Am Tag vor dem Showdown im Berliner Olympiastadion bewies der Bundestrainer Größe. Joachim Löw entschuldigte sich am Montag in Berlin öffentlich bei Fußball-Nationalspieler Marcel Schmelzer.

Vor dem heutigen WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden äußerte der 52-Jährige sein Bedauern über die Wortwahl und Art seiner Kritik an dem Dortmunder Verteidiger vor dem 6:1-Sieg in Dublin gegen Irland. "Ich habe mich sehr unglücklich ausgedrückt", gestand Löw, der sich das Video seiner Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag in Dublin extra noch einmal angeschaut hatte. "Das hat in der Wortwahl nicht gepasst", sagte Löw.

Der Bundestrainer hatte in Dublin zunächst die Probleme vor allem auf der linken Seite ausgemacht ("Ich kann mir keine schnitzen") und Schmelzer damit höchste internationale Qualität abgesprochen. Löw hatte dies aber wenige Stunden später eilig relativiert und mit Schmelzer geredet. Seitens Borussia Dortmund hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Verhalten von Löw gerügt. "Wer mich kennt, weiß, dass ich Spieler nicht in der Öffentlichkeit so kritisiere", sagte Löw. Er vertraue dem 23 Jahre jungen Schmelzer, der gegen Schweden sein zehntes Länderspiel auf der deutschen Problemposition absolvieren soll.

Die Kritik an Schmelzer, die darauf folgende Rüge aus Dortmund und nun die Entschuldigung für das Gesagte zeigt auch die enorme Schwierigkeit auf, die Löws Personalpolitik in sich birgt. Gerade wenn es um Spieler vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München und dem aktuellen Titelträger Borussia Dortmund geht. Mit der Entschuldigung für die Schmelzer-Kritik verhinderte Löw jedenfalls jetzt noch tiefere Gräben.

Kroos ist unzufrieden

Vor dem Abschlusstraining am Montagabend in Berlin war in der DFB-Elf unterdessen nur eine weitere Personalie noch nicht ganz geklärt. Der Einsatz von Sami Khedira, er fehlte beim Abschlusstraining, ist fraglich, weil der Mittelfeldspieler von Real Madrid an einer Muskelverhärtung im linken Oberschenkel laboriert. "Das ist unser einziges Problem", sagte Joachim Löw, der mit Toni Kroos als Ersatz plant. Der Münchner hatte in Dublin - wie bei der Europameisterschaft - verstimmt darauf reagiert, dass er nicht in der Startelf stand und erst spielen durfte, als Khedira ausschied. "Natürlich ist man enttäuscht, wenn man so einen Saisonstart hinlegt und dann in der Nationalmannschaft nicht von Beginn an spielt", so der 22-Jährige.

Aber Bundestrainer Löw reagierte darauf gelassen und nahm die Kroos-Meckerei als Anlass, den internen Wettstreit um die elf Plätze zu loben. "Es ist extrem wichtig, dass es einen internen Konkurrenzkampf gibt. Sicher ist es für die Spieler schwierig, die erst einmal auf der Bank sitzen. Aber wichtig ist, dass sie, wenn sie reinkommen, auch wichtige Impulse geben", sagte er. Die Impulsgebung hatte Kroos tatsächlich gegen die Iren in idealer Weise bestätigt, als ihm mit zwei Toren erstmals ein Doppelpack in der Nationalelf glückte.

BMO