Bundesliga

Wolfgang Overaths Rücktritt schockiert Köln

Ratlosigkeit rund ums Geißbockheim: Am Tag nach dem Rücktritt von Wolfgang Overath zeigten sich die Spieler des 1. FC Köln überrascht von der Rücktrittserklärung. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen, sogar Torwart-Urgestein und FC-Legende Toni Schumacher ist im Gespräch.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ratlosigkeit statt Wut, stiller Protest statt offener Unmutsbekundungen: Am Tag nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Wolfgang Overath herrschte beim 1. FC Köln Schockstarre. Mitgenommen von den Geschehnisse zeigten sich vor allem die Spieler: „Für die ganze Mannschaft war es ein Schock. Wir waren sprachlos, hatten nicht mit dieser Entscheidung gerechnet“, sagte Vize-Kapitän Sascha Riether beim Training.

Coach Stale Solbakken und seine Spieler bemühten sich bei strahlendem Sonnenschein um Normalität. Eine Normalität, die angesichts der Amtsflucht der Klub-Spitze mit Overath sowie den Vizepräsidenten Jürgen Glowacz und Friedrich Neukirch kaum zu vermitteln war.

Riether zeigte sich vor allem über den Zeitpunkt des Rücktritts irritiert, da der FC zuletzt sportlich einen Aufwärtstrend gezeigt hatte: „Es ist sehr verwunderlich, dass diese Entscheidung passiert ist, gerade aufgrund der Situation, die wir jetzt haben. Wir haben gedacht, jetzt gibt es ein wenig Ruhe, dann kommt der nächste Schock. Das müssen wir erst einmal verkraften.“

Trainer Solbakken äußerte Verständnis für Overaths Entscheidung: „Er hat eine große Geschichte als Spieler und Kapitän des FC, der Verein hat ihm viel zu verdanken. Er hat über viele Jahre einen guten Job gemacht, seinen Schritt muss man akzeptieren.“

Die nach den Handgreiflichkeiten bei der Mitgliederversammlung befürchteten Tumulte blieben derweil aus. Kaum 50 Trainings-Kiebitze verirrten sich am Montagmorgen ans Geißbockheim.

Am Sonntag war es während der über fünfeinhalbstündigen Versammlung in der Kölnarena noch zu unfassbaren Szenen unter den knapp 3000 anwesenden Mitgliedern gekommen. Overath-Anhänger und -Gegner gingen mit den Fäusten aufeinander los, die Security musste Schwerstarbeit leisten, um eine Eskalation zu verhindern.

„Das tat uns sehr, sehr weh. Das ist leider bei so einer emotionalen Lage nicht auszuschließen“, sagte Ex-Vizepräsident Neukirch am Tag nach der Randale dem "Kölner Stadtanzeiger", „ich wollte versuchen, als Sitzungsleiter alle Emotionen rauszunehmen. Dass dies nicht komplett geglückt ist, schmerzt.“

Nicht nur aufgrund der aufgeheizten Stimmung will sich der am Sonntag neu gewählte Verwaltungsrat um seinen Vorsitzenden Werner Wolf bei der Kandidatenschau Zeit lassen. Einen Schnellschuss wird es nicht geben, die außerordentliche Mitgliederversammlung zwecks Neuwahl höchstwahrscheinlich erst 2012 über die Bühne gehen.

Bereits öffentlich als Overath-Nachfolger ins Gespräch gebracht wurde die kölsche Torwart-Legende Toni Schumacher, der frühere Nationalkeeper wiegelte allerdings ab: „Damit beschäftige ich mich zurzeit keine Sekunde, weil sich der FC in den letzten 20 Jahren bei mir nicht gemeldet hat. Sollte er sich melden, werde ich ihm selbstverständlich helfen. Aber ich werfe keine heißen Kohlen ins Feuer, ich heize das nicht noch an“, sagte Schumacher dem "Express".

Doch auch ohne Schumachers Zutun stehen am Geißbockheim ungemütliche Zeiten an. „Wir wissen, dass es in den kommenden Tage mehr Unruhe geben wird“, sagte Solbakken. In Köln ist dies mittlerweile der gewohnte Zustand.