Radsport

Sechstagerennen - nach dem Finale ist vor Olympia

Qual der Wahl: Wer bei den Olympischen Sommerspielen dieses Jahr im deutschen Männer-Radteam mitfährt, steht noch nicht fest. Bei den Frauen ist dagegen klar: Die Berlinerin Charlotte Becker fährt nach London.

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Einige der Protagonisten waren beim Finale des 101. Berliner Sechstagerennens gedanklich schon in London, wo vom 16. bis 19. Februar 2012 der Weltcup-Zirkus der Bahn-Spezialisten gastiert – die einzige Möglichkeit die Bahn kennenzulernen, auf der bei den Olympischen Spielen (27. Juli bis 12. August 2012) um die Medaillen gekämpft wird.

Für Roger Kluge (Cottbus) geht der Wunsch, in der englischen Hauptstadt dabei zu sein sogar sehr weit. „Sollte mein Straßenteam eine Einladung zur Tour de France bekommen, werde ich nicht dabei sein. London hat in diesem Jahr absoluten Vorrang“, legt sich der 25-Jährige, der für die niederländische Mannschaft „1t4i“ fährt, fest. Kluge, 2008 aus Peking mit Überraschungssilber im Omnium (Vielseitigkeitswettbewerb) zurückgekehrt, hat allen Grund zu Optimismus. Beim Weltcup in Astana/Kasachstan und bei den Europameisterschaften in Pruszkow/Polen stand er jeweils in der Mitte des Siegertreppchens. Aus Sicht von Bundestrainer Sven Meyer (Plettenberg) gehört Kluge in London durchaus zum Kreis der Goldfavoriten. Generell ist die Stimmung beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) mit Blick auf den sportlichen Höhepunkt des Jahres eine lockere. „Wir sind mit unserer Mannschaft in 14 von 18 Radsportdisziplinen bereits qualifiziert, über die vier anderen werden wir bei den Weltmeisterschaften im April in Melbourne Klarheit bekommen“, freute sich BDR-Präsident Rudolf Scharping in Berlin.

Sogar die Qual der Wahl bei der Zusammensetzung des Teams hat Bundestrainer Detlef Uibel (Ilmersdorf) bei den Sprintern. Fünf Top-Kandidaten für drei (eventuell vier) Startplätze stehen bereit. Darunter die amtierenden Team-Weltmeister Rene Enders (24, Erfurt), Maximilian Levy (24, Berlin) und Stefan Nimke (33, Schwerin). Auch Robert Förstemann (25, Berlin), der beim Weltcuprennen in der Höhenlage von Cali/Kolumbien mit 79,7 km/h den Geschwindigkeitsweltrekord aufgestellt hat, darf sich gute Chancen ausrechnen. Stefan Bötticher (20, Chemnitz) ist eher Außenseiter. Bei den Sprinterfrauen sind Miriam Welte (25, Kaiserslautern) und Kristina Vogel (21, Erfurt) bereits nominiert, nicht zuletzt wegen ihres dritten Platzes beim Weltcup in Cali.

Berlin-Siegerin ist gesetzt

Mit einer Reise an die Themse darf auch Charlotte Becker rechnen. Die 28-Jährige aus Berlin war die strahlende Siegerin des Debüts der Frauen bei einem Sechstagerennen an der Landsberger Allee. „Das war eine tolle Erfahrung. Die vielen Zuschauer und die gute Bahn. Besser kann es bei Olympia fast gar nicht werden“, freute sich Becker – und packte ihre Koffer. Seit Dienstag sitzt sie bei der Katar-Rundfahrt schon wieder im Sattel.

Die intakten sportlichen Aussichten der deutschen Olympiamannschaft waren für Rudolf Scharping Grund genug, ein kleines Geheimnis zu verraten. „Wir haben eine Zielvereinbarung mit dem DOSB getroffen, die von fünf Medaillen in London ausgeht“, so der 64-Jährige.

Der Deutsche Olympische Sportbund regelt unter anderem auch finanzielle Belange für die verschiedenen Sportarten. Zum Thema Geld wartete Scharping mit einer positiven Nachricht auf. Der Bund Deutscher Radfahrer hat einen neuen Sponsor. „Die Firma JA Solar und wir haben uns auf zunächst drei Jahre geeinigt, dazu kommt eine Option bis 2016“, sagte der ehemalige SPD-Politiker.

Für Steven Sun, Chef-Repräsentant des Photovoltaik-Unternehmens mit Sitz in Schanghai, war der Vertrag eine logische Entscheidung. „Wir sind ein Unternehmen, das sich dem Umweltschutz verpflichtet fühlt, da wir auf regenerative Energien setzen. Radsport ist eine grüne Sportart. Und in Deutschland gibt es großes Interesse für die Umweltthemen“. Das chinesische Unternehmen plant derzeit den 1,5 Milliarden Euro teuren Bau einer neuen Produktionsstätte in der Universitätsstadt Stadt Hefei.