Öffentliches Lob vom Trainer hatte es lange nicht gegeben für Ronny. Doch unter dem neuen Chef hat sich das geändert . „Klasse Ronny“, „super Ronny“ – immer wieder dröhnen im Trainingslager die Anfeuerungen von Michael Skibbe über den Platz. Während Vorgänger Markus Babbel mit dem Brasilianer merklich gefremdelt hat und ihn nur selten aufbot, ist Skibbe angetan.
Er stellt Ronny (25) gar auf eine Stufe mit seinem ein Jahr älteren Bruder Raffael, einem der Stars im Team des Berliner Bundesligisten: „Fußballerisch sehe ich Ronny ähnlich stark wie seinen Bruder.“ Beide könnten sich durch ihre gute Technik und eine gute Übersicht aus engen Situationen befreien, können spielentscheidende Pässe spielen, beide seien torgefährlich. „Da überschneidet sich schon ziemlich viel“, sagte Skibbe.
Nach der Roten Karte samt einer Vier-Spiele-Sperre für Raffael (über einen Protest entscheidet der Deutsche Fußball-Bund am 16. Januar), sieht es aus, als werde zum Rückrunden-Start in die Bundesliga Ronny die vakante Position im zentralen Mittelfeld übernehmen. Mache Ronny so weiter wie zuletzt gegen Ende der Hinrunde und auch im Test gegen Drittligist Osnabrück (3:2), „dann komme ich kaum umhin, ihn nicht spielen zu lassen“, sagte Skibbe schwärmerisch.
Allerdings wird es für den einstigen U17-Weltmeister auch Zeit. In seiner Karriere und bei Hertha. Seit seiner Verpflichtung im Sommer 2010 wartet er auf den Durchbruch, im bis 2013 laufenden Vertrag ist derzeit die Halbzeit des Beschäftigungsverhältnisses erreicht. Grund genug für die Brüder, die den gemeinsamen Familiennamen de Araujo haben, sich samt Dolmetscher im Teamquartier in Belek zum Interview zu stellen.
Morgenpost Online: Ronny, über Weihnachten ist Raffael samt Familie nach Brasilien geflogen. Sie sind in Europa geblieben und haben trainiert. Wie schwer ist Ihnen das gefallen? Und wie sah das Trainingsprogramm aus?
Ronny: Ja, ich habe trainiert. Und habe mit Blick auf das Training über Weihnachten in Maßen gegessen. Trotzdem war ich mit der Familie und mit Freunden zusammen. Gut, es war nicht so, als wenn wir nach Brasilien geflogen wären. Aber es war gut.
Morgenpost Online: War es eine Idee Ihres Beraters Dino Lamberti, in Europa zu bleiben, und waren Sie sofort einverstanden?
Ronny: Es war auch eine Idee von ihm. Wir sind nach einem langen, eingehenden Gespräch zu dieser Entscheidung gekommen. Dino ist ehrgeizig. Er möchte, dass seine Spieler erfolgreich spielen. Er verfolgt alles, was ich mache.
Morgenpost Online: Was haben sie über Weihnachten am meisten vermisst?
Ronny: Das Zusammensein mit der erweiterten Familie. Dazu das brasilianische Essen, meine brasilianischen Freunde – und Partys am Strand.
Morgenpost Online: Raffael, sind Sie geschockt von der Sperre für vier Bundesliga-Spiele für den Platzverweis in Hoffenheim?
Raffael: Ich hoffe, dass die Sperre vielleicht reduziert wird. Aber ich war nicht wirklich überrascht Vor mir hat Vorsah von Hoffenheim drei Spiele Sperre für seine Rote Karte bekommen. Da hatte ich gefürchtet, dass ich sogar fünf oder sechs Spiele bekomme. Warten wir mal ab, was passiert.
Morgenpost Online: Wie schwer war es für Sie, Ronny, dass Sie bei Ex-Trainer Markus Babbel so sehr in der Kritik standen?
Ronny: Ich bin Spieler, ich habe die Meinung des Trainers immer respektiert.
Morgenpost Online: Der neue Trainer, Michael Skibbe, äußert sich sehr positiv über Sie.
Ronny: Es ist immer gut für einen Spieler, wenn er vom Trainer gelobt wird. Aber ich weiß, dass ich noch hart arbeiten muss, um meinen Platz in der Mannschaft zu finden.
Morgenpost Online: Raffael, wenn Ronny Ihren Platz im Team übernimmt – wird es dann einen Bruderkampf um die Spielmacherrolle bei Hertha geben?
Raffael: Nein, ich habe keine Angst, dass ich meinen Platz an Ronny verliere. Ich freue mich, dass es mit Ronny wieder so gut klappt. Ronny kann alles geben, er ist defensiv gut. Seine Pässe und seine Schussstärke sind überragend. Es gibt keinen Bruderkampf.
Morgenpost Online: Was sagt die Familie zu der Konstellation, dass sie beide um einen Platz konkurrieren? Gibt es da ein Lager für Raffael und eines für Ronny?
Raffael: Nein, überhaupt nicht. Die Familie ist stolz, sie freut sich für uns, wenn wir gute Spiele machen.
Morgenpost Online: Ronny, Sie sind Publikumsliebling im Olympiastadion. Wie nehmen Sie die langgezogenen Rufe Ihres Namens wahr?
Ronny: Das finde ich gut, das ist ein Ansporn für mich. Manchmal bin ich aber so konzentriert auf das Spiel, dass ich das gar nicht richtig mitbekomme.
Morgenpost Online: Hertha steht als Aufsteiger auf Platz elf. Was kann der Klub diese Saison erreichen?
Ronny: Ich hoffe, dass wir ins Pokalfinale einziehen. Und ich bin ehrgeizig. Ich würde sehr gern mit Hertha an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen. Ich würde mit den Kollegen dieses Ziel gern anpeilen. Ich habe mit Sporting Lissabon in der Champions League und im Uefa-Cup gespielt. Das sind die beiden großen, wichtigen Wettbewerbe in Europa, die Spiele werden weltweit ausgestrahlt. Für uns Spieler, für den Verein – es wäre gut für alle, an den internationalen Spielen teilzunehmen. Ich hoffe, dass dieses Ziel für Hertha zu erreichen ist.





