Boxen

Vitali Klitschko will Großmaul Haye bestrafen

Ein Duell zwischen Vitali Klitschko und David Haye scheint plötzlich ganz nah. Die Verhandlungen laufen, bestätigt der Klitschko-Manager.

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Bernd Bönte traute seinen Augen nicht. Als der Manager der Klitschko-Brüder in Gedanken versunken über den Flur des Fünfsternehotels „Stanglwirt“ schlenderte, sah er sich plötzlich von einem knappen Dutzend englischer Journalisten umringt. Verdutzt fragte er die neugierige Meute: „Was wollt ihr denn hier?“

Wenn schon so viele ausländische Berichterstatter, dann hätte er diese aus Frankreich erwartet. Schließlich bereitet sich Boxweltmeister Wladimir Klitschko (35) derzeit in der Nobelherberge am Fuße des Wilden Kaisers in Going/Österreich auf seine Titelverteidigung gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck (39) vor, die am 10 ?Dezember in Düsseldorf ausgetragen wird.

Seinen Satz hatte Bönte kaum ausgesprochen, da prasselten auch schon die Fragen der Briten auf ihn ein. „Kommt es zum Kampf gegen Haye?“ „Wann würde er stattfinden?“ „Wovon hängt ein Agreement ab?“ „Wie ist der Stand der Verhandlungen?“ Dabei ging es den Neugierigen nicht um ein Rematch Wladimirs gegen David Haye . Dazu wird es „definitiv“ (O-Ton Bönte) nicht kommen, nachdem der Dreifachtitelträger aus der Ukraine das Großmaul von der Insel vor vier Monaten in Hamburg deutlich nach Punkten besiegt und sich neben den Gürteln der World Boxing Organisation (WBO) und der International Boxing Federation (IBF) auch den der World Boxing Association (WBA) erkämpft hat. Nein, das Interesse der Reporter richtet sich auf ein Duell zwischen Wladimirs fünf Jahre älterem Bruder Vitali und Haye.

Erst unlängst hatte Haye im Interview mit der „Welt“ den Weltmeister des World Boxing Council (WBC) mit schmachvollen Provokationen herausgefordert. Der Ukrainer sei ein „Schisshase, der nicht den Mut besitzt, gegen mich zu boxen. Vielmehr sucht er sich immer nur tote Opfer aus“, lästerte er. Zudem sei Vitali mit seinen 40 Jahren „ein alter Hund, der normalerweise ins Altersheim für Boxer gehört“.

Nach dem Titelverlust gegen Wladimir hatte der in London lebende Schwergewichtler seine Ankündigung zwar wahr gemacht und sich am 13. Oktober, seinem 31. Geburtstag, in den Ruhestand verabschiedet. Allerdings ließ er wissen, noch einmal in den Ring zurückkehren zu wollen, wenn sich Vitali – der Ukrainer sagte vor längerem: „Ich möchte Haye gern richtig bestrafen“ – ihm stelle. Danach sieht es nun aus.

Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren, bestätigte Bönte, über Details werde gesprochen: „Haye möchte den Kampf, Vitali möchte ihn, und ich habe auch nichts dagegen.“ Schließlich bringt der Ex-Weltmeister das meiste „to the table“, wie es Bönte formulierte. Soll heißen: Haye wäre angesichts der ausgehenden Gegner nicht nur der sportlich reizvollste Rivale, sondern er garantiere auch das lukrativste Geschäft. Gleich drei englische Fernsehanstalten (Sky, Box-Nation, Channel 5) wollen für den Kampf zahlen. So wie es Sky beim Kampf gegen Wladimir tat. Haye kassierte damals rund zehn Millionen Euro.

Die Entscheidung müsse in den 14 Tagen fallen, sagte Bönte. In der Woche nach Wladimirs Titelverteidigung soll der Name von Vitalis Gegner bekanntgegeben werden. Namen anderer möglicher Herausforderer wollte Bönte nicht nennen. Als Kampftermin hat das Management den 18. Februar oder 3. März vorgesehen, als Kampfort Düsseldorf.

Während Vitali derzeit in der Heimat seinen politischen Verpflichtungen als Chef der Partei „Ukrainische demokratische Allianz für Reformen“ nachkommt, soll Haye sich bereits im Training befinden. In seinem Londoner Gym sparrte er vorige Woche gegen den talentierten Supermittelgewichtler George Groves, der in zwei Wochen seinen Commonwealth-Titel verteidigt.

Lästermaul Haye ist aber nicht nur beim Kreuzverhör auf dem „Stanglwirt“-Flur allgegenwärtig. Während des Trainings von Wladimir in der zu einem Boxgym umfunktionierten Tennishalle lässt sich der „Hayemaker“ sogar in Aktion erleben. Über die drei Monitore, die um den Boxring postiert wurden, flimmert dessen Kampf gegen Mormeck in einer Endlosschleife.

Es war die letzte Titelverteidigung des Franzosen als WBC- und WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. Den Kampf im November 2007 verlor er vor heimischem Publikum in Runde sieben, obwohl er Haye in der vierten Runde am Boden hatte. Für den neuen Champion, der später ebenso wie Mormeck in die Königklasse aufstieg, war es der erste Titelgewinn.