Fussball-Bundesliga

Ibisevic beendet Hoffenheims Talfahrt in Nürnberg

1899 Hoffenheim hat beim 1. FC Nürnberg seine sportliche Krise vorerst gestoppt. Mann des Spiels war Vedad Ibisevic – in jeglicher Hinsicht.

Vedad Ibisevic war anzusehen, dass sein Nachmittag nach Wunsch verlaufen war. Zwei Treffer erzielt, vom Trainer bei der Auswechslung fast erdrückt - der Bosnier in Diensten von 1899 Hoffenheim trug ein äußerst zufriedenes, überlegenes Lächeln zur Schau, als er nach dem 2:0 (1:0) beim 1. FC Nürnberg aus der Kabine kam. Betont gelassen, allerdings auch ein bisschen herablassend begegnete er anschließend dem Vorwurf, nicht nur der Matchwinner, sondern auch der Bösewicht des Spiels gewesen zu sein, in dem es neben einer Reihe von Gelben auch zwei Rote Karten gab.

„Gleich tut’s weh“, soll Ibisevic gesagt haben, ehe er das 1:0 erzielte. Dies behauptete der Nürnberger Abwehrspieler Philipp Wollscheid. Der lag kurz vor dem ersten Gegentreffer am Boden, weil, wie er es schilderte, Ibisevic ihm mit dem Ellenbogen gegen den Hals geschlagen und er demzufolge keine Luft mehr bekommen hatte.

Wollscheid unterstellte Ibisevic sogar, vorsätzlich gehandelt zu haben, Ibisevic spottete: „Da sieht man, dass er noch jung ist und noch viel zu lernen hat“, Wollscheid solle „nicht so einen Blödsinn“ erzählen. Wollscheid sei keiner, der Blödsinn erzähle, betonte Club-Trainer Dieter Hecking.

Schiedsrichter Jochen Drees ahndete den Vorfall nicht, er ließ vielmehr weiterspielen, während Wollscheid am Boden lag. Ibisevic leitete daraufhin das 1:0 (39.) ein, als er schließlich eine Hereingabe von Fabian Johnson verwertete, lag sein Gegenspieler weit entfernt auf dem Rasen. „Ein ganz klares Foul“, sei das gewesen, ereiferte sich Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer, und „mit Absicht“ habe Ibisevic außerdem zugeschlagen. Es sei auch „kein Fair Play“ gewesen, dass die Hoffenheimer weitergespielt hätten, obwohl ein Nürnberger am Boden gelegen habe, erboste sich der Nürnberger Mannschaftskapitän.

Wie auch immer: Der Treffer von Ibisevic, nach zwei Spielen Unterbrechung von Holger Stanislawski in dessen 50. Bundesliga-Spiel als Trainer wieder in die Startformation berufen, war der Anfang vom Ende für die Nürnberger. Vier Minuten später flog Timothy Chandler Sejad Salihovic in die Füße und mit Rot vom Platz. „Er trifft ihn voll, keine Frage, aber er wurde vorher selbst gefoult und kommt deswegen zu spät“, sagte Hecking und ergänzte: „Gelb hätte auch gereicht.“ Kurz vor dem Abpfiff sah auch Marvin Compper Rot, wegen einer Notbremse gegen Tomas Pekhart. Das Spiel war da längst entschieden.

Das 0:1, anschließend der Platzverweis, „das war ein Genickbruch“, sagte Schäfer. Trainer Hecking bemängelte freilich, dass nach dem zweiten Treffer von Ibisevic (56.) seiner Mannschaft allzu offensichtlich der Glaube gefehlt habe, „das Ding“ noch einmal drehen zu können. Mit den umstrittenen Szenen des Spiels wollte er sich aber nicht weiter aufhalten. „Es war eine verdiente Niederlage“, sagte Hecking mehrfach, Hoffenheim sei bereits „in den ersten 35, 40 Minuten die spielbestimmende Mannschaft“ gewesen. „Die Niederlage schmeckt uns nicht, aber damit muss man leben.“



Und das Leben der Nürnberger ist ziemlich hart geworden: nur ein Sieg aus den vergangenen elf Bundesliga-Spielen, Abstiegskandidat. Auch Hoffenheim war zuletzt weit nach hinten gerutscht, der TSG war vor der Reise nach Franken bei den vorangegangenen neun Versuchen nur ein Dreier gelungen.

Der Kraichgau war keine sonderlich beschauliche Gegend in den vergangenen Wochen. Andreas Beck, der Mannschaftskapitän, fand es deshalb selbst sehr „erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit“ die Hoffenheimer in Nürnberg auftraten. „Wir haben uns bravourös selbst aus dem Sumpf gezogen“, sagte er.



Am heftigsten zog Ibisevic, dem Stanislawski attestierte, im Training „richtig Gas“ gegeben zu haben. „Er war zwei Spiele draußen, weil wir da einen anderen Plan verfolgt haben, aber er hat sich nicht hängen lassen“, lobte der Trainer, er wirkte erleichtert, dass seine Mannschaft offensichtlich das getan hatte, was er ihr unter der Woche versucht hatte einzutrichtern.

Betonung auf „Mannschaft“ übrigens. „Einen hervorzuheben wäre verkehrt“, sagte Stanislawski. Ibisevic sei „nur der Endverwerter“, sagte der Trainer. „Aber das“, ergänzte er mit einem Schmunzeln, „hat er gut gemacht.“

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