FC-Idol

Podolskis Abschied aus Köln nimmt Konturen an

Kölns Nationalstürmer Lukas Podolski betreibt auch gegen Freiburg eifrig Werbung in eigener Sache. Sein Verbleib wird damit nicht wahrscheinlicher.

An Empfehlungen mangelt es Lukas Podolski nicht. Es gibt ja so einige, die Anteil an seinem Werdegang nehmen, und bei denen reihte sich nun auch sein Trainer ein. Weil der Kölner Stürmer seit Monaten in Hochform ist, sondierte Stale Solbakken schon mal den Markt für den 26 Jahre alten Star seines Teams. „Wenn Lukas gehen sollte“, sagte also Solbakken, „kann er sicher zu einem besseren Verein gehen als zu Schalke.“

Natürlich hat der Norweger da recht. Schalke ist nicht der einzige Interessent, und es gibt weitaus erfolgreichere Kaliber, etwa den FC Arsenal. Denn Podolski spielt so gut wie nie zuvor in seiner Karriere. Mit seinen zwei Treffern beim 4:0 (1:0) gegen den SC Freiburg hat er bereits vor der Winterpause einen persönlichen Bundesligarekord eingestellt. Auf insgesamt 13 Treffer kommt er nach dem 14. Ligaspiel, in der vergangenen Saison benötigt er für die gleiche Leistung 32 Partien. Und: Bei seiner Gala gegen Freiburg traf er bereits zum fünften Mal in dieser Spielzeit zweimal. Das macht ihm so schnell keiner nach, weswegen ihn Solbakken auch gleich noch als „Weltklassespieler“ lobte. Mehr Werbung geht für den Moment nicht, einen der begehrtesten Spieler der Liga zu preisen. Es ist, als würde er als Kassenknüller schon mal vorsorglich ins Schaufenster gestellt.

Tatsächlich wird nicht ganz klar, was der 1. FC Köln bezwecken will. Einerseits reibt sich der Klub gerade am Ligarivalen Schalke auf und empört sich am Interesse der Gelsenkirchener. Bei denen hatte erst der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies Gefallen an einer Verpflichtung des 95-maligen Nationalspielers bekundet , danach auch noch Manager Horst Heldt. „Ich denke, dass es keine Schande und legitim ist, sich als zweitgrößter Verein mit einem deutschen Nationalspieler zu beschäftigen. Bevor Lukas zu Galatasaray Istanbul geht, sollten wir ihn lieber in der Bundesliga halten“, sagte Heldt. Volker Finke, Kölns Sportchef, geißelte das als Wichtigtuerei. „Hauptsache, man ist im Gespräch“, sagte er.

Andererseits hat sich Finke mit einem unklug erscheinenden Schachzug selbst unter Druck gesetzt. Podolski, hatte er klar gestellt, müsse sich bald schon auf seinen Klub zubewegen. Er wolle „mit Lukas auf keinen Fall in die neue Saison gehen, ohne mit ihm zu verlängern“. Heißt: Bei den wohl während der Winterpause stattfindenden Gesprächen über eine Verlängerung des im Sommer 2013 endenden Vertrages muss sich Lukas Podolski zu Köln bekennen. Ansonsten wird der mit Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 30 Millionen Euro belastete FC seine Identifikationsfigur nach der Saison verkaufen müssen.

Das Diktat des ehemaligen Studienrates scheint jedoch wenig wirkungsvoll. Podolski ist es, der die Bedingungen vorgeben kann, nicht Finke. Der Stürmer machte deutlich, dass er gedenke, sich Zeit zu lassen. Und der süffisante Konter auf Finkes Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. „Wenn man mit mir nicht in die neue Saison gehen will, muss ich in die zweite Mannschaft oder auf die Tribüne gehen. Wenn man so eine gute Saison wie ich spielt, ist es klar, dass Vereine vorfühlen“, sagte Podolski.

Es ist auch klar, dass er zwar mit dem Herzen am 1. FC Köln hängt, sein Kopf ihm aber sagt, dass er genarrt wurde. Als er 2009 vom FC Bayern zurückkehrte, wurde ihm viel versprochen, dann aber wenig gehalten. Um ihn herum sollte ein Team aufgebaut werden, was das Zeug für die Spitze habe. Tatsächlich reichte das verpflichtete Personal seither nur, den Abstieg zu vermeiden. „Was wir ihm erzählt haben, das war eher Wunschdenken als Realität“, sagte Christoph Daum, der frühere Kölner Trainer, dem „Express“. Podolski selbst hatte vor zwei Wochen „Morgenpost Online“ erklärt, dass ihn die Kölner Konzeption nicht zufriedenstelle.

Umso erstaunlicher ist, dass sein Unmut auf dem Platz purer Spielfreude weicht. Lukas Podolski hat einen guten Weg gefunden, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Er bleibt seinem Verein nichts schuldig und empfiehlt sich für andere Klubs. Der 1. FC Köln wird bald wohl um eine Attraktion ärmer.

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