Beachvolleyball

1880 Tonnen Sand für Grand Slam in Berliner Waldbühne

Zum ersten Mal findet ein Weltserienturnier in der Waldbühne statt. Die Veranstalter hoffen auf schönes Wetter und einen Zuschauerrekord.

Foto: DAPD

Die besondere Akustik der Arena trug Jonas Reckermanns Ausruf für alle Anwesenden gut hörbar durch das weite Rund. Der Zwei-Meter-Mann war zweifellos beeindruckt, als er am Dienstagvormittag erstmals die zu diesem Zeitpunkt noch fast menschenleere Berliner Waldbühne betrat. „So eine großartige Anlage habe ich noch nie gesehen, das ist größer als jedes Stadion bei Olympia“, staunte er. Und das will etwas heißen, hat der Welt- und Europameister doch schon so ziemlich jede Beachvolleyball-Arena der Welt bespielt – von Brasilien, über Kalifornien oder auch Neuseeland.

Bis Freitag ohne Eintritt

Bis zum Sonntag misst sich nun die Weltelite des sandigen Sports beim Grand Slam genannten Weltserien-Turnier auf dem Centre Court in Berlins großer Freilichtbühne sowie auf vier Nebenplätzen direkt am Glockenturm. Gespielt wird täglich von 9 Uhr bis ca. 18.30 Uhr, erst ab Freitagnachmittag (fünf Euro) und Sonnabend (16 Euro) wird dabei Eintritt fällig. Zum Turnierhöhepunkt am Sonnabendabend (ab 20 Uhr), wenn dem Männer-Finale auch noch ein Livekonzert der Popband Culcha Candela („Berlin City Girl“) folgt, erhofft sich der Veranstalter dann sogar mehr als 18.000 Zuschauer – dies brächte einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde als Zuschauer-Weltrekord für Beachvolleyball.

Keine Laufkundschaft

„Als wir von der Turnierleitung vom Hotel abgeholt wurden, hat man uns gleich gesagt, dass man uns dringend am Sonnabend in diesem Finale braucht“, erzählt Reckermann. Denn anders als bei früheren, erfolgreichen Berliner Weltserien-Turnieren am Schlossplatz und vor dem Hauptbahnhof – zuletzt im Jahr 2008 – ist in Westend keine zufällig neugierige Laufkundschaft zu erwarten, also müssen neben Begleitangeboten wie dem Konzert am Sonnabend oder dem Freilichtkino am Freitagabend („Ziemlich beste Freunde“) eben vor allem sportliche Erfolge die Massen anziehen.

Großer Auftritt in Berlin

„Wir werden natürlich alles versuchen, erfolgreich abzuschneiden. Doch garantieren kann man bei diesem Klassefeld natürlich nichts. Schließlich sind alle hier, auf die wir in drei Wochen auch bei Olympia treffen“, sagt Reckermanns Partner Julius Brink. Der wohl weltbeste Abwehrspieler weiß den großen Auftritt in Berlin aber auch unabhängig vom Abschneiden jetzt schon zu schätzen: „Das ist schon fantastisch, welch spezielle Bühne die Veranstalter unserem Sport mit diesem Grand Slam in der Waldbühne bieten.“

Zum einen wäre eine volle Arena eine gute akustische Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt in London, wo die Beachvolleyball-Arena ja auch mitten in der Stadt auf dem Horse Guards Parade aufgestellt wird, damit der Gute-Laune-Sport mit seinem lauten Partycharakter die Stimmung der gesamten Spiele aufpeppt.

