Ex-Meistertrainer

Magath zieht mit Schindzielorz in den Abstiegskampf

Das muntere Austauschen des Wolfsburger Personals gibt Anlass zur Frage, ob Felix Magath weiß, mit welcher Strategie er die laufende Saison bestreiten möchte.

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Bei aller Freude über seine Beförderungen: Es ist zu vermuten, dass Sebastian Schindzielorz manchmal ein wenig ratlos auf sein Handy blickt. Hin und wieder, wenn Felix Magath in der Not ein besonderes Zeichen setzen möchte, beruft er den rustikalen, 32-Jährigen von der Amateur- in die Bundesliga-Mannschaft des VfL Wolfsburg. Am 16. Bundesliga-Spieltag, als die Niedersachsen 1:4 (0:2) bei Werder Bremen untergingen , lösten Schindzielorz und Erstliganeuling Sebastian Polter nach der Halbzeitpause die Routiniers Josue und Hasan Salihamidzic ab.

Personalien wie diese muten kurios an. Das spielerische Konzept, mit dem Wolfsburg in die Champions League stürmen wollte, bleibt verborgen. "Wir sind mitten im Abstiegskampf", gibt Magath zu und trägt die traurige Bilanz seines Wirkens dennoch so gelassen vor, als sei nichts Schlimmes passiert.

Es ist und bleibt ein großes Stück Narrenfreiheit, mit dem Magath an einem Fußballstandort regiert, der anders tickt. Dank der großzügigen Zuwendungen des Volkswagen-Konzerns darf der Allesentscheider beim VfL nach Belieben wirken, heuern und feuern. Sie vertrauen Magath, der die Wolfsburger vor zwei Jahren zur Meisterschaft geführt hat, blind und bedingungslos. Aber sein Versuch, mit Hilfe von viel Geld und Personal ein neues Erfolgsteam zu formen, darf in dieser Saison schon jetzt als gründlich gescheitert bezeichnet werden. Kritische Töne sind aus dem Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH und aus den benachbarten VW-Chefetagen trotzdem nicht zu hören. Kritisieren, das bleibt das exklusive Recht von Magath.

"Die Spieler wissen nicht zu schätzen, was sie an diesem Verein haben" – das war seine jüngste verbale Spitze, mit der er seine Profis aus aller Welt zuletzt bedacht hat. Insgesamt 30 verschiedene Spieler hat der 58-Jährige in dieser Saison schon aufgeboten. Hinter diesem traurigen Ligarekord verbergen sich Nachwuchsspieler wie Polter, Notlösungen wie Schindzielorz, aber auch nachträglich verpflichtete Stars wie Alexander Hleb, Thomas Hitzlsperger und der wieder aussortierte Sotirios Kyrgiakos.

Das muntere Austauschen des Wolfsburger Personals sorgt für mehr Verwirrung als Stabilität. Und es gibt Anlass zur Frage, ob der Chef des Ganzen selbst noch weiß, mit welcher Strategie er die laufende Saison bestreiten möchte.

Die große Konstante, die Magath seit geraumer Zeit bei seinem Wirken zu bieten hat, bleibt seine Selbstherrlichkeit. Was haben die Profis des VfL Wolfsburg in dieser Saison, in der nach dem im Sommer erkämpften Klassenverbleib alles besser werden sollte, nicht schon über sich ergehen lassen müssen. Magath versuchte es mit Geldstrafen für ungehorsame Spieler (Mario Mandzukic), mit Straftraining für lauffaule Profis (Patrick Helmes) und mit Verbannung nicht funktionierender Arbeitnehmer (unter anderem Kyrgiakos, Jan Polak und Helmes).


Magaths Klima der Angst

Es gilt als geflügeltes Wort in der Liga, dass das System Magath auf einem Klima der Angst basiert. Und deshalb stellt sich eben auch die Frage, ob sich die Methode mit Peitsche, aber ohne jedes Zuckerbrot nicht endgültig abgenutzt hat. Wer sich die Gesichter jener Profis ansah, die am Sonntagmorgen schweigend zum tristen Auslaufen nach der neunten Saisonniederlage antreten mussten, entdeckte eine Mischung aus Frust und Ratlosigkeit.

Der hüftsteife Abwehrspieler Alexander Madlung, von Magath mal als Stammspieler betrachtet und dann wieder als Grundübel des Misserfolgs eingekreist, war von den wendigen Bremer Stürmern der Lächerlichkeit preisgegeben worden. Natürlich müsste ein Profi wie Madlung deutlich mehr Leistung bringen. Vielleicht müsste sich ein erfahrener Trainer wie Magath aber auch mit den Fähigkeiten seines vorhandenen Personals begnügen und lieber erst einmal behutsam an Verbesserungen arbeiten.


Keine Struktur und Hierarchie

In der Mannschaft um den schwachen Kapitän Christian Träsch gibt es keine Struktur und keine Hierarchie mehr. Die aufgestellten Profis sehen sich gegenseitig hilfesuchend an, wenn es mal wieder ein Gegentor zu beklagen gibt. Es ist genau jenes Bild des Jammers zu beobachten, das in der Regel solche Fußballmannschaften abgeben, denen bei Misserfolg in Serie auch noch das letzte Stückchen Harmonie und Zusammenhalt abhanden gekommen ist.

Für die Winterpause hat Magath wieder einmal weitere Verstärkungen angekündigt. Die Tschechen Petr Jiracek und Vaclav Pilar (beide Viktoria Pilsen) sollen die nächsten Zugänge eines Vereins werden, dessen Fans große Schwierigkeiten haben dürften, sich die Namen aller eingekauften und verkauften Profis der vergangenen Jahre zu merken.

Vor dem Spiel in Bremen hatte Magath sein Team zwei Tage lang in ein Trainingslager beordert. Die Mannschaft wollte sich dort auf das Wesentliche konzentrieren, mehr miteinander sprechen und beim teaminternen Bowling etwas für die gute Laune tun. Wie es gelingen soll, verunsicherten Spielern den Rücken zu stärken, wenn ständig von deren Unfähigkeit und dem Bedarf an weiteren Zugängen die Rede ist, bleibt Magaths Geheimnis.