Sporthilfe statt Top-Gehalt

Warum Wasserballer Oeler Spandau die Treue hält

Trotz Spitzenangeboten aus Italien und Spanien bleibt Moritz Oeler bei den Wasserfreunden Spandau. Im Ausland kassieren Topspieler bis zu 200.000 Euro jährlich. Doch der "Wasserballspieler des Jahres" hat gute Gründe, in Berlin zu bleiben.

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Verlockend waren sie schon, die Angebote. Da meldeten sich plötzlich Vereine aus Italien, Ungarn und Spanien bei Moritz Oeler, die den deutschen „Wasserballspieler des Jahres“ verpflichten wollten. Aus Ländern also, in denen Wasserball Profisport ist. Der 26-Jährige gibt offen zu: „Langfristig ist da der Wunsch, mal ins Ausland zu gehen.“ Doch Oeler ist ein zu klar denkender Mensch, spontan sein Päckchen zu schnüren und blindlings einem Traum zu folgen. Erst will er mal in Berlin seinen Master in Druck- und Medientechnik machen. Außerdem ist da noch die feste Absicht, sich zum zweiten Mal nach Peking 2008 mit dem Nationalteam für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Also ist er doch geblieben, bei den Wasserfreunden Spandau, wo der Großteil der Nationalmannschaft spielt, halbprofessionell mit kleinen Einkünften und Unterstützung durch die Sporthilfe, was in Summe gerade zum Leben reicht. „Moritz hätte viel mehr Geld verdienen können“, weiß Hagen Stamm, Präsident des Berliner Serienmeisters. In Italien beispielsweise kassieren Topstars bis zu 200.000 Euro pro Saison. Stamm ist auch Bundestrainer und kennt Oeler deshalb gut. „Moritz ist sehr geradeaus und organisiert, einer der Sportler, die es schaffen, Leistungssport und Studium parallel zu schultern. Er ist sehr gewissenhaft.“ Und ein ausgezeichneter Schütze, 2008 Bundesliga-Torschützenkönig mit 81 Treffern, der erfolgreichste, weil konstanteste Spandauer Werfer in den vergangenen Jahren. So etwas weckt Begehrlichkeiten sogar bei der europäischen Konkurrenz.

Oeler ist zugleich einer der ganz wenigen Wasserballspieler, die von sich behaupten können, mit zwei Vereinen Deutscher Meister geworden zu sein. Den Titel haben ja die Spandauer seit 1979 abonniert. 31 Mal triumphierten sie, nur unterbrochen durch Waspo Hannover-Linden (1993) und den SV Cannstatt (2006). Oeler war einer jener Cannstätter, ein Jungspund damals noch. Nun ist er einer der besten deutschen Spieler. Wenn nicht schon der beste.

Deshalb spielt er bei den Besten, in Spandau. Und erlebt Jahr für Jahr mit, wie die Wasserfreunde in der Bundesliga die Konkurrenz beherrschen. 16:7 gegen Wedding, 20:2 gegen Potsdam, 21:5 in Würzburg – dem vierten Saisongegner aus Hannover wird es am Sonnabend (16 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) vermutlich nicht viel besser ergehen. Und wie sie sich gleichzeitig in der Champions League erfolglos abrackern, an alte Erfolge anzuknüpfen. Am Mittwoch gab es ein 6:6 in Novi Sad, zuvor ein bitteres 8:9 gegen Dubrovnik; nächster Gegner ist Mladost Zagreb. „Das ist eine hohe Schwelle, die öffentlichen Erwartungen zu erfüllen“, sagt Oeler, „unsere Gegner sind Profis, die machen nichts außer Wasserball. Da können wir nicht hingehen und sagen: Wir gewinnen mal die Champions League. Das wäre so, als würde Hertha BSC das sagen.“

Aber er will auch nicht alles schwarz malen. „Nehmen wir mal Italien“, sagt er, „vor kurzem waren wir mit denen noch auf Augenhöhe. Jetzt sind sie Weltmeister.“ Will meinen: So groß sind die Abstände nun auch wieder nicht. Bei einem besonders guten Turnier, an einem besonders guten Tag, wer weiß? „Wir tasten uns heran, Mannschaften brauchen Entwicklungszeit.“ Vielleicht, fügt Oeler hinzu, ist es sogar besser, wenn ein paar Spieler im Ausland Erfahrung sammeln.

So wie bisher nur Frank Otto, der in den 80er Jahren als Erster nach Italien ging. Und Marc Politze, der ein Jahr in Neapel spielte oder Sören Mackeben, der einst in Ungarn anheuerte. Wie Heiko Nossek, der als aktuell einziger Deutscher in Italien unter Vertrag steht, in Brescia. „Der Wechsel“, ist sich Hagen Stamm sicher, „kommt bestimmt.“ So wie der nächste Sommer. Und die nächsten Angebote.