Boxen

Zbik will nicht für, sondern gegen Sturm kämpfen

Felix Sturm ersteigerte die Austragungsrechte für den EM-Kampf zwischen seinen Rivalen Sebastian Zibk und dem polnischen Titelverteidiger Grzegorsz Proksa.

Foto: AP / AP/DAPD

Richtig grün waren sich beide noch nie. Obwohl sie jahrelang beim selben Hamburger Boxstall unter Vertrag standen, sich ihre Wege nahezu täglich in der Trainingshalle kreuzten und ihre Trainer dick befreundet sind. Die Krux von Felix Sturm (32) und Sebastian Zbik (29) ist, dass beide im Mittelgewicht boxen, sie somit ärgste Konkurrenten sind. Sturm ist noch Weltmeister, Zbik war es bis vor einem halben Jahr. Ein Duell der beiden wäre ein Quoten-Hit. Solange sie bei Universum unter Klaus-Peter Kohl in den Ring kletterten, wusste dies der clevere Kaufmann aber zu verhindern. Beide taugten schließlich als alleinige Hauptkämpfer.

Inzwischen promotet Sturm sich in Eigenregie und muss zusehen, wie er mit lukrativen Kampfabenden seinen Fernsehpartner Sat 1 bei Laune hält. Vorgesehen sind jährlich sechs Veranstaltungen. Bei der Hälfte soll der Superchampion der World Boxing Assocation (WBA) selbst in Aktion treten. Die übrigen drei bestreiten andere Hauptkämpfer. Beispielsweise Sebastian Zbik. So zumindest wünscht es sich Sturm.

Der Leverkusener ersteigerte jetzt in Rom die Austragungsrechte für den EM-Kampf zwischen dem polnischen Titelverteidiger Grzegorsz Proksa und Zbik, dem Pflichtherausforderer. Mit 176.100 Euro hatte er das Höchstgebot unter drei Bietern abgegeben. 60 Prozent der Summe gehen an Proksa, der Rest bleibt Zbik, der sonst für seine Kämpfe ein Vielfaches von dem jetzigen Betrag kassierte. Können sich bei Pflichtverteidigungen die Protagonisten nicht untereinander einigen, wird der Kampf branchenüblich per geheimer Briefofferte versteigert. Mietbieten kann dabei jeder.

Der EM-Kampf soll am 2. März in Düsseldorf oder Oberhausen steigen. Ob er zustande kommt, muss bezweifelt werden, wie Zbiks erste Reaktion zeigte. „Ich will nicht für Sturm boxen, sondern gegen ihn. Ich werde ihm nicht seinen TV-Vertrag sichern“, grätzte er.

Gegen seinen einstigen Stallkollegen hätte der Schweriner, der nur einen seiner 31 Profikämpfe verlor, längst boxen können. Doch Sturms mehrmalige Börsenagebote an Zbik, die weit über dem vom EM-Kampf lagen, waren ihm nie hoch genug. Sollte Zbik nun kneifen, muss er nicht nur eine empfindliche Strafe an die Europäische Box-Union (EBU) zahlen. Auch seine Karriere dürfte mehr denn je in den Sternen stehen. Denn nur mit einem Titel kann er weiter auf große Zahltage spekulieren.