Aufholjagd gegen Köln

Super-Pizarro sorgt für nächsten Werder-Wahnsinn

Der peruanische Torjäger erzielt gegen den 1. FC Köln einen Hattrick und lobt sich selbst: "Das ist der beste Pizarro, den es bislang gegeben hat."

Der Wunsch von Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf mag allzu verständlich anmuten, nachdem was in Bremen alles geschah. „Ich würde gerne mal wieder einen langweiligen Sieg erleben“, hatte Schaaf gesagt. Er konnte gut plaudern, nach einem Spiel wie dem gestrigen. Eines, das für die Seinen am Ende doch noch eine glückliche Fügung nahm und in die Kategorie Werder-Wahnsinn fällt. Weil die Bremer zur Pause mal wieder für mausetot befunden wurden, am Ende aber dennoch siegten. Es gibt ja mittlerweile ganz eigene Vokabeln für diese Art von verrückten Bremer Spielen. „Das Wunder von der Weser“ wird dann gerne bemüht.

Am Samstag jedenfalls hatte das Wunder recht irdische Züge in Gestalt des Dreifachtorschützen Claudio Pizarro. 3:2 gewann Werder gegen den 1. FC Köln, dabei hatte es zur Pause noch 0:2 zurückgelegen. Doch der Reihe nach: Als das Duell der großen Torjäger war die Partie im Vorfeld hochgejazzt worden. Auf der einen Seite Pizarro. Dass die Bremer von ihm abhängig seien, kommentierte Werders Manager Klaus Allofs ganz lapidar: „Von ihm sind wir das gerne.“ Und auch Kölns Chefs sehen ihren Klub ein wenig als 1. FC Podolski . „Barcelona ohne Messi ist nicht Barcelona. Und Köln ohne Poldi ist nicht Köln“, sagte der norwegische Trainer Stale Solbakken. Am Samstag jedenfalls fand das Duell einen eindeutigen Ausgang, auch wenn die erste Hälfte an Lukas Podolski ging.

Es ging gleich munter los, mit einem Traumstart der Kölner. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, als Podolski ganz unbedrängt im linken Halbfeld zum Flanken kam. Im Sechzehner stieg Christian Clemens am höchsten und nickte ins rechte untere Eck zur Kölner Führung ein. Werders Innenverteidigung machte dabei einen recht unsortierten Eindruck. Auch das ist keine neue Erkenntnis. Im zwölften Saisonspiel gerieten die Bremer am Samstag zum neunten Mal in Rückstand. Von Werder kam wenig bis nichts, bis auf ein wegen Abseits nicht anerkanntes Tor von Aaron Hunt (10.).

Ansonsten aber war die erste Hälfte „von unserer Seite aus eine grausame“, befand Schaaf. Und so vollzog er noch vor der Pause wohl fast schon Historisches: In der 37. Minute ließ er gleich einen Doppelwechsel vornehmen und beorderte den überforderten Außenverteidiger Lukas Schmitz als auch Mittelfeldmann Mehmet Ekici auf die Bank. Doch auch mit neuem Personal, Philipp Bargfrede und Markus Rosenberg durften nun ran, waren es die Kölner, die noch in der ersten Hälfte erhöhten.

Podolski erzielt das 0:2

Werder verlor den Ball in der eigenen Hälfte, Köln schaltete sofort um. Clemens gelang ein überragender Pass in die Spitze, wo Podolski, aus der eigenen Hälfte kommend, Innenverteidiger Sebastian Prödl entwischte und allein auf Wiese zulief. Prödl fälschte den Schuss noch unhaltbar zum 2:0 ab.

„Wir müssen unser Spiel finden, ein frühes Anschlusstor, dann geht noch alles“, mutmaßte Allofs zur Pause. Und die Seinen taten, was der Manager befahl. Es war die Zeit des Claudio Pizarro, die nun anbrach. In der 49. Minute nutzte der Peruaner ein Gestocher im Kölner Strafraum per Abstauber zum 1:2. Dann folgte die hektischste Phase. Ein Handspiel im Strafraum von Bremens Innenverteidiger Naldo ließ Schiedsrichter Michael Weiner ungesühnt.

Nur 30 Sekunden später aber, quasi im Gegenzug, zupfte Kölns Sereno Rosenberg am Trikot. Weiner entschied auf Rot für den Sünder und auf Elfmeter für die Bremer, was die Kölner unisono erzürnte. Dann könne man in jedem Spiel „300 Elfmeter geben“, sagte Defensivkraft Sascha Riether bei „Sky“. Und auch Trainer Solbakken wollte in Weiner den Schuldigen ausgemacht haben: „Es war ein sehr intensives Spiel. Aber ein Mann konnte in diesem intensives Spiel nicht mitlaufen: Das war der Schiedsrichter. Es war nicht in Ordnung, was er heute gemacht hat.“

Pizarro jedenfalls machte kein großes Aufheben und verwandelte zum Ausgleich. Werder versuchte, weiter nachzulegen. Auch in dieser Statistik gehören sie ja zu den Besten. Kaum eine Mannschaft kam nach einem Rückstand so oft zurück wie Werder. Immer wieder liefen die Angriffe über den sehr selbstbewusst agierenden Rechtsverteidiger Sokratis. Allein beim Abschluss haperte es.

Und Köln? Trainer Solbakken beorderte nach der Roten Karte für Sereno mit Pedro Geromel einen neuen Innenverteidiger in die Mannschaft. Die Kölner verlegten sich nun auf Ergebnisverteidigung. 20 Minuten vor Schluss hatten sie auch noch Pech. Solbakken hatte bereits drei Mal gewechselt, dann verletzte sich Defensivkraft Ammar Jemal derart, dass der FC mit nur neun Spielern die letzten 20 Minuten bestreiten musste. Werder rannte an, und so kam, was kommen musste: nämlich Pizarro. In der 86. Minute staubte er einen Kopfball von Rosenberg eiskalt zum 3:2 ab.

Er mache jetzt die Tore, die er früher nicht gemacht habe, sagte Pizarro. Deswegen sei es auch sein Ziel, dieses Jahr die Torjägerkrone anzugreifen. „Das ist realistisch“, sagte er. Und ja, „das ist es der beste Pizarro, den es bislang gegeben hat.“ So gut jedenfalls, dass sich Kapitän Clemens Fritz zu reichlich Pathos hinreißen ließ: „Worte können nicht mehr ausdrücken, wie wertvoll er für uns ist.“