"Lage der Liga"

Das große Umdenken bleibt eine Illusion

Der Fußball allein wird gegen Fehlentwicklungen nichts ausrichten können. Nur wenn sich unsere Gesellschaft ändert, wird sich auch der Sport ändern können.

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War da ein Hauch von Reue zu erkennen, als die Freiburger Spieler in der 24. Minute den Linienrichter bedrängten, weil sie den Hoffenheimer Torschützen Roberto Firminho (zu Unrecht) im Abseits wähnten?

Wirkten die Fans des 1.FC Union nachdenklich, als sie im Zweitligaspiel bei Hansa Rostock am Freitag den Gästeblock mit ihren Bengalos in Brand setzten? Oder die Schalker Anhänger, die mit ihren Brandsätzen einen Tag später für zwei Spielunterbrechungen in Dortmund sorgten? Dreimal nein, im letzteren Fall gab es gar 15 Festnahmen vor dem Anpfiff des Derbys.

Es wird derzeit viel geredet über ein Umdenken im deutschen Fußball. Der Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati, den der Druck im Bundesligabusiness in eine Depression getrieben hatte, schockierte die Nation. Die Sperre von Dynamo Dresden, die wegen ihrer prügelnden und zündelnden Fans gerade vom DFB-Pokal 2012/13 ausgeschlossen wurden, wurde kontrovers diskutiert.

Doch beide Phänomene werden nicht verschwinden, nur weil fromm darüber palavert wird. Selbst der Selbstmord von Robert Enke vor zwei Jahren hatte keine Folgen. Der Druck bleibt hoch.

Schiedsrichter werden trotz aller Aufrufe zu mehr Fairplay weiter beschimpft und kritisiert. Und Idioten, die den Fußball als Bühne für falsche Selbstdarstellungen missbrauchen, werden weiter randalieren. Das Sportgericht schaut machtlos zu.

Es ist ein Irrglaube, dass Ereignisse, so schockierend sie sein mögen, nachhaltig die Einstellung der Menschen ändern. Der Einfluss des Fußballs ist nun mal begrenzt. „Wir sind kein Reparaturbetrieb für die Gesellschaft“, hat Ligapräsident Reinhard Rauball jüngst gesagt.

Er hat (leider) Recht. Der Fußball allein wird gegen Fehlentwicklungen nichts ausrichten können. Nur wenn sich unsere Gesellschaft ändert, wird sich auch der Sport ändern können.