„Waldbühne noch cooler“

Zum anderen haben die deutschen Stars nach vier Jahren Pause wieder die Möglichkeit, sich daheim ihren Fans und Sponsoren zu präsentieren. „Neben Förderern sind auch viele Freunde und Verwandte da, das ist eine besondere Freude. Zumal ich die Waldbühne sogar noch cooler als die früheren Berliner Vernstaltungsorte finde“, sagt denn auch die für Hertha BSC startende Laura Ludwig, deren Chance auf den Finalsonntag nach der gestrigen Absage der Doppel-Olympiasiegerinnen Misty May-Treanor und Kerri Walsh (USA) noch einmal gestiegen ist. „Natürlich ist man durch die vielen Bekannten und die vielen Medientermine etwas abgelenkter als bei anderen Turnieren, aber das nehme ich gern inkauf“, meint die hübsche Blondine.

Dopingkontrolle um 5:55 Uhr

Und Kay Matysik sieht das ebenso. Der Berliner, der sich mit seinem Postdamer Partner Jonathan Erdmann gerade erstmals den lang gehegten Traum von der Olympiateilnahme erfüllen konnte, hatte gestern einen besonders langen Tag. Nachdem ihn um 5.55 Uhr die Dopingkontrolleure für einen unangekündigten Test aus dem Bett geklingelt hatten – ausgerechnet am einzigen Tag dieser Woche, an dem er hätte ausschlafen können –, absolvierte er das erste Training in der Waldbühne, um dann nach einer Massage und dem Mittagessen am Nachmittag an einer Veranstaltung eines Sponsors teilzunehmen, bevor dann das zweite Training in der Wettkampfarena anstand.

„Unterstützern etwas zurückgeben“

„So ein Topturnier vor der eigenen Haustür ist eine gute Möglichkeit, unseren Unterstützern mal etwas zurückzugeben“, meint Matysik dazu. Denn eine Saison auf der Weltserie im Beachvolleyball kostet ein Profi-Paar schnell 100.000 Euro, die zur Hälfte auch noch vorfinanziert werden müssen. Eine Summe, die Matysik mit seinen Turnierprämien und der Verbandsförderung allein nie aufbringen könnte, obwohl er sich in der Wintermonaten oft nebenbei sogar als Trainer für blutige Beachvolleyball-Laien verdingt, um sich seine Karriere im Sand zu finanzieren.

Generalprobe für Olympia

Turnierdirektor Siegbert Brutschin freut sich über die Begeisterung darüber, dass er 1880 Tonnen feinsten, mehrfach gesiebten und gewaschenen Sand aus Ruhlsdorf hat ankarren lassen. Rund 1,2 Millionen Euro kostet der Grand Slam, den er erst im Volkspark Friedrichshain hatte organisieren wollen, ehe er nach Absage einer Umweltbehörde dann auf die Waldbühne als Veranstaltungsort kam. „Deutschland hat so ein Turnier verdient, so wie sich der Beachvolleyball hierzuzlande entwickelt hat“, sagt Brutschin, „schließlich sind wir nur eine von drei Nationen, die sich mit der Maximalanzahl von vier Teams (je zwei bei den Männern und Frauen –d.Red.) für Olympia qualifizieren konnte. Deswegen gehen wir hier nach den Jahren ohne Turnier jetzt auch gern ein gewisses Risiko.“

Risiko Regen

So könnte nämlich bei schlechtem Wetter der große Zuschauerandrang ausbleiben, und die Wettervorhersage könnte tasächlich besser sein. „Vielleicht haben wir ja Glück und der prophezeite Regen geht nicht gerade immer über Westend runter“, sagt Brutschin dazu. Und seine Athleten sind ganz bei ihm. „Natürlich wäre es eine Enttäuschung, wenn die Ränge wegen schlechten Wetters plötzlich leer blieben“, sagte Ludwigs Partiner Sara Goller, „aber daran glaube ich nicht.“

Zumindest sportlich würde auch Niederschlag die deutschen Spieler nicht bremsen können. „Bei Regen hatten wir bisher immer weniger Probleme als beispielsweise die Brasilianerinnen“, erzählt Goller. Und Ludwig ergänzt: „Und außerdem sind wir nicht aus Zucker.“