Werder Bremen

Arnautovic – Vom Problemfall zum Hoffnungsträger

Werder-Stürmer Marco Arnautovic vollzieht eine erstaunliche Wandlung: Selbstbewusst fährt der Österreicher mit Bremen zum Spitzenspiel nach München.

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Die Laune ist prächtig, es gibt ja auch keinen Anlass für Trübsal. Er hat das Spitzenspiel bei Bayern München vor Augen und spürt den Rückhalt des Trainers – Marco Arnautovic kann nicht klagen. Mit einem Sieg am Samstag in München könnte Werder Bremen in der Tabelle an den Bayern vorbeiziehen, es sind verheißungsvolle Zeiten für den Stürmer der Hanseaten. „Vielleicht ist der Weihnachtsmann ja mit mir und schenkt mir ein paar Tore“, sagt Arnautovic. Er fahre jedenfalls nicht in die bayerische Hauptstadt, „um Urlaub zu machen“. Er und seine Kollegen seien ja nun mal „keine kleinen Kinder, die in München nur ein bisschen spielen wollen“, zitiert ihn die „Bild“.

Es gab Zeiten, da wären solche Sätze dem 22 Jahre alten Österreicher als der ihm lange anhaftende Größenwahn ausgelegt worden. Arnautovic wirkte zu Beginn seiner Zeit in Bremen wie ein verzogener Junge, der nur noch Nachsicht erfährt, weil er so unglaubliches Talent hat. Private und sportliche Kapriolen waren das einzig Konstante in seinem Leben. Mittlerweile haben sich die Dinge geändert. Es wäre voreilig, ihn als geläutert zu bezeichnen, aber Arnautovic ist zumindest reifer geworden. „Es hat Klick gemacht, ich fühle mich erwachsener, ich weiß nicht wieso“, sagt er.

Das passt ganz gut, denn einen Arnautovic in Form und geistig auf der Höhe kann Werder gut gebrauchen. Das Bremer Spiel ist enorm abhängig von Torjäger Claudio Pizarro, der seine Knieverletzung angeblich auskuriert hat und wohl gegen die Bayern spielen kann. Insgesamt elf Tore und vier Vorlagen hat der Peruaner in zwölf Spielen beigesteuert. Fällt er aber aus, hängen die Bremer meist durch. Arnautovic mit seinen unglaublichen Fähigkeiten und seinem enormen Potenzial kann da die Lösung für das Offensivproblem sein. Allein, er ist noch nicht treffsicher genug.

Drei Tore sind es bislang nur. „Ich zeige gute Leistungen, aber mir fehlen die Tore. Es wird Zeit, dass mich für meine gute Form belohne“, sagt Arnautovic. So sieht es auch Trainer Thomas Schaaf. Der erklärt zwar, dass er momentan mit dem Österreicher zufrieden sei, auch die Wandlung seines einstigen Problemspielers wird von ihm gut geheißen. Schaaf sagt aber auch, „dass Stürmer natürlich treffen sollten“.


Trainer Schaaf hielt an ihm fest

Der Beharrlichkeit des unbeirrbaren Bremer Trainers ist Arnautovics Wandel wohl in erster Linie zuzuschreiben. Er hat ihn zu erziehen versucht, an ihm festgehalten, auch in schweren und turbulenten Zeiten, ihn gelobt, getadelt und rehabilitiert. Im Oktober des vergangenen Jahres vergab Arnautovic bei Werders Aus im DFB-Pokal beim Rekordmeister aus München (1:2) einige Großchancen. Hätte er Tore erzielt, wäre er zum Helden geworden – der Österreicher avancierte jedoch zur tragischen Figur und bot monatelang miese Vorstellungen.

Es hat lange gedauert, bis Arnautovic zur Besinnung gekommen ist. Doch langsam beginnt er, die im Sommer 2010 von Werder aufgebrachte Ablöse etwa 6,2 Millionen Euro wert zu sein. Schaaf hofft, dass sich Arnautovic „nicht mehr so spontan zu Dingen hinreißen lässt, sondern sich mehr Zeit lässt. Das war doch das auffälligste an ihm. Er hat auf alles sofort reagiert, was auf ihn zugekommen ist“.

Etwa, als ihn ein Radiomoderator am Telefon vorgaukelte, der ehemalige österreichische Teamchef Didi Constantini zu sein: „Marco, wir haben schon wieder ein Problem. Angeblich hängst du jede Nacht vor dem Pay-TV. Ich weiß nicht, was mit dir los ist. Das sind ärgere Sachen. Das sind Pornos härteren Ausmaßes. Heute fragen sie mich, was führt der Arnautovic wieder auf. Du bist angeblich bis zwei, halb drei Uhr im Zimmer narrisch worden. Das geht so nicht. Und Frauen waren auch dabei.“ Arnautovic: „Das soll mir einer beweisen. Trainer, ich schwöre es ihnen beim Leben meiner Mutter, Sie wissen, wie gläubig ich bin. Ich habe alles eingehalten. Keiner kommt zu mir ins Zimmer.“

Tatsächlich war er lammfromm. Die Vorbereitung auf diese Saison war für Arnautovic so etwas wie die Vorbereitung auf ein Leben als Fußballprofi. „Er hat da gesehen, dass es nicht darauf ankommt, fünf oder zehn Minuten oder eine Partie gut zu spielen und anschließend davon zu leben, dass einer wie er Talent hat. Er folgt mittlerweile seiner Linie sehr konsequent“, sagt Schaaf.

Nur bei der Frage, wer am Samstag im Spiel bei den Bayern der Favorit sei, ist Arnautovic verwegener als sein Chef. Kein anderer Klub als seiner sei der Favorit, sagt er. Am Samstag kann er dieses Selbstbewusstsein nicht nur mit Worten, sondern auch mit Toren bekräftigen. Es wäre der nächste Schritt seiner Wandlung.