Fussball-Bundesliga

Tuchel wütet – und Finks Erfolgsserie hält

Nach dem Remis gegen den Hamburger SV ließ der Mainzer Trainer Thomas Tuchel kein gutes Haar am verhinderten Matchwinner Eric Maxim Choupo-Moting.

Eric Maxim Choupo-Moting setzte auf einen Konfrontationskurs der besonderen Art: Geduldig und immer noch mit wärmenden Fingerlingen an den Händen beantwortete der Pechvogel des FSV Mainz 05 nach der Nullnummer gegen seinen Ex-Klub Hamburger SV jede Frage nach seinen so sträflich vergebenen drei Torchancen.

Dass sich Stürmer Choupo-Moting in den nächsten Wochen wohl weiter warm anziehen muss, machte nur wenige Meter weiter FSV-Trainer Thomas Tuchel überraschend offen deutlich. „Maxim fehlt das Selbstverständnis vor dem Tor. Die Torgefahr geht ihm ab, fehlende Technik war ausschlaggebend. Aber Technik unter Stress ist extrem wichtig“, kritisierte Tuchel und kündigte an: „Daran und am Abschluss wird er im Training arbeiten müssen.“ Ausgerechnet kurz vor Weihnachten weht dem vor der Saison ablösefrei vom HSV gekommenen Choupo-Moting ein rauher Wind ins Gesicht.

Für einige der Mainzer Fans war der unglückliche Auftritt des kamerunischen Nationalspielers nur Wasser auf die Mühlen. Zuletzt hatte es latente Kritik an der vermeintlich zu verschnörkelten Spielweise von Choupo-Moting gegeben. Mit dem auf eine schnelle Balleroberung ausgelegten Spiel der Rheinhessen hat der 22-Jährige augenscheinlich noch seine Schwierigkeiten. „Das ist schon eine Umstellung. Aber ich bin wie ich bin. Meine Spielart muss man akzeptieren“, meinte der gebürtige Hamburger schulterzuckend. Aus der Verantwortung wollte sich Choupo-Moting aber nicht stehlen: „Ich hätte die Chancen reinmachen müssen, das muss ich kaltschnäuziger nutzen. Natürlich ärgert mich das.“

Gleich zweimal binnen drei Minuten war die Mainzer Nummer zehn an HSV-Keeper Jaroslav Drobny gescheitert (88./90.). Nur kurz zuvor hatte Choupo-Moting freistehend aus rund zehn Metern über das Gehäuse der Gäste geschossen (75.). „Das war schon schwer als Torwart, dass von hinten mit ansehen zu müssen“, haderte FSV-Schlussmann Christian Wetklo. Auch Abwehrspieler Niko Bungert übte indirekt Kritik an Choupo-Moting: „Von den zwei, drei klaren Chancen muss eine reingehen. Das fühlt sich an, als hätten wir zwei Punkte verloren.“

Choupo-Moting hatte ohnehin gehofft, gegen seinen Ex-Klub von Anfang an auflaufen zu dürfen. Tuchel brachte ihn allerdings erst in der 54. Minute für den am Knie verletzten Andreas Ivanschitz. Überhaupt lief die Saison für Choupo-Moting bislang nicht ganz nach Wunsch. Achtmal stand der Angreifer bislang in der Startelf, wurde siebenmal ein- beziehungsweise zweimal ausgewechselt - und erzielte vier Treffer. „Natürlich will ich häufiger spielen“, betonte der Nationalspieler Kameruns, der es sich bei Tuchel wohl erst einmal verscherzt haben dürfte.

Beim HSV, der unter Trainer Thorsten Fink auch im siebten Spiel unbesiegt blieb (insgesamt elf Punkte), deutete ein Rückkehrer sein Potenzial an. Torjäger Mladen Petric feierte nach sechswöchiger Verletzungspause ein vielversprechendes Comeback und wäre fast noch zum Matchwinner geworden. Der in der 68. Minute eingewechselte Kroate vergab in der Schlussphase zwei Chancen (73./82.). „Es wäre super gewesen, sich mit dem Siegtreffer zurückzumelden“, sagte Petric.

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