Marco Huck

"Klitschkos haben viel zu oft gegen Pfeifen geboxt"

Boxer Marco Huck im Interview auf Morgenpost Online über seine WM-Verteidigung am Samstag, über falsche und richtige Freunde und die Klitschko-Brüder.

Foto: picture alliance / Photowende / picture alliance / Photowende/Photowende

Am Sonnabend verteidigt Profibox-Weltmeister Marco Huck seinen WM-Titel im Cruisergewicht nach Version der World Boxing Organization (WBO) in Ludwigsburg (22.45 Uhr, ARD) gegen den Argentinier Rogelio Omar Rossi. Im Interview auf Morgenpost Online spricht der 26-jährige Berliner über sein neues Leben als Ehemann , sein gewohntes Leben als Champion und seinen Traum vom Wechsel ins Schwergewicht.

Morgenpost Online: Herr Huck, Sie hatten mit Ihrer Frau Amina traumhafte Flitterwochen auf den Malediven mit völlig neuen Lebenserfahrungen in Liebe, Lust und Leidenschaft. Da muss der Wechsel ins Trainingscamp nach Kienbaum und zum knochenharten Trainer Ulli Wegner statt der anschmiegsamen Gattin doch geradezu höllisch sein.

Marco Huck: Unsere Flitterwochen waren wirklich ein Traum. Amina hat mich verwöhnt und ich sie. Und ich gebe zu, es war schon in den ersten Tagen schwer, sich wieder ans Boxen zu gewöhnen. Aber Trainer Wegner ist nicht nur hart, sondern auch ein Motivationskünstler. Er macht jedem von uns klar, dass wir als Profis die Chance haben, uns ein tolles Leben zu verdienen. Wenn wir erfolgreich sind.

Morgenpost Online: Sie haben immer wieder gesagt, dass die Familie das Wichtigste im Leben sei. Das gilt für einen frisch gebackenen Ehemann umso mehr. Ein zusätzlicher Ansporn, erfolgreich zu bleiben?

Huck: Familie ist die Nummer eins, noch vor Boxen. Ich habe zwei Schwestern (Munevera und Muamera, d. Red) und einen Bruder (Kenan). Der Zusammenhalt untereinander ist sehr groß. Und mit Amina und ihrer Familie ist das natürlich genauso. Ich konnte durch das Boxen meinen Eltern einiges zurückgeben, was sie für mich getan haben. Natürlich will ich auch wegen der guten Börsen Weltmeister bleiben. Aber nicht nur deswegen.

Morgenpost Online: Sind eigene Kinder ein Thema für Sie und Ihre Frau?

Huck: Kinder sind das Beste, was es gibt. Natürlich sind sie ein Thema für Amina und mich.

Morgenpost Online: Als Champion sind Sie privilegiert, da hat man einige Freunde. Richtige und falsche.

Huck: Einige? Man soll nicht glauben, wie viele Leute sich als deine Freunde betrachten, solange du Erfolg hast. Aber das kann ich mittlerweile gut auseinanderhalten.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen Luxus?

Huck: Wenn alles andere stimmt, finde ich Luxus gut.

Morgenpost Online: Ihr Trainingskollege Arthur Abraham nutzt gern die Leistung seines Ferraris und er hat sich einen Safe gekauft. Wollen Sie nachziehen?

Huck: Den Ferrari finde ich gut, so ein Auto ist eben etwas ganz Besonderes. Den Safe, hat mir Arthur erzählt, hat er gekauft, um seine Steuerunterlagen nicht zu verbummeln. In Deutschland muss man unheimlich korrekt sein, was das betrifft. Ein Safe ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Ich bin nicht so ordentlich wie das Finanzamt, aber ich will keinen Steuerstress.

Morgenpost Online: Stress oder Druck werden Sie am Sonnabend haben. Ihr Gegner ist zwei Meter groß. Das ist ungewöhnlich in Ihrer Gewichtsklasse. Sind Sie verunsichert?

Huck: Ich habe mit sehr großen Leuten Sparring gemacht. Aber im Endeffekt ist das egal. Ich sehe im Ring, wie es läuft. Ob er nun groß oder klein ist, Rossi wird von mir im Ring klein gemacht. Ich trete an, um zu siegen. Nur darauf kommt es an.

Morgenpost Online: Trauen Sie sich einen K.o.-Sieg zu?

Huck: Definitiv ja. Aber ich werde nicht so arrogant sein, ihn vorher anzukündigen.

Morgenpost Online: Das Duell mit Rossi ist Ihre achte Titelverteidigung. Sie würden gern einen zweiten Titel in der 91-Kilo-Klasse erkämpfen, aber Ihr großer Traum ist ein Wechsel ins Schwergewicht. Da verprügeln die Klitschko-Brüder aber in letzter Zeit mit David Haye, Tomasz Adamek und demnächst wohl auch mit Jean Marc Mormeck aufgestiegene Cruisergewichtler. Was machen Ihre Kollegen falsch, dass sie chancenlos sind?

Huck: Sie haben Angst, riskieren gar nichts. Die meisten Gegner, die gegen die Klitschkos boxen, geben sich scheinbar schon vorher auf. Bevor sie in den Ring steigen, haben sie schon verloren. Für sie geht es nur darum, mit dem Kampf Kohle zu machen.

Morgenpost Online: Sind Sie wirklich sicher, dass keine Angst zu haben, die körperlichen Nachteile gegenüber den Klitschkos auch nur im Ansatz wettmachen könnte?

Huck: Ich mache regelmäßig Sparring mit Schwergewichtlern. Unser Robert Helenius ist auch zwei Meter groß und wiegt 110 Kilo. Ich denke sogar, dass ich groß genug bin (1,87 m, d.R.). Im Normalfall wiege ich 92 bis 93 Kilo. Ich kann sicher da noch etwas draufpacken. David Haye oder Evander Holyfield haben sich auch durchgesetzt, obwohl sie unter 100 Kilo gewogen haben. Und Angst vor großen Jungs hatte ich noch nie (lacht).

Morgenpost Online: Auch vor den Klitschko-Brüdern nicht?

Huck: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich weiß nicht, wie lange die beiden wirklich noch boxen. Bei einem Aufstieg ins Schwergewicht würde ich bestimmt nicht gleich einen WM-Fight kriegen. Also sind die Klitschkos vielleicht gar nicht mehr da. Sie haben viel geleistet, aber sie haben viel zu oft ihre Gegner ausgesucht und dann gegen Pfeifen geboxt. Ich will keine Sprüche machen, aber ich würde gern gegen sie antreten.

Morgenpost Online: Und von der Börse einen Ferrari kaufen?

Huck: Ich hoffe, die würde für zwei reichen.