlich auf den Punkt: Olver hatte zum 1:0 getroffen (26.). Zwei Minuten später bedurfte es keiner zweiten Meinung: T.J. Mulock passte in Überzahl hart vor das Mannheimer Tor, genau auf den Schläger von Matthey Foy – 2:0 (28.).

Angesichts des Doppelpacks brachten die Gäste teils unschöne Härte ins Spiel. So checkte beispielsweise Mannheims Marcus Kink Eisbären-Youngster Thomas Supis so übel von hinten, dass der mit einer Rückenprellung und einer Stauchung der Halswirbelsäule vom Eis geführt werden musste. Weit weniger schlimm: Die Adler verkürzten durch Matthias Plachta sogar auf 1:2 (30.). Aber wer unsauber spielt, landet auf der Strafbank, wo man keine Spiele gewinnt. Briere traf zum 3:1, als sich gleich zwei Adler dort aufhielten (32.). Mit der 3:1-Führung ging es in die zweite Pause. Verdientermaßen, wie auch Tyson Mulock fand: „Wir haben uns zahlreiche gute Chancen erspielt, aber immer noch ein Drittel vor uns.“

Foy erhöht im Rutschen

Sicher hatten sich die Mannheimer in der Drittelpause gesagt, dass ein Zwei-Tore-Rückstand im Eishockey gar nichts sei, was ja oft auch stimmt. Ihre Hoffnungen bekamen gleich einen Dämpfer. Von links stürmte Foy auf ihr Tor zu. Ein Adler-Verteidiger zog ihm die Beine weg, halb flog Foy noch, halb rutschte er schon, aber den Puck hatte der Kanadier unter Kontrolle, schob ihn zum 4:1 ins Netz (42.). Sein zweites Tor des Abends. Die Eisbären waren auch danach überlegen. Die Hausherren spielten noch immer mit der Disziplin, mit der sie das Spiel begonnen hatten. Die Gäste nicht. Das 5:1 durch Jamie Arniel (55.) und das 5:2 von Christoph Ullmann (59.) änderten nichts mehr.

Eine Verlängerung gab es angesichts des klaren Sieges natürlich nicht – die gibt es erst nächsten Dienstag. Da empfangen die Bären die Adler schon wieder.