Pokal-Sensation

Häme und Spott für Babbel - Party beim Berliner AK

Nach dem 0:4 beim Berliner AK spricht Babbel von „kollektivem Versagen“. Die Spieler des Berliner AK feiern derweil durch die Nacht.

Unweigerlich kam dem Betrachter Franz Beckenbauer in den Sinn. Wie einst der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft 1990 in Rom, schlenderte auch Markus Babbel schon in der Halbzeitpause eines für ihn denkwürdigen Spiels ganz für sich allein und gedankenversunken über den Platz.

Vom Gewinn des Weltmeistertitels war der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim an diesem Sonnabend im altehrwürdigen Poststadion mit seiner Mannschaft allerdings mindestens so weit entfernt, wie der gastgebende Berliner AK als Regionalligist von der Fußball-Bundesliga. Mit dem rechten Fuß flickte Babbel hier und da ein paar Löcher des Rasens, und Spötter merkten beim Anblick der Szenerie an, es sei dies im Vergleich zu den Lücken in der Defensive seiner Mannschaft auch die ungleich einfacher zu lösende Aufgabe.

Mit solcher und ähnlicher Häme werden Babbel und Hoffenheim für einige Tage leben müssen – „und zwar vollkommen zurecht“, sagte der Trainer nach dem 0:4 (0:3) seiner mit Ambitionen in Richtung Europa versehenen Mannschaft im Erstrundenspiel des DFB-Pokals am Sonnabend beim viertklassigen Berliner Klub.

Es war der höchste Sieg eines Viertligisten gegen einen Bundesligisten der Pokal-Geschichte und gewiss eine der größten Sensationen in jüngerer Vergangenheit. Auf absurde Weise ließen gestandene Profis sich von Amateuren in alle Einzelteile zerlegen; bei drei der vier Tore konnten die Schützen sich vor dem bedauernswerten Nationaltorhüter Tim Wiese nach Lust und Laune die Ecke aussuchen.

Babbel spricht von kollektivem Versagen

Entsprechend umfassend war die Mängelliste, die Babbel hernach formulierte. „Kollektives Versagen“, attestierte er seiner Mannschaft: „Kein Spieler hat die Leistung abgerufen, zu der er fähig ist. Wir haben zu viele Fehler gemacht, haben müde gewirkt und schwerfällig.“ Er hätte noch fehlenden Biss und mangelhaftes Engagement seiner Spieler anprangern können. Stattdessen ließen die schon nach dem 0:2 (31.) Köpfe und Schultern hängen und ergingen sich in gegenseitigen Schuldvorwürfen.

Diesen für das Teamgefüge gewiss nicht zuträglichen Umstand habe er denn auch als „am schockierendsten“ am gesamten Hoffenheimer Auftritt empfunden, sagte Babbel. Sein Missfallen bezüglich der Körpersprache teilte er den Profis auch mit, als er in der Pause nur kurz in der Kabine weilte. Ohne Wirkung. Stattdessen vergingen vier Minuten, ehe Torwart Wiese dem Doppeltorschützen Metin Cakmak (3., 49.) das Geschenk eines verunglückten Abstoßes machte. „Danach“, nach diesem 0:4, „war klar, dass für uns nichts mehr zu holen sein wird“, sagte Babbel.

BAK-Trainer Härtel spricht von einer Sensation

Etwa zu dieser Zeit, da doch noch fast eine komplette Halbzeit zu spielen war, kam auch den Berlinern in den Sinn, dass es etwas werden könnte mit der „Sensation“ (Trainer Jürgen Härtel) gegen den Bundesligisten. Entsprechend hatte sich das gute Gefühl beim Schlusspfiff schon so weit verfestigt, dass da so gar keine Ausgelassenheit war bei ihnen.

Fast schon geschäftsmäßig sprach Spielmacher Philip Malinowski von einem „Erfolg“, und dass sie „alles gegeben“ hätten, während der Gegner eben „nicht abrufen konnte, was er eigentlich kann“. Sie hingegen, fügte Innenverteidiger Denis Osadschenko noch an, hätten in der Woche vor dem Spiel ja auch fleißig „Konter trainiert und das schnelle Umschalten nach Ballgewinn“.

Offensichtlich mit Erfolg, die Treffer zwei und drei fielen beide auf genau diese Weise. Während die Berliner sich zu einem feucht-fröhlichen Mannschaftsabend in einen angesagten Club der Hauptstadt verabschiedeten, kündigte Babbel den Seinen eine eher ungemütliche Woche vor dem Bundesliga-Saisonstart am Sonnabend an. „Wir werden nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen“, sagte der Trainer, und dass er in Mönchengladbach „nicht noch so einen blutleeren Auftritt“ seiner Mannschaft zu akzeptieren gedenke.