Boxen

Rivalen der Klitschko-Brüder zeigen Härte

Während Wladimir Klitschko in Düsseldorf operiert wurde, überzeugen die Herausforderer Alexander Powetkin und Robert Helenius in Helsinki.

Foto: dpa/DPA

Der Rettungshubschrauber über dem kleinen Tiroler Ort Going hatte etwas Bedrohliches. Als kurze Zeit später feststand, dass das Hightech-Gerät mit Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko an Bord , der seit dem 24. Oktober in Tirol sein Trainingslager bezogen hat, nach Innsbruck unterwegs war, saß der Schock bei den Anwesenden tief. Und auch die Diagnose – Kolik wegen eines Nierensteins im Harnleiter – trug nicht zur Beruhigung bei.

Auch nicht bei Robert Helenius und Alexander Powetkin . Die potenziellen Herausforderer des Ukrainers waren in der Nacht zum Sonntag erfolgreich in Helsinki in den Boxring geklettert und hatten von den Problemen des Champions erfahren hatten.

Der 27 Jahre alte Finne Helenius holte sich den Europameistertitel dank eines schmeichelhaften 2:1-Punkterfolges über den Briten Dereck Chisora (27), und Powetkin (32) verteidigte den Weltmeistergürtel der World Boxing Association (WBA) durch einen veritablen K.o.-Sieg in Runde acht über den Amerikaner Cedric Boswell (42).

Der Russe ist beim Weltverband WBA die Nummer zwei hinter Superchampion Klitschko (35, er besitzt mehrere Titel) und wird als Weltmeister geführt. Beide warten auf eine Chance gegen den Ausnahmeathleten.

Der Titelträger der Weltverbände WBA, World Boxing Organization (WBO) und International Boxing Federation (IBF) konnte die Auftritte der aufstrebenden Rivalen am Fernsehen verfolgen. Nach der ersten Diagnose in Innsbruck war er nach Düsseldorf geflogen und hatte sich in der Uni-Klinik von Professor Peter Albers mittels einer Endoskopie einen rund drei Gramm schweren Nierenstein entfernen lassen.

Der Eingriff dauerte etwa 45 Minuten. Professor Albers hatte sich zuvor mit den Kollegen in Innsbruck und Bernd Kabelka in Hamburg, Klitschkos Sportarzt, in Verbindung gesetzt.

„Es ist alles gut verlaufen, und es sind keinerlei Komplikationen eingetreten“, sagte Manager Bönte, und Tom Löffler, Geschäftsführer der PR-Firma K2 fügte hinzu: „Alles läuft wie geplant. Die Wettkampfwoche beginnt am Montag mit der Pressekonferenz in Düsseldorf.“ 35.000 Tickets sind bislang verkauft.

Kampf am Samstag?

Klitschko bezog nach seiner Entlassung aus der Uni-Klinik am Sonntagvormittag sein Hotelzimmer in der Rheinmetropole. Schließlich soll der jüngere Bruder von Vitali Klitschko (40), der Inhaber des WM-Gürtels nach Version des World Boxing Council (WBC) ist, am Samstag seine WM-Titel in der Düsseldorf Arena gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck (39) verteidigen.

Bönte: „Natürlich muss Wladimir die Entscheidung treffen.“ Dies wird er nach Rücksprache mit Trainer Emanuel Steward tun, der sich in der „Morgenpost Online“ begeistert über das Trainingslager und seinen Schützling gezeigt hatte. „Unser Vormittagtraining besteht zu 70 Prozent aus Reden, Analysieren, Korrigieren. Wladimir ist für mich der Einstein des Boxens“, schwärmte der Amerikaner, der Klitschko zum „besten Schwergewichtler des Universums“ kürte.

Bis zu so einem Lob ist der Weg für Robert Helenius noch sehr lang. „Ich hoffe, dass Wladimir boxen kann und keine Probleme kriegt“, sagte der Zweimetermann, der wie Powetkin beim Team Sauerland in Berlin unter Vertrag steht, nachdem er nach seinem schmeichelhaften Erfolg im Europameisterschaftsduell mit dem Briten Dereck Chisora „nur sehr kurz“ geschlafen hatte.

Powetkin näher dran

Helenius zeigte sich in der Hartwall-Arena in Helsinki vor 12.738 Landsleuten (3,16 Millionen Fernsehzuschauer bei der ARD) keineswegs souverän. „Ich habe Schmerzen in meiner rechten Schlaghand gehabt. Ich denke, sie ist gebrochen. Aber ich war auch ein bisschen nervös und konnte Chisora nicht stellen“, ging der neue kontinentale Champion mit sich ins Gericht.

„Vitali Klitschko hat 24 Kämpfe bis zur WM benötigt, Wladimir Klitschko 30, um Europameister zu werden. Robert hat erst 16 Profikämpfe absolviert. Er hat noch so viel Zeit“, nahm Helenius-Manager Wilfried Sauerland etwas den Druck von seinem Hoffnungsträger. „Ich denke, ein Unentschieden wäre in Ordnung gewesen“, lautete das Fazit des ARD-Experten Henry Maske. Ein baldiges Duell Klitschko-Helenius verbietet sich noch von selbst.

Etwas näher dran ist Powetkin. Zwar hat er bereits zwei Kampftermine mit Wladimir Klitschko platzen lassen, der Auftritt gegen Boswell ließ aber nichts zu wünschen übrig, und die Zahl der Schwergewichtler, die als Klitschko-Rivalen in Frage kommen, ist klein. Allerdings sieht sich der Olympiasieger von 2004 einem Rivalen aus dem eigenen Team gegenüber. Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck (27) forderte ihn heraus. „Alexander, ich will gegen dich kämpfen.“ Powetkin-Trainer Teddy Atlas konterte: „Von mir aus nächste Woche.“