Bayern München

Robben kommt, trifft und gibt sich melancholisch

Der Niederländer wird nach einer Stunde eingewechselt und wird zum Matchwinner der Bayern. Aber die schwere Zeit des Holländers ist noch nicht vorbei.

Rehabilitation lautete das Wort der Woche in München. Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge hatte sie nach zuletzt zwei Pleiten in Folge von der Mannschaft gefordert, Präsident Uli Hoeneß ebenso.

Nach 90 lange zähen, nur am Ende aufregenden Minuten gegen Werder Bremen ließ sich die von den Mächtigen erhobene Rehabilitations-Frage mit Ja beantworten. 4:1 (1:0) wurde Werder Bremen besiegt, dank des parallelen Remis im Borussen-Derby stehen die vermeintlichen Krisen-Bayern sogar wieder an der Tabellenspitze.

Rehabilitation blieb dennoch auch nach dem Abpfiff ein Thema, wenngleich im engeren, medizinischen Sinne. Es ging jetzt um das Schicksal von Arjen Robben , dem zweifachen Torschützen. Eine halbe Stunde hatte er gespielt, zwei Elfmeter verwandelt, „es war eine Freude“, sagte er, denn er habe endlich mal ohne Schmerzen gespielt. Von einer vollständigen Rehabilitation könne jedoch noch keine Rede sein.

"Habe noch oft Schmerzen"

„Für mich ist es eine sehr schwere Zeit“, sagte er und beendete sogleich die verführerische Illusion, mit den beiden Toren sei jetzt womöglich alles wieder gut: „Es ist noch nicht vorbei, denn ich habe oft Schmerzen. Manchmal ist es ein bisschen besser, dann wieder ein bisschen schlimmer.“

Das Schambein war es, das ihn zuletzt plagte, aber irgendetwas zwickt eben fast immer am sensiblen Körper des Niederländer. Erst 44 Bundesliga-Spiele, beileibe nicht alle über 90 Minuten, konnte er für die Münchner seit seiner Verpflichtung vor zweieinhalb Jahren bestreiten.

Eine Quote, die in etwa auch die Einsatzzeiten bei seinen früheren Vereinen wie Chelsea und Real Madrid widerspiegelt. Es ist schon bewundernswert, wie Robben sich trotzdem immer wieder herankämpft, wobei ihm natürlich seine Klasse hilft. In besagten 44 Spielen erzielte er 32 Tore.

Zwei Elfmeter verwandelt

Gegen Bremen waren es zwar nur zwei Elfmeter , aber sie waren wichtig und außerdem veränderte seine Einwechslung nach einer Stunde die Statik eines Spiels, das den Bayern gerade aus den Händen zu rinnen drohte. Es stand 1:1, und kurzzeitig lebte Bayerns Werder-Trauma.

Keines ihrer letzten fünf Gastspiele beim Branchenprimus hatten die Hanseaten verloren, nun schienen sie ihre Serie fortsetzen zu können, als Thomas Müller in der 69. Minute von Andreas Wolf zu Fall gebracht wurde und Robben etwas glücklich zum 2:1 verwandelte. „Arjen hat gezeigt, wie wichtig er für die Mannschaft ist und dass er immer seine Aktionen hat“, urteilte Kapitän Philipp Lahm.

Insgesamt war der klare Sieg der Bayern jedoch nur in Maßen ihm, dem starken und ebenfalls zweifach erfolgreichen Franck Ribéry oder der im Vergleich zu den letzten Wochen stabileren Teamleistung zu verdanken. Sie wurde vor allem durch den Rivalen begünstigt.

Bis auf eine Viertelstunde nach der Pause bot Werder eine sehr schwache Vorstellung – zunächst blutleer, am Ende dann konfus. „Wir waren ein dankbarer Gegner“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf, denn: „Wir waren viel zu harmlos.“

Und so hatte das vermeintliche Spitzenspiel nicht mehr als einen gewissen Retro-Charme. Wenig erinnerte an die Zeit, als Duelle zwischen Bayern und Bremen solche um die Vorherrschaft im deutschen Fußball waren.

Das Tempo in der ersten Halbzeit hätte jeder Kaffeefahrt zur Ehre gereicht. Doch so es das Ziel der Bremer war, das Spiel von vornherein nur auf ein torloses Remis herunter zu dimmen, durften sie keine solchen Fehler begehen wie vor dem Münchner 1:0. Eine eigene Freistoßchance wurde zu einem tödlichen Bayern-Konter, den Ribéry nach seinem Solo von der Strafraumgrenze aus vollendete (24.).

Die Bayern atmen durch

Werders überraschender Ausgleich fiel nach ähnlichem Muster. Diesmal war es die Bayern-Defensive, die sich in aller Naivität ausspielen ließ. Markus Rosenberg wurde von Luiz Gustavo und Badstuber höflich zur Strafraumgrenze geleitet, von wo aus der Schwede den Ball im linken Eck versenkte (52.). Für Rosenberg, in anderen Stadien nicht gerade als Tormaschine bekannt, war es bereits der vierte Treffer in der Münchner Arena.

Doch dann kam Robben, dann führte Bayern wieder, dann nutzte es die endlosen Räume, welche Werder nun bot. Ribéry schob ein (77.), Robben verwandelte einen weiteren Elfmeter, nachdem Ribéry von Sokratis geschubst worden war (83.). Zwischendrin dezimierte Werder sich noch selbst: Aaron Hunt sah für ein Horror-Tackling mit beiden Beinen gegen Toni Kroos die Rote Karte (80.).

Die Bayern atmen durch, „wir können froh sein, dass Arjen so cool beide Elfmeter verwandelt hat“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Ob die Schwächeperiode seiner Elf endgültig überwunden ist, wird man dann gegen stärkere Gegner sehen.