4:0-Sieg

Berliner Viertligist macht Hoffenheim zur Lachnummer

Nach dem 4:0 gegen den Bundesligisten freut sich der Berliner AK über den Geldsegen. Der Hoffenheim-Trainer zeigt sich geläutert.

Seine Erinnerungen an Berlin waren ohnehin nicht gut. Dafür war das Schmierentheater in der Hauptstadt rund um seine Entlassung bei Hertha BSC im Dezember 2011 viel zu frustrierend. Seit gestern muss Markus Babbel (39) aufpassen, dass die Hauptstadt nicht zu einem Trauma für ihn wird. Was er in Berlin auch anpackt – es endet nicht gut für ihn. Zumindest auf dem Fußballplatz. Da blamierte sich der Trainer von der TSG Hoffenheim 1899 mit seiner Mannschaft in der ersten Runde des DFB-Pokals und verlor sensationell beim Regionalligisten Berliner AK 07 mit 0:4 (0:3). „Dass man ausscheiden kann, hat man schon öfter gesehen im Pokal. Aber die Art und Weise, wie meine Mannschaft gespielt hat, war erschreckend. Wir hätten ja sogar das eine oder andere Tor mehr kassieren können“, sagte Trainer Babbel. „Ich bin fassungslos und sprachlos. Denn die Berliner sind ja nicht mal über sich hinausgewachsen, sondern haben uns mit einfachen Mitteln ausgehebelt.“

Ausgerechnet Hoffenheim macht sich zur Lachnummer in Fußball-Deutschland. Nach einer dürftigen Bundesligasaison hatte Babbel im Sommer das „Okay“ von den Verantwortlichen bekommen, den Kader opulent zu verstärken. Der Coach holte Eren Derdiyok für fünf Millionen Euro von Bayer Leverkusen, und für Joselu von Real Madrid waren sechs Millionen Euro fällig. Oben drauf kamen Nationaltorhüter Tim Wiese von Werder Bremen und Matthieu Delpierre vom VfB Stuttgart, beide ablösefrei. Wiese schwärmt seither: „Ich hoffe, dass ich mit Hoffenheim Deutscher Meister werde und in der Champions League spiele.“ Sollte Hoffenheim in der neuen Saison so desaströs spielen wie vor 1468 Zuschauern im Poststadion in Moabit, muss Wiese aufpassen, dass er sich nicht bald in der Zweiten Liga wiederfindet.

Nach drei Minuten 1:0

Von Beginn an wirkte die hochkarätig besetzte Mannschaft, die als Saisonziel das Erreichen des internationalen Geschäfts ausgegeben hat, nicht homogen. Babbel hatte im Poststadion, das nur unweit vom Regierungsviertel liegt, an der Seitenlinie auf der Bank in kurzen Hosen Platz genommen und musste mit ansehen, wie überlegen der Viertligist war. Eine Mannschaft, deren Spieler zweimal, maximal dreimal in der Woche abends trainieren und ansonsten ihren Berufen nachgehen oder studieren. Der Regionalligist führte die hoch bezahlten Profis aus Hoffenheim vor.

Bereits in der dritten Minute musste Wiese erstmals hinter sich greifen. Nach Vorarbeit von Denis Osadchenko traf Metin Cakmak mit einem Heber über den Ex-Nationaltorwart hinweg zum 1:0 für den Außenseiter. In Minute 31 hatte der BAK Glück, Schiedsrichter Sascha Stegemann übersah eine Abseitsstellung von Justin Gerlach, dem Verteidiger war's egal, er traf nach einem Konter – 2:0.

Wiese wirkte im Tor seines neuen Arbeitgebers genervt. Der neue TSG-Kapitän brüllte seine Vorderleute an und versuchte sie auf den Weg zu bringen. Bereits im vergangenen Jahr war der Torhüter mit Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals am Drittligaklub 1. FC Heidenheim gescheitert. Nun erlebte Wiese das nächste Debakel. Noch vor der Pause musste der 30-Jährige erneut den Ball aus dem Tor holen. Kevin Kruschke erzielte nach Vorarbeit von Philip Malinkowski erneut per Konter das 3:0 (40.).

Draußen auf der Bank saß ein konsternierter Babbel. Er war so bedient, ja fast geschockt, dass es ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlug. Als der Pausenpfiff ertönte, strafte Babbel seine Spieler mit Missachtung. Der Trainer sprach nur kurz zum Team und verbrachte den Großteil der Zeit auf dem Spielfeld.

Leidenschaftsloser Bundesligist

Wer dachte, dass die Hoffenheimer in der zweiten Halbzeit versuchen würden, noch den Anschluss zu schaffen, sah sich getäuscht. Der Bundesligist präsentierte sich weiter so leidenschaftslos wie in den ersten 45 Minuten und kassierte nur vier Minuten nach dem Seitenwechsel durch Cakmak das entscheidende 0:4. Danach rollten die rund 200 mitgereisten Hoffenheimer Anhänger unter den 1468 Zuschauern ihre Fahnen ein und klatschten höhnisch Beifall. Auch von den Fans des BAK gab es nur noch Spott. Nach einem gehaltenen Ball ihres Torhüters Domenik Kisiel sangen sie: „Siehste Wiese, so wird das gemacht.“

So blieb es beim 4:0 für den Berliner Athletik Klub, der sich nun über einen weiteren Geldsegen freuen kann. Für die erste Runde gab es vom DFB bereits 110.000 Euro, nun folgen noch einmal in Runde zwei rund 250.000 Euro, von denen auch die Spieler etwas abbekommen. Für einen Triumph über Hoffenheim hatte der Mannschaftsrat im Vorfeld dem Vernehmen nach eine Prämie von 25.000 Euro ausgehandelt.

Babbel schüttelte BAK-Trainer Jens Härtel die Hand und redete Klartext: „Der BAK hat einfache Mittel gefunden, um uns permanent auszuhebeln. Zur Pause war ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir das noch schaffen, wenn wir endlich aus dem Quark kommen. Aber so wirst du am bestraft für dein Nicht-Engagement. Wir hätten hier noch drei Stunden spielen können – und hätten kein Tor geschossen. Es verbietet sich, jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen.“