Das Abenteuer Vietnam endete für Falko Götz am Dienstagmorgen gegen sechs Uhr auf dem Frankfurter Flughafen. Über Nacht war er – dienstlich wohl zum letzten Mal – aus Hanoi eingeflogen, nach einem kurzen Stopp ging es weiter ins heimatliche München. Ein angenehmer Flug sei es gewesen, berichtete Götz nach seiner Heimkehr, und vor allem sei er pünktlich und nach Plan erfolgt. Immerhin, könnte man in Gedanken noch anfügen, denn in den letzten Wochen als vietnamesischer Fußball-Nationaltrainer war meist das Gegenteil der Fall.
Kurz vor Weihnachten hatte es erste Meldungen gegeben, wonach der 49-Jährige entlassen worden sei. Der frühere Trainer von Hertha BSC reagierte mit Erstaunen, da mit ihm niemand gesprochen habe. Nach seiner Rückkehr am 4. Januar aber bekam er dann Gewissheit, auch wenn sich bis heute kein Präsidiumsmitglied des Verbandes bei ihm persönlich gemeldet hat. Seine Entlassungspapiere händigten ihm Mitarbeiter in einem Brief aus, den Rest erledigten die Anwälte. Sein erst im Juni aufgesetzter Vertrag läuft noch bis Monatsende, dann war es das – mit Abfindung zwar, aber ohne ein Wort des Dankes, zumindest von den hohen Vertretern.
Kein Wunder, dass Götz zwar nicht im Groll geht, dafür hat er im Tagesgeschäft zu viele gute Kontakte geschlossen. Aber verärgert ist er schon: „Meine Entlassung hatte politische Gründe“, sagt er, weiter führt er seine Vorwürfe nicht aus. Und doch ist klar, worum es gehen dürfte: Um persönliche Interessen einiger weniger Mitglieder des Präsidiums. Denn die meisten Menschen, das zeigte sich am medialen Echo, stehen noch immer hinter Götz und kritisieren die Entscheidung des Verbandes hart. Auch deshalb habe er deutliche Worte gefunden: „Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich diese Entscheidung zwar akzeptieren muss, sie aber nicht respektiere.“ Sportlich gesehen ist das Ganze ohnehin eine Farce, hatte Götz das südostasiatische Land immerhin um 55 Plätze nach oben und in die Top-100 der Weltrangliste geführt. Umso ärgerlicher für ihn, dass sein exotisches Engagement auf diese Weise zu Ende geht. Zwar hätte er schon vor Dienstbeginn wissen können, wie die Uhren in Vietnam ticken. So plauderte etwa der Verbandspräsident sein Gehalt aus (angeblich rund 15.000 Euro im Monat), zudem erhielt sein Berater die vereinbarte Gage nicht in voller Höhe. Aber, so Götz, ihm sei es darum gegangen, neue Wege zu beschreiten.
Deutsche Tugenden
Und da hat er in nur einem halben Jahr eine ganze Menge an neuen Eindrücken mitgenommen. So erzählt er leidenschaftlich von den fremden Sitten und Gerüchen in Asien, etwa von Vogelköpfen, die sich seine Spieler zum gemeinsamen Lunch servieren ließen, auch Schlangen kamen auf den Teller. „Das war teilweise grenzwertig“, sagt Götz, der in einem Punkt aber hart blieb: „Ich habe sofort gesagt, dass ich auf keinen Fall Hund esse.“ Dafür musste er erkennen, wie wichtig das Essen für seine Spieler ist. Beim kleinsten Hungergefühl seien sie zum Buffet gegangen – selbst wenn eine Viertelstunde später gespielt wurde. Dass Pünktlichkeit nicht den höchsten Stellenwert genießt. Auch deshalb ist Götz noch immer verwundert über seinen Rauswurf, hatte er mit dem Verband doch beschlossen, die vielbeschworenen deutschen Tugenden zumindest ein bisschen einzuführen. „Wir waren auf einem guten Weg“, sagt Götz.
Jetzt will er sich erst einmal um seine Familie in München kümmern. Zwischen den Zeilen aber gibt er zu erkennen, dass er sich vor Weihnachten über einen Anruf gefreut hätte: den von Hertha BSC, als der Klub nach der Trennung von Markus Babbel einen neuen Trainer suchte. „Bei Hertha kann ich mir vieles vorstellen“, sagt Götz vielsagend, „es muss ja nicht unbedingt der Posten des Cheftrainers sein.“ Klingt ganz danach, als habe der Mann klare Ziele. Auch wenn diese in weiter Ferne liegen dürften. Aber mit Entfernungen kennt er sich inzwischen ja aus.